in Böhmen gereist ist , hat mir beim Abschied beigepackte Abhandlungen für Dich gegeben und mich zugleich gebeten , Dich seiner innigsten Achtung zu versichern , er hat mir dabei mancherlei aus seinem Leben erzählt , wie er in Schottland zum Beispiel gar gefahrvolle Reisen gemacht , in einem winzigen Nachen , mit Deinem » Egmond « , im Meer zwischen Klippen und Inseln hin und her geworfen , wie er mit den Meerkatzen fechten müssen , wie Nacht und Sturm ihm alle Lebensgeister ausbliesen und er mitten in der Not nur immer Deine Bücher zu retten gesucht . Siehst Du ! so treibt ' s Dein Geist auf allen Pfaden , zu Land wie zu Wasser , und er zieht von der Quelle an fort mit dem Strom , bis wo er sich ergießt , und so ziehen mit die noch fremden Ufer , und die blaue Ferne sinkt neigend zusammen vor Deiner Ankunft . Und es sehen die Wälder Dir nach , und die vergoldende Sonne schmückt die Bergeshöhen zu Deinem Empfang ; es feiern aber im Mondglanz Dein Andenken die Silberpappel und die Tanne am Weg , die Deiner Jugend reine Stimme gehört . Gestern erhielt ich Dein Bild , eine kleine Paste in Gips , aus Berlin , es gleicht , was hilft ' s , ich muß nach Dir verlangen . Noch ein ägyptisches Ungeheuer ist mir hier auf Bayerns feuchtem Boden begegnet , und nicht wundert mich , daß seine trockne sandige Natur hier verfault , es ist Klotz , der von den Geistern der Farbe verfolgte und gepeinigte , endlich ihrer Gewalt erliegend , sein fünfundzwanzigjähriges Werk endet . Ägyptisch nenne ich ihn , weil erstens sein Antlitz , wie von glühenden Harzen geschmiedet , zugleich eine ungeheure Pyramide darstellt , und zweitens , weil er in fünfundzwanzig Jahren mit außerordentlicher Anstrengung sich nicht vom Platze gearbeitet hat . Ich habe aus christlicher Milde ( und zugleich um Dir , als welcher nach Klotzens Aussage einer Entschuldigung bedürfte , Gerechtigkeit widerfahren zu lassen ) sein ganzes Manuskript angehört . Nun kann ich mich freilich mit was ich von ihm erlernt , nicht breit machen , ich war mit Rätseln umstrickt , die durch seine Reden nur noch verwickelter wurden , und er war ängstlich auf seiner Hut , daß ich ihm nicht eins seiner Geheimnisse erschnappte , um es Dir zu übertragen , er möchte gern mit Dir selber hierüber sprechen , am meisten klagte er , daß Du ihm auf einen demütigen , aufrichtigen Brief keine Antwort gegeben , ich aber tröstete ihn damit , daß Du mir auf einen bittenden , liebenden Brief auch keine Antwort gegeben , und so war es gut . - Ich kann dem armen Mann nicht begreiflich machen , daß er die Perlen mit den Kleien gemischt , und daß wahrscheinlich beides zusamt von den Schweinen gefressen wird . Du aber könntest hier gewiß Gutes stiften , wenn Du Dich über seine Entdeckungen mit ihm einlassen wolltest . Beikommende Tabelle hab ich ihm für Dich abgeluchst , sie gefällt mir so wohl , daß ich sie wie ein schönes Bild betrachte . Jetzt hab ich noch eine geringe Frage , aber sie gilt mir viel , denn sie soll mir eine Antwort eintragen : hast Du Albrecht Dürers Bildnis , welches schon vor sechs Wochen von hier abging , erhalten ? - wo nicht , so bitte ich , lasse doch in Weimar bei den Fuhrleuten nachfragen . Es geht hier eine Sage unter dem Volk , es werde bald eine Erscheinung sein , die soll Wahlverwandtschaften heißen und von Dir in Gestalt eines Romans ausgehen . Ich habe einmal einen fünf Stunden langen , saueren Weg nach einem Sauerbrunnen gemacht , er lag so einsam zwischen Felsen , der Mittag konnte nicht zu ihm niedersteigen , die Sonne zersplitterte tausendfach ihre Strahlenkrone an dem Gestein , alte dürre Eichen und Ulmen standen wie die Todeshelden drum her , und Abgründe , die man da sah , waren keine Abgründe der Weisheit , sondern dunkle , schwarze Nacht , mir wollt ' s nicht behagen , daß die himmlische Natur solche Launen habe , der Atem wurde mir schwer und ich hatte das Gesicht ins Gras gewühlt . Wenn ich aber diese Wahlverwandtschaften dort an der Quelle wüßte , gern wollt ich den schauerlichen , unheimlichen Weg noch einmal machen , und zwar mit leichtem Schritt und leichtem Sinn , denn erstens dem Geliebten entgegengehen beflügelt den Schritt , und zweitens mit dem Geliebten heimgehen ist der Inbegriff aller Seligkeit . 9. September 1809 Bettine An Bettine Ihr Bruder Clemens , liebe Bettine , hatte mir bei einem freundlichen Besuche den Albrecht Dürer angekündigt , so wie auch in einem Ihrer früheren Briefe desselben gedacht war . Nun hoffte ich jeden Tag darauf , weil ich an diesem guten Werk viel Freude zu erleben gedachte , und wenn ich mir ' s auch nicht zugeeignet hätte , es doch gern würde aufgehoben haben , bis Sie gekommen wären , es abzuholen . Nun muß ich Sie bitten , wenn wir es nicht für verloren halten sollen , sich genau um die Gelegenheit zu erkundigen , durch welche es gegangen , damit man etwa bei den verschiedenen Spediteurs nachkommen kann , denn aus Ihrem heutigen Briefe sehe ich , daß es Fuhrleuten abgeliefert worden . Sollte es inzwischen ankommen , so erhalten Sie gleich Nachricht . Der Freund , welcher die Kölner Vignette gezeichnet , weiß , was er will , und versteht mit Feder und Pinsel zu hantieren , das Bildchen hat mir einen freundlichen guten Abend geboten . Franz Badern werden Sie schönstens für das Gesendete danken . Es war mir von den Aufsätzen schon manches einzelne zu Gesicht gekommen . Ob ich sie verstehe , weiß ich selbst kaum , allein ich konnte mir manches daraus zueignen . Daß Sie meine Unart gegen den Maler Klotz durch eine noch größere , die Sie mir