ist es mit Euch ? Ihr seid todtenblaß , Ihr seid krank ? fragte Mitchell ihn aufmerksam betrachtend . Nichts , nichts ; war die Antwort : plötzlich ein Stich in die Brust , ich habe das zuweilen , es geht aber schnell vorüber ; ich bitte Euch , fahrt fort . Nun denn , viel ist nicht mehr übrig zu erzählen : der Eine wollte gleich den Brief an den Kaiser abfassen , der Andre , wahrscheinlich vom Trinken weniger erhitzt , suchte einige Tage Aufschub von ihm zu erhalten . In der Hauptsache waren Beide eines Sinnes ; sie gelobten einander Treue und Verschwiegenheit . Dann kamen mehrere aus der Gesellschaft hinzu , von andern Dingen wurde gesprochen , und ich benutzte die erste Gelegenheit , um mich ungesehen aus meinem Schlupfwinkel fortzuschleichen . Aber Mr. Wood , Ihr werdet immer bleicher ! Nicht doch , nicht doch ; ich bin wohl , ganz wohl , der kleine Anfall geht schon vorüber ; erwiederte Richard : aber die Namen jener Beiden , Ihr kennt sie doch ? Auf die Namen kommt viel an . Die gehören zu den unaussprechbaren , wie die meisten in diesem Lande , war die Antwort . Doch die Personen Beider sind mir wohl bekannt ; wahrscheinlich sind sie heute Abend wieder bei Caffarelli , wenn Ihr mich begleiten wollt , so zeige ich sie Euch . Doch nun sprecht , entscheidet , soll ich gehen ? soll ich bleiben ? rathet mir was ist zu thun ! sie führen ihren Entschluß aus , davon bin ich überzeugt ; was sie sprachen war so fest , so besonnen alles überlegend . Weiß der Fürst um die Verschwörung , und um Eure heutige Entdeckung ? fragte Richard . Wo denkt Ihr hin ! das wäre vollends schön ! da käme ich gut an ! das wäre ja als ob man eine brennende Lunte in ein Pulverfaß werfen wollte ! Da müßte ja alles Unheil gleich auf der Stelle hereinbrechen . Haltet Ihr mich für ein Kind ? oder für ein altes Weib das nicht schweigen kann ? fuhr Mitchell halb beleidigt auf . Verzeiht , so war es nicht gemeint , erwiederte Richard . Eure Nachricht hat mich überrascht , ich leugne es nicht ; ich muß mich erst fassen , gebt mir nur einige Zeit , nur bis ich ein wenig über das Alles nachgedacht habe , dann soll es an meinem guten Rathe in dieser wichtigen Angelegenheit Euch nicht fehlen . Und nun kommt zu Caffarelli . Mit diesen Worten faßte Richard in einem jener Anfälle von Verzweiflung , die der muthigsten Entschlossenheit wie ein Tropfen Wasser dem andern gleich sehen , Mitchells Arm und zog ihn mit sich fort . Mitchell mußte ihm folgen , er mochte wollen oder nicht . Sie fanden wirklich die , welche sie suchten , am bestimmten Orte im Dominospiele vertieft . Richard war ihnen oft in den Versammlungen des Bundes begegnet ; Beide waren Offiziere , der eine hatte Frau und Kinder , der andre für eine bejahrte Mutter zu sorgen . Richard , indem er sie aufmerksamer jetzt beobachtete , begriff kaum wie es zugegangen sein könne , daß nicht so manches unheimlich-geheimnißvolle in ihrem Wesen und Betragen , besonders in dem des Ältesten unter ihnen , eben der , welcher zufolge Mitchells Aussage , die Entdeckung noch aufgeschoben wissen wollte , nicht schon längst auf diese Beiden den Argwohn geleitet habe , der ihm in diesem Augenblicke fast zur Gewißheit wurde . Die Abendgesellschaften bei Caffarelli pflegten gewöhnlich in ziemlich wilde , oft bis zum grauenden Morgen währende Orgien auszuarten . Während Mitchell , Richard alles allein überlassend , sich frühzeitig zurückzog , um morgen mit hellem Kopfe an seine Geschäfte zu gehen , hielt jener diesesmal ganz bis ans Ende dabei aus . Soviel er , ohne daß es auffallend wurde , es konnte , folgte er den ihm Verdächtigen wie ihr Schatten , bis zum Aufbruche der Gesellschaft ; sah , wie sie im Laufe des Abends absichtlich sich von einander entfernten , um nicht ihr gar zu enges Zusammenhalten bemerkbar werden zu lassen , und hatte dann wieder vielfache Gelegenheit , halbe Worte , Winke , Blicke aufzufangen , die zwischen ihnen fielen , wenn sie , scheinbar zufällig , an einander vorüber streiften . Er bemühte sich von ihren Bekannten etwas Näheres über ihre häuslichen Verhältnisse zu erfahren ; sie waren der Art , daß , wenn es möglich wäre , daß Verrath und Meineid , wie sie ihn im Sinne hatten , vor menschlichen Augen Entschuldigung finden könnte , diese ihnen vor tausend Andern werden mußte . Beide waren arm , in so drückend-unfreier Lage , daß ihre Verbindung mit den Verschworenen sie in jedem Falle dem Untergange zuführen mußte ; und nicht nur sie , sondern auch ihre Familien , deren Existenz auf sie allein begründet war . Zehn Uhr ? flüsterte , indem er die Gesellschaft verließ , der Eine dem Andern im Vorübergehen zu : im weißen Kreuz bei Sutoff , antwortete dieser . Durch die ängstliche Spannung , in der er auf alles um ihn Vorgehende achtete , waren Richards Sinne bis zu dem Grade geschärft worden , daß selbst diese , jedem Anderen unhörbar leise gesprochenen Worte , seinem Ohre nicht entgingen ; und hätte er keinen Laut davon gehört , er hätte sie wahrscheinlich den Sprechenden von den Lippen gelesen . Die angedeutete , in einer entfernten Vorstadt gelegene , elende Kneipe , war zufälliger Weise ihm bekannt ; er hatte vor einigen Tagen , während eines heftigen Gewittersturms , in ihr Schutz suchen müssen . Noch hatte der Glockenschlag die zehnte Stunde des folgenden Morgens nicht verkündigt , als schon Kapitain Mayboroda , der älteste jener beiden Offiziere , in der niedrigen , von Myriaden von Fliegen durchschwärmten Gaststube des weißen Kreuzes , leise hastige Worte vor sich hinmurmelnd , mit weiten Schritten auf- und abstürmte , bis sein Freund , der