dem Berg weit ins Freie hinaus und ich im Tal , wo die Kräuter hoch wachsen und alles versteckt ist , oder im Wald , aber nah beisammen , daß wir uns zurufen können . Du rufst durchs Sprachrohr : » Bettine , komm herauf ! « und da komm ich , und der Kanarienvogel fliegt voran , der weiß schon , wo ' s hingeht , und der Spitz kommt nachgebellt ; denn im Tal muß man einen Hund haben . Hör ! - Und im Frühjahr nähmen wir unsere Stecken und wanderten ; denn wir wären als Einsiedler und sagten nicht , daß wir Mädchen wären . Du mußt Dir einen falschen Bart machen , weil Du groß bist ; denn sonst glaubt ' s niemand , aber nur einen kleinen , der Dir gut steht , und weil ich klein bin , so bin ich als Dein kleiner Bruder , da muß ich mir aber meine Haare abschneiden . - So eine Reise machen wir im Frühjahr in der Maiblumenzeit , aber da versäumen wir die Erdbeeren ! Denn im Tal wär als alles übersäet , erst mit Veilchen und dann mit Erdbeeren , davon leben wir sechs Wochen ; Kohl pflanzen wir nicht . - Im Herbst sind wir wieder da und essen die Trauben , ach , könnt ' s nur einen Sommer wahr werden ! - Mir kommt ' s vor , als könnt man so immer und immer sein wollen . Denn wahrhaftig , mir strömt alle Weisheit aus Deinem Angesicht , ich hab mehr als zuviel , was in mich hineinspricht , wenn ich Dich seh , und wenn Du auch nur stillschweigst , so redst Du doch , Du bist ein groß Geheimnis , aber ein offenbares , aber ich schlafe in Deiner Gegenwart , Dein Geist schläfert mich ein , so träum ich , daß ich wache und empfinde nur alles im Traum und das ist gut ; denn sonst würd ich verwirrt sein . Wie der Clemens nach Haus gekommen war , hat er gleich nach meinem Brief gefragt , er wollt auch dran schreiben , ich hab ihn aber zerstreut durch allerlei , was ich von Dir erzählte ; denn ich wollt ihn nicht gern lesen lassen , daß ich als Einsiedler mit Dir leben wollt , denn er hätt ' s gewiß im Puppenspiel angebracht , so erzählt ich ihm von unsrer Rheinfahrt in der Mondnacht mit der Orangerie auf dem Verdeck , das machte ihm so viel Freude , er frug nach allem , was noch vorgefallen , nach jedem Wort , nach den Ufern , nach dem Mond ; und ich erzählte ihm alles ; denn ich wußte alles , jed Lüftchen , was sich erhoben hatte , und wie der Mond durch die Luken und Bogen hinter den Bergfesten geschimmert hat , und alles , und er frug auch , was wir gesprochen , ich sagte : nichts oder nur wenig Worte , denn es sei die ganze Natur so schweigend gewesen . - Und wie er alles ausgeforscht hatte , da ging er fort und sperrte mich ein und sagte , ich sollt ein Gedicht davon machen , grad so wie ich ' s erzählt habe , und sollt es nur aufschreiben immer in kurzen Sätzen , wenn es sich auch nicht reime , er wolle mich schon reimen lehren , und so ging er hinaus und schloß die Tür ab , und vor der Tür rief er : » Nicht eher kommst Du heraus , bis Du ein Gedicht fertig hast ! « - Da stand ich - ganz widersinnig im Kopf . - Ans Aufschreiben dacht ich nicht . - Aber ich dacht an das Versmachen , wie seltsam das ist . - Wie in dem Gefühl selbst ein Schwung ist , der durch den Vers gebrochen wird . - Ja , wie der Reim oft gleich einer beschimpfenden Fessel ist für das leise Wehen im Geist . Belehr mich eines Besseren , wenn ich irre , aber ist es nicht wahrscheinlich , daß Reim und Versmaß auf den ursprünglichen Gedanken so einwirke , daß er ihn verfälscht ? - Überhaupt , was seelenberührend ist , das ist Musik , das hab ich schon lang in mir erfahren ; denn es kann nichts die Sinne rühren und durch diese die Seele als nur Musik ; was Dich bewegt , gibt Klang , der weckt seine Mittöne , die rühren das Echo doppelt und allseitig , und die ganze Harmonie erwacht - und zwischen dieser durch wandelt der Gedanke und wählt sich seine Melodie und offenbart sich durch die dem Geist . - Das deucht mich die Art , wie der Gedanke sich dem Geist vermählt . Nun kann ich mir wohl denken , daß der Rhythmus eine organische Verbindung hat mit dem Gedanken , und daß der kurze Begriff des Menschengeistes , durch den Rhythmus geleitet , den Gedanken in seiner verklärten Gestalt fassen lernt , und daß der den tieferen Sinn darin beleuchtet , und daß wie die Begeistigung dem Rhythmus sich füge , sie allmählich sich reiner fasse , und daß so die Philosophie als höchste geistige Poesie erscheine , als Offenbarung , als fortwährende Entwicklung des Geistes und somit als Religion . Denn was soll mir Religion , wenn sie stocken bleibt ? - Aber nicht wie Du sagst , daß Philosophie endlich Poesie werden soll , nein , mir scheint , sie soll sein oder ist die Blüte , die reinste , die ungezwungenste , in jedem Gedanken überraschendste Poesie , die ewig neu Gottessprache ist in der Seele . - Gott ist Poesie , gar nichts anders , und die Menschen tragen es über in eine tote Sprache , die kein Ungelehrter versteht , und von der der Gelehrte nichts hat als seinen Eigendünkel . - So wie denn das Machwerk der Menschen überall den Lebensgeist behindert , in allem , in jeder Kunst , daß