verjagt , ängstlich nach den Erfolgen des Augenblickes haschend , auf dem Wege sei , sich mit der bloßen Nachahmung von Zuständen zu begnügen , die er mindestens als ihm selbst unverständlich erklären mußte . Er war beschämt ; aber dies offene Geständniß rettete sein Selbstgefühl und riß ihn aus der kleinlichen Richtung , die ihn verwirrt hatte . Er bat Herrn von Dreux , ihm dem jungen Fenelon vorzustellen ; er wollte dem ehrend nahen , dem er so eben Dank schuldig geworden . Als sie sich im Gedränge Platz machten , erreichten sie ihn im Augenblicke ernster Unterredung mit einer schönen jungen Dame , die vor dem Jüngling in fast devoter Stellung stand . » Ach , mein Herr , « sagte sie mit innigem Tone - » Sie durften Ihrem Berufe nicht mißtrauen - und wenn Sie nichts erreicht hätten , als das Gemüth unserer herrlichen Königin gestützt und gestärkt zu haben . Dachten Sie nicht , wie Sie Ihren hartherzigen Entschluß vollführten , an das , was ich Ihnen so viel früher schon über den wunderbaren Eindruck sagte , den die Königin von Ihren Kanzelreden empfing ? Ach , und wäre es nur dies gewesen , da es doch so viel mehr noch war , was Sie erreichten - es wäre genug , um zu bleiben ! « - » Halten Sie ein mit Ihren Vorwürfen , die so ehrend , so rührend für mich sind - gegen die fest zu bleiben , so schwer fällt ! Niemand bewundert mehr , wie ich , die schöne Hingebung , mit der Sie die theure Frau Königin umgeben ; doch lassen Sie mich hinzufügen , Sie erfüllen damit Ihren Beruf ; jede Ueberzeugung Ihrer Seele fällt mit Ihren Pflichten hier zusammen . Nicht so bei mir ! Ich hörte auf , meinem Berufe etwas zu sein , wenn ich mit der gelegentlichen Einwirkung auf eine Einzige mich begnügen wollte . Der Geist treibt mich anders ! In diesen geringen Hofverhältnissen würde ich verschmachten oder falsche Keime treiben - und dann ginge ich auch der Königin verloren . « - » O , Ihr Männer , « rief hier die junge Dame , und sandte aus Ihren schwarzen , glänzenden Augen einen seltsamen Blitz , halb Unwillen , halb Bewunderung ausdrückend , auf Fenelon - » es ist vergeblich , einen von Euch über den andern erhaben zu glauben ; am Ende seid Ihr Euch alle gleich ! Das Nahe , der sichere kleine Erfolg , sei er so schön , so edel , als Ihr zu träumen vermochtet , er reizt Euch nicht - Ihr verwerft ihn ! Weit in die Ferne müßt Ihr Pläne und Unternehmungen richten - ein Weltruhm muß Euch zu Theil werden , wenn Euer ehrgeiziges Herz befriedigt werden soll ! « » Ob ich vom Ehrgeize frei bleiben werde , mag Gott wissen ! « erwiederte der junge Fenelon . » Der Trieb , der uns zu unserer Entwickelung mit Sehnsucht , mit Eifer , mit Entzücken die Füllhörner nach allen Richtungen ausstrecken läßt , um das zu erkennen , was uns förderlich werden könnte , der Trieb ist schön und herrlich - ihn möchte ich nicht jetzt schon durch die Befürchtung in mir verdächtigen , er könne Ehrgeiz werden ! « » Unverbesserlicher ! « rief das junge Mädchen - » Ich hätte Viel darum gegeben , wenn ich Ihnen böse werden könnte ; denn Sie haben mich empfindlich gekränkt durch Ihr stolzes Zurücktreten . Aber warum sind Sie so unerträglich sanftmüthig - ich sollte es gar nicht unternehmen , mit Ihnen zu streiten , ich behalte niemals Recht ! « - » Und doch haben Sie eben so Recht , als ich , und Keiner sollte dem Andern zürnen wollen , weil er gern seiner Pflicht getreu bleiben will - es muß uns nicht über unsere Absicht verwirren , daß wir in verschiedener Richtung sie erfüllen müssen . Ich verehre Sie so sehr in Ihrer treuen Anhänglichkeit an die Königin , daß ich selbst die gegen mich gerichteten Vorwürfe fast gern höre ; denn sie sind eine Konsequenz Ihres vortrefflichen Innern ! « - » Ich will nicht von Ihnen gelobt sein ! Sie wissen doch nicht , wie ich ' s meine - kein Mensch braucht das zu wissen - sie sind mir hier alle gleich ! Aber Sie , Fenelon , obwol ich Sie jetzt hasse - Sie hätten mein Verbündeter bleiben müssen ! « » Und das bleibe ich , wenn Sie mich auch jetzt zurückstoßen - Ihr Herz denkt anders , und vielleicht treffen unsere Wege noch einmal wieder zusammen . « » Mit dem Geistlichen von St. Sulpice ? « erwiederte sie , fast weinend . » Wo soll ich den wiederfinden ? Nein , nein , ich will gleich und für immer von Ihnen Abschied nehmen ! Adieu , Fenelon , stolzer Fenelon ! « - Sie wollte gehen - sie blieb stehn - kindlich lächelnd , setzte sie halb leise hinzu : » Lieber Fenelon , kommen Sie morgen noch zur Königin ? « » So lange ich in Versailles bleibe , alle Abende , « sagte der junge Geistliche . » O , Sie guter , edler , bester der Menschen ! « rief sie und wendete sich von ihm in dem Augenblicke , wie Herr von Dreux mit den Worten vortrat : » Herr von Fenelon , der Graf von Crecy-Chabanne wünscht Ihnen vorgestellt zu sein . « Die junge Dame blieb stehen ; der kälteste , hochmüthigste Blick dieser glanzvollen Augen streifte Leonin - sie erwartete seine Anrede mit der bizarrsten Verletzung der Schicklichkeit , wendete sich dann so geringschätzig als möglich ab und war bald unter der Menge verloren . - Kaum war seine flüchtige Unterredung mit Fenelon vorüber , als er gespannt , erschrocken fast Herrn von Dreux fragte , wer die Dame gewesen , mit der Fenelon gesprochen habe ? - » Es ist die Tochter des Herzogs