an - und so reisten wir Alle hierher zurück , da Waldows Heimath unserm Wege näher lag , als Golzenau . Ich begleite Eduin nach einigen Tagen , welche wir hier zubringen , zu den Seinigen . Er will sich durchaus nicht von mir trennen , wahrscheinlich treten wir dann nach ein paar Wochen des Weilens im Vaterland eine neue Reise nach Norden an , da er den Süden so bereitwillig aufgab . - Aber Franz , Du weintest , wie ich Dich zuerst sah ? « sagte Gustav Thalheim . » Weint ' ich ? - Nun es kann wohl sein - wundern muß man sich freilich , wie man noch weinen kann ! Ach , es ist gut , daß Du da bist - ich muß Viel mit Dir reden , vielleicht weißt Du Rath , wo ich rathlos bin ! - Aber nicht hier - um diese Fabrik herum muß jetzt die Luft verpestet sein , muß einen neuen Wellengang erfunden haben für den Schall , daß er gleich bis in die Ohren des Fabrikherrn trägt , was man spricht , aber verändert , verschlimmert - auch weht der Herbstwind schon rauh über die Stoppeln - Du wirst frieren , weil Du aus Süden kommst . - Aber wo gehen wir hin - in meiner Kammer ist ' s vielleicht auch nicht mehr geheuer - wer kann ' s denn wissen ? « » Komm mit mir , « antwortete der Doctor Thalheim , » ich bewohne bei Waldow eine einsame Stube , dort wird uns Niemand belauschen , wenn Du Etwas zu fürchten hast , dort können wir uns einander näher erklären , denn noch verstehe ich Dich nicht . « So gingen sie denn zusammen dem Gute des Rittmeisters von Waldow zu . Unterwegs fragte der Doctor Franz , ob er Etwas von Amalien wisse . Franz verneinte . Er wußte es selbst noch nicht einmal , daß das Kind gestorben war - weder Amalie noch Bernhard hatten ihm geschrieben . Von diesen traurigen Verhältnissen sprachen sie zusammen , bis sie an das Ziel ihrer Wanderung kamen . Gustav führte den Bruder in seine Stube : Hier sind wir ungestört , « sagte er und zog ihn neben sich auf das Sopha . Die Stube war zwar etwas altmodisch eingerichtet , Gardinen und Meubles waren von ziemlich verblichener Pracht - aber es war doch immer einst Pracht gewesen und die eingedruckten Polster gaben noch immer weich und elastisch genug nach , um in ihrer Bequemlichkeit einem Proletarier ziemlich wunderlich vorzukommen . Er schüttelte den Kopf darüber wie über all ' die zierlichen , künstlichen Geräthe des Zimmers . Es mischte sich kein Neid und keine Bitterkeit in seine Worte , als er zu dem Bruder sagte : » Du gehörst jetzt zu der Classe der Reichen und vornehmen Leute - « denn er gönnte ihm das Alles ; aber er sagte es doch . » Bruder , « sagte Jener , » ich weiß wohl , daß Du unglücklich bist - aber noch , als ich vor Jahresfrist hier von Dir Abschied nahm , versichertest Du mir : Zuweilen habest Du doch Stunden , wo die Arbeit Deine Lust sei , Du strebtest nicht über Dein Loos hinaus - und drück ' es Dich auch ein Mal hart , nun so erhebe Dich doch der Gedanke , daß Du all ' Dein Streben Deinen Kameraden weihtest und daß es Dich erhöbe , danach zu trachten , soviel , als Dir möglich sei , zur Verbesserung der Lage der arbeitenden Classen beizutragen . - Denkst Du nun anders ? « » Du hältst mir ein Bild meines Selbst vor , wie es einst war und wie es bald ganz zertrümmert sein wird Ja ! Ich bildete mir das ein ! Was ich schrieb , sollte die Augen einflußreicher Menschen , der Schriftsteller , der Bürger auf die Noth der Armen lenken - was ich that , sollte , da ich anders nicht helfen konnte , die Kameraden hier eines besseren Looses werther machen . Und so geschah es auch . Mit einem von ihnen , Wilhelm , welcher fühlte und dachte wie ich , stiftete ich einen Verein unter uns unverheiratheten Arbeitern . Ich habe Dir einmal seine Statuten mitgetheilt . Dadurch ward Vieles besser . Trunkenheit und Spiel verschwanden bei den Jüngern . Dadurch , daß wir aus einer gemeinschaftlichen Casse uns unterstützten , wenn Einer in unverschuldete Noth kam , so daß wir nicht nöthig hatten , uns unsere Arbeit von den Factoren vorausbezahlen zu lassen , büßten wir weniger an unserm Verdienst ein . Wir redeten ein vernünftiges Wort zusammen , sangen kräftige Lieder zu Trost und Erheiterung , lasen wohl auch hier und da ein nützliches Buch zusammen - und so kam manches Gute . Das Alles ist nun hin ! Wir dürfen nicht mehr in unsrer besondern Stube zusammenkommen , keine Lieder mehr singen - Alles nicht mehr , was wir bisher gethan - spielen und uns betrinken aber - ja das dürfen wir ! « Gustav bat erschrocken theilnehmend um weitere Erklärung . Franz wußte seine Worte durch weiter Nichts zu ergänzen , als durch den außerordentlichen , drohenden Befehl von diesem Morgen . Dann fuhr er fort : » Aber ist denn das etwa Alles ? Unter diesem kleinen Haufen elender Arbeiter , von deren Dasein die Classe der bevorrechteten Menschen kaum mehr Notiz nimmt , als von einem Ameisenbau - werden die seelenerschütterndsten Trauerspiele aufführend gedichtet . Es giebt auch bei uns nicht nur äußerliches Elend und körperliche Schmerzen - wir haben all ' die andern auch in fürchterlicher Größe . Ich bekam einst ein Schreiben von Ungenannten , das die Gleichheit aller Menschen predigte , von unsern Rechten sprach den Reichen gegenüber und das endlich zum Widerstand gegen sie alle Armen aufforderte - Wilhelm ward ein Opfer dieser Ideen - wir sind seitdem unserer Freundschaft nicht mehr froh geworden . « » Aber Du , Franz -