Gern « , fuhr Amandus fort , » hätt ich dir das Abenteuer noch verschwiegen , das einmal doch nichts Angenehmes verspricht ; es wäre Nachmittag noch Zeit gewesen , und die Delikatesse des Fremden , daß er uns unser erstes Beisammensein über Tisch nicht stören wollte , war in der Tat zu loben , er gab mir diese freundliche Absicht beim Wegreiten sehr deutlich zu verstehn . Nun freilich wär ' s fast besser , er wäre gleich zugegen und du dieser verteufelten Ungewißheit überhoben . Höre , wenn es am Ende nur keine odiöse Ehrensache ist ! Du weißt , die Herren Offiziers - Du hast doch keine Händel gehabt ? « » Ich wüßte doch nicht « , sagte Nolten und ging einigemal still die Stube auf und ab . Indessen war die Pfarrerin sachte mit der Uniform in die Kammer gegangen . Auf einmal tat sich die Tür weit auf , ein hoher schöner Mann trat heraus und lag blitzschnell in Theobalds Armen . Es war kein anderer Mensch , als sein getreuer Schwager S. , der Gatte Adelheids , die wir ja schon als Mädchen kennenlernten . » Der Tausend ! « rief der Pfarrer , während alles der herzlichsten Umarmung zusah , » so ganz feindselig , wie ich dachte , so auf Leben und Tod ist die Rencontre nun doch nicht , es wäre denn , sie brächen sich einander vor Liebe die Hälse . Nun ! hab ich es nicht schön gemacht ? Sorge voraus , Freud gleich hinterdrein , wird erst ein wahrer Jubel sein . - Also « ( brummte er für sich in den Bart ) » das wäre Numero 1. « Seine Schalkheit ward jetzt wacker gescholten . Doppelt und dreifach mußte Nolten erstaunen , denn S. war , seitdem sie sich nicht mehr gesehen , zum Obristen avanciert , deswegen jener auch aus der Uniform nicht klug werden konnte . Triumphierend erzählte der Pfarrer , wie er , nachdem die Nachricht von Theobalds Ankunft in Neuburg bei ihm eingelaufen , sogleich den herrlichen Einfall gehabt , den Schwager , den er in Geschäften für sein Regiment nur auf fünf Stunden in der Nähe gewußt , durch eine Staffette herbeizukriegen . Aufs fröhlichste speiste man gleich zu Mittag . Es war eine ansehnliche Tafel . Sohn und Töchter des Neuburger Pastors saßen halb bänglich , halb entzückt in einem für sie so neuen Freudenkreise trefflicher Menschen . Unser Maler , zwischen Agnes und den Schwager gesetzt , wollte die Hände der beiden gar nicht aus den seinigen lassen , er fühlte seit langer Zeit einmal wieder alles Drückende und Schwere rein von sich abgetan und ein übers andre Mal traten ihm die Augen über . An dem Pfarrer wurde nach und nach eine prickelnde Unmüßigkeit sichtbar ; er entfernte sich öfters , gab vor der Tür geheime Befehle und sah mit Vergnügen die letzte Schüssel auftragen . Eh man zum Nachtisch kam , stand er auf und sagte : » Es beginne nun die Symphonie zum zweiten Aktus , mit etwelchem Gläsergeklingel , wenn ' s beliebt . Sofort erhebe sich eine werte Gesellschaft , greife nach Hüten und Sonnenschirmen und verfüge sich allgemach aus meinem Hause , woselbst für jetzt nichts mehr abgereicht wird . Zuvor aber richten Sie gefälligst noch die Blicke hier nach dem Fenster und bemerken dort drüben den sonnigen Gipfel . « Man erblickte auf einem vor dem Walde gelegenen Hügel , den wir schon als das Geigenspiel bezeichnet haben , ein großes linnenes Schirmdach mit bunter Flagge aufgerichtet , das einen runden weißgedeckten Tisch zu beschatten schien . Die dichten Laubgewinde , die an fünf Seiten des Schirms herunterliefen , gaben dem Ganzen das Ansehn eines leichten Pavillons . Amandus hatte diese bewegliche Einrichtung schon seit einiger Zeit für die jährlichen Kinderfeste sowie zur Bequemlichkeit der Fremden machen lassen , weil die daneben stehende Linde dem Platze mehr Zierde als Kühlung verlieh . - Die Gesellschaft kam außer sich vor Freude ; man machte sich auch unverzüglich auf den Weg , denn jedes sehnte sich , sein glückliches Gefühl in freiester Weite noch leichter auszulassen . Die Jüngern waren schon vorausgegangen . Unterwegs wurden Nolten und die Braut nicht satt , sich von Adelheiden erzählen zu lassen . Wir wissen die fast mehr als brüderliche Neigung , welche den Maler an die Schwester band , deren stille Tiefe sich , wie behauptet wird und wir gern glauben mögen , inzwischen zu einem höchst liebenswerten und seltenen Charakter entwickelt und befestigt hatte ; zum wenigsten fand Agnes nach ihrer demütig liebevollen Weise sogleich im stillen ein Musterbild der echten Frauen in dieser Schwägerin für sich aus , obgleich sich beide nur erst einmal gesehen hatten . Jetzt gedachte man der Entfernten mit desto innigerer Rührung , da man gleich anfangs gehört , sie sei vor kurzem zum ersten Male Mutter , und eine höchst beglückte , geworden . - Noch sagen wir bei dieser Gelegenheit , daß eine ältere Schwester , Ernestine , auch längst verheiratet war , jedoch , soviel man wissen wollte , nicht sehr zufrieden , da sie auch in der Tat nicht geschaffen schien , einen Mann für immer zu fesseln . Die Jüngste , Nantchen , stand eben in der schönsten Jugendblüte und lebte bei einer Tante . Man kam an einem Tannengehölze vorüber , das Reiherwäldchen genannt , dessen Echo berühmt war . Der Pfarrer rief , mit den gehörigen Pausen , hinein : » Frau Adelheid , Zu dieser Zeit In ihrem Bettlein reine , Muß ferne sein , Muß ferne sein , Doch ist sie nicht alleine . Herr Storch hat ihr Besuch gemacht , Darob ihr süßes Herze lacht , Ob auch das Bürschlein greine . - Frau Echo , sprich , Noch weiß ich nicht : Was herzet denn das Liebchen , Ein Mädchen oder Bübchen ? « » Büb ; gsl ; chen ! « In kurzem befand man sich auf dem