Wetter hatte sich aufgeklärt , wir brachen daher alle schnell auf und zogen lustig über das Gebirge fort . Gegen Abend lagerten wir uns auf einem schönen , waldigen Berge , dem gräflichen Schlosse gegenüber , das jenseits eines Stromes ebenfalls auf einer Anhöhe mit seinen Säulenportalen und seinem italienischen Dache sich recht lustig ausnahm . Wir wollten hier die Dunkelheit abwarten . Der letzte Widerschein der untergehenden Sonne flog eben wie ein Schattenspiel über die Gegend . Unten auf dem Flusse zogen mehrere aufgeschmückte Schiffe voll Herren und Damen mit bunten Tüchern und Federn lustig auf das Schloß zu , während von beiden Seiten Waldhörner weit in die Berge hinein verhallten . Als es endlich ringsumher still und finster wurde , sahen wir , wie im Schlosse drüben ein Fenster nach dem andern erleuchtet wurde und Kronleuchter mit ihren Kreisen von Lichtern sich langsam zu drehen anfingen . Auch im Garten entstand ein Licht nach dem andern , bis auf einmal der ganze Berg mit Sternen , Bogengängen und Girlanden von buntfarbigen Glaskugeln erleuchtet , sich wie eine Feeninsel aus der Nacht hervorhob . Ich überließ meine Begleiter ihren Beratschlagungen und Kunstgriffen und begab mich allein hinüber zu dem Feste , ohne eigentlich selber zu wissen , was ich dort wollte . Von der Seite , wo ich auf dem Berge hinaufgekommen , war kein Eingang . Ich schwang mich daher auf die Mauer und sah , so da droben sitzend , in den Zaubergarten hinein , aus dem mir überall Musik entgegenschwoll . Herren und Frauen spazierten da in zierlicher Fröhlichkeit zwischen den magischen Lichtern , Klängen und schimmernden Wasserkünsten prächtig durcheinander . Auch mehrere Masken sah ich wie Geister durch den lebendigen Jubel auf und ab wandeln . Mich faßte bei dem Anblick auf meiner Mauer oben ein blindes , wildes , unglückseliges Gelüst , mich mit hineinzumischen . Aber meine von Regen und Wind zerzauste Kleidung war wenig zu einem solchen Abenteuer eingerichtet . Da erblickte ich seitwärts durch ein offenes Fenster eine Menge verschiedener Masken in der Vorhalle des Schlosses umherliegen . Ohne mich zu besinnen , sprang ich von der Mauer herab und in das Vorhaus hinein . Eine Menge Bedienten , halb berauscht , rannten dort mit Gläsern und Tellern durcheinander , ohne mich zu bemerken oder doch weiter zu beachten . Ich zettelte daher den bunten Plunder von Masken ungestört auseinander und zog zufällig eine schwarze Rittertracht nebst Schwert und allem Zubehör hervor . Ich legte sie schnell an , nahm eine danebenliegende Larve vor und begab mich so mitten unter das Gewirre in den Glanz hinaus . Ich kam mir in der Fröhlichkeit vor wie der Böse , denn mir war nicht anders zumute , als dem Zigeunerhauptmann auf dem Jahrmarkt zu Plundersweilern . Am Ende eines erleuchteten Bogenganges hörte ich auf einmal einige Damen ausrufen : Sieh da , die Frau vom Hause ! Welche Perlen ! Welche Juwelen ! Ich sehe mich schnell um und erblicke - Angelina , die in voller Pracht ihrer Schönheit die Allee heraufkommt . - Mein mörderischer Zorn , der mich damals durch ganz Italien hin und her gehetzt hatte , war längst vorüber , denn ich war nicht mehr verliebt . Es war mir eben alles einerlei auf der Welt . Ich wandte mich daher , und wollte , ohne sie zu sprechen , in einen andern Gang herumbiegen . Wie sehr erstaunte ich aber , als Angelina mir schnell nachhüpfte und sich vertraulich in meinen Arm hing . - Kennst du mich ? rief ich ganz entrüstet . - Wie sollt ich doch nicht , sagte sie scherzend , hab ich dir denn nicht selber die Halskrause zu der Maske genäht ? - Ich bemerkte nun wohl , daß sie mich verkannte , konnte aber nicht wissen , für wen sie mich hielt , und ging daher stillschweigend neben ihr her . Wir waren indes von der Gesellschaft abgekommen , die Musik schallte nur noch schwach nach , die Beleuchtung ging gar aus , von fern gewitterte es hin und wieder . Warum bist du so still ? sagte sie wieder . Ich weiß nicht , fuhr sie fort , ich bin heut traurig bei aller Lust , und ich könnte es auch nicht beschreiben , wie mir zumute ist . Aber ihr harten Männer achtet gar wenig darauf . - Wir kamen an eine Laube , in deren Mitte eine Gitarre auf einem Tischchen lag . Sie nahm dieselbe und fing an , ein italienisches Liedchen zu singen . Mitten in dem Liede brach sie aber wieder ab . Ach , in Italien war es doch schöner ! sagte sie , und lehnte die Stirn an meine Brust . Angelina ! rief ich , um sie zu ermuntern . Sie richtete sich schnell auf und lauschte dem Rufe wie einem alten , wohlbekannten Tone auf den sie sich nicht recht besinnen konnte . - Dann sagte sie : Ich bitte dich , singe etwas , denn mir ist zum Sterben bange ! Ich nahm die Gitarre und sang folgende Romanze , die mir in diesem Augenblick sehr deutlich durch den Sinn ging : Nachts durch die stille Runde Rauschte des Rheines Lauf , Ein Schifflein zog im Grunde , Ein Ritter stand darauf . Die Blicke irre schweifen Von seines Schiffes Rand , Ein blutigroter Streifen Sich um das Haupt ihm wand . Der sprach : » Da oben stehet Ein Schlößlein überm Rhein , Die an dem Fenster stehet : Das ist die Liebste mein . Sie hat mir Treu versprochen , Bis ich gekommen sei , Sie hat die Treu gebrochen , Und alles ist vorbei . « Ich bemerkte hier bei dem Scheine eines Blitzes , daß Angelina heftig geweint hatte und noch fortweinte . Ich sang weiter : Viel Hochzeitleute drehen Sich oben laut und bunt , Sie bleibet einsam stehen , Und lauschet in den Grund . Und wie sie tanzen munter , Und Schiff und