Dieser Reichtum , der in dem Ganzen herrschte , war aber nicht jener glänzende Prunk , der das Auge blendet , ohne ihm wohlzutun , und der Staunen , aber nicht Wohlbehagen erzeugt . Alles war an seiner rechten Stelle angebracht , nichts wollte prahlerisch die Aufmerksamkeit für sich allein fesseln und die Wirkung des andern zerstören , und so dachte man nicht an die Kostbarkeit dieses , jenes einzelnen Schmucks , sondern fühlte sich von dem Ganzen gemütlich angeregt . Das durchaus Gehörige in der Anordnung brachte diesen gemütlichen Eindruck hervor , und eben das richtig entscheidende Gefühl des Gehörigen möchte wohl das sein , was man guten Geschmack zu nennen pflegt . Das Bequeme , Wohnliche dieser Gemächer des Abts grenzte an das Üppige , ohne in der Tat üppig zu werden , und so durfte es keinen Anstoß geben , daß ein Geistlicher alles dies selbst angeordnet und herbeigeschafft . Der Abt Chrysostomus hatte , als er vor wenigen Jahren nach Kanzheim kam , die abteiliche Wohnung einrichten lassen , wie sie sich jetzt fand , und sein ganzer Charakter , seine ganze Art zu sein sprach sich schon lebhaft aus in dieser Einrichtung , ehe man ihn selbst sah und bald die hohe Stufe seiner geistigen Bildung gewahrte . Noch in den vierziger Jahren , groß , wohlgebaut , geistvollen Ausdruck im männlich schönen Antlitz , Anmut und Würde im ganzen Betragen , flößte der Abt jedem , der sich ihm nahte , die Ehrfurcht ein , die sein Stand forderte . Eifriger Kämpfer für die Kirche , rastloser Verfechter der Rechte seines Ordens , seines Klosters , schien er doch nachgiebig und duldsam . Aber eben diese scheinbare Nachgiebigkeit war eine Waffe , die er wohl zu führen und damit jeden Widerstand , selbst den der obersten Gewalt , zu besiegen wußte . Durfte man denn auch ahnen , daß hinter einfachen salbungsreichen Worten , die aus dem treusten Herzen zu kommen schienen , sich mönchische Schlauheit verberge , so gewahrte man nur die Gewandtheit eines eminenten Geistes , der in die tiefern Verhältnisse der Kirche eingedrungen . Der Abt war ein Zögling der Propaganda in Rom . - Selbst gar nicht geneigt , den Ansprüchen des Lebens zu entsagen , insofern sie mit geistlicher Sitte und Ordnung verträglich , ließ er seinen zahlreichen Untergebenen alle Freiheit , die sie nur nach ihrem Stande fordern konnten . So kam es denn , daß , während einige dieser , jener Wissenschaft ergeben , in einsamer Zelle studierten , andere lustig umherschwärmten in dem Park der Abtei und sich erlustigten im heitern Gespräch , während einige , zu schwärmerischer Andacht geneigt , fasteten und ihre Zeit hinbrachten in stetem Gebet , andere sich es wohl schmecken ließen an der reichbesetzten Tafel und ihre religiösen Übungen auf die Ordensregel beschränkten , während einige die Abtei nicht verlassen mochten , andere sich auf weitere Wege begaben , auch wohl , kam die Zeit heran , das lange Priestergewand vertauschten mit dem kurzen Jägerrock und sich als wackre Weidmänner herumtummelten . Waren nun aber die Neigungen der Brüder verschieden , und durfte jeder der seinigen nachhängen , wie er wollte , so kamen sie alle in der enthusiastischen Vorliebe für die Musik überein . Beinahe ein jeder war ausgebildeter Musiker , und es gab Virtuosen unter ihnen , die der besten fürstlichen Kapelle Ehre gemacht haben würden . Eine reiche Musikaliensammlung , eine Auswahl der vortrefflichsten Instrumente setzte jeden in den Stand , die Kunst zu treiben , wie er wollte , und häufige Aufführungen auserlesener Werke erhielten jeden in praktischer Übung . Eben diesem musikalischen Treiben gab nun Kreislers Ankunft in der Abtei einen neuen Schwung . Die Gelehrten schlugen ihre Bücher zu , die Andächtigen kürzten ihre Gebete ab , alle versammelten sich um Kreisler , den sie liebten , und dessen Werke sie hochschätzten wie keine anderen . Der Abt selbst hing ihm an mit inniger Freundschaft , und er sowie alle übrigen beeiferten sich , ihm ihre Achtung , ihre Liebe darzutun , wie sie es nur vermochten . War nun die Gegend , in der die Abtei lag , ein Paradies zu nennen , gewährte das Leben im Kloster die bequemste Behaglichkeit , wozu ein leckrer Tisch und edler Wein , für den der Vater Hilarius sorgte , wohl auch zu rechnen , herrschte unter den Brüdern die gemütliche Heiterkeit , welche von dem Abt selbst ausging , schwamm überdem Kreisler , den die Kunst rastlos beschäftigte , recht in seinem Elemente , so konnt ' es nicht fehlen , daß sein bewegtes Gemüt ruhig wurde wie seit langer Zeit nicht mehr . Selbst der Zorn seines Humors dämpfte sich , er wurde sanft und weich wie ein Kind . Aber noch mehr als das alles , er glaubte an sich selbst , verschwunden war jener gespenstische Doppeltgänger , der emporgekeimt aus den Blutstropfen der zerrissenen Brust . - Irgendwo5 heißt es von dem Kapellmeister Johannes Kreisler , daß seine Freunde es nicht dahin hätten bringen können , daß er eine Komposition aufgeschrieben , und sei dies wirklich einmal geschehen , so habe er doch das Werk , soviel Freude er auch über das Gelingen geäußert , gleich nachher ins Feuer geworfen . - So mag es sich begeben haben in einer sehr verhängnisvollen Zeit , die dem armen Johannes den rettungslosen Untergang drohte , von der gegenwärtiger Biograph bis jetzt aber nicht recht viel weiß . Jetzt in der Abtei Kanzheim wenigstens hütete sich Kreisler wohl , die Kompositionen zu vernichten , die recht aus seinem Innersten hervorgingen , und seine Stimmung sprach sich in dem Charakter süßer wohltuender Wehmut aus , den seine Werke trugen , statt daß er sonst nur zu oft im mächtigen Zauber aus der Tiefe der Harmonik die gewaltigen Geister hinaufbeschwor , die die Furcht , das Entsetzen , alle Qualen hoffnungsloser Sehnsucht aufregen in der menschlichen Brust . - - Man hatte eines Abends im Chor der Kirche