Bildes Eindruck , so stehst du vor dem Denkmal Violettens , und wendest du dich , und trittst ins enge dunkle Haus zu jenen Menschen , die du die Deinigen zu nennen pflegst , so fühlst du , was du dich vom Bilde wendend fühlest . Siebzehntes Kapitel Violettens Denkmal Die vier Reliefs des Würfels und die Apotheose Erstes Relief Ein kleines Mädchen sitzet in der Mitte , Die Arme schalkhaft über sich gerungen , Hält sie ein junger Faun mit Lust umschlungen , Sie sträubt sich ihm , der ihr mit wilder Sitte Ein Tambourin mit Früchten reicht , die Bitte Ist in des Mädchens Kuß ihm schon gelungen , Doch nur die milde Frucht hat sie bezwungen , Daß sie von ihm den wilden Kuß erlitte . Denn von ihr abgewandt , die jungen Schmerzen In Tönen lösend , singt ihr Genius , Die Rechte in der Lyra , was im Herzen Die Linke fühlt , es neiget von dem Kuß Sich ihm des Mädchens Aug , voll schlauen Scherzen , Sie hört sein Lied , doch sieget der Genuß . Zweites Relief Die Jungfrau steht , vor ihr ein Weib und zwinget Die Freie , sich dem Gürtel zu bequemen ; Ihr , die sich schämt , der Nacktheit sich zu schämen , Des Genius Arm die Füße hold umschlinget . Indes dem Weib die Gürtung schon gelinget , Scheint Neugier nur die Jungfrau zu bezähmen , Sie sieht den Schwan vom Genius Speise nehmen , Und hebt das Tambourin , das dumpf erklinget , Hoch mit der Rechten , und mit scheuem Beben Forscht ihre Linke , was im Spielwerk rauschet , Und fühlet zarte Flügel kleiner Tauben ; Der Faun , der über ihr auf Felsen lauschet , Beugt sich herab , die Tauben hinzugeben , So konnte Lust ihr nur die Wildheit rauben . Drittes Relief Im Himmel irrt ihr Blick , und an der Erde Ringt sie in wilder Blöße hingegeben . In Lust ersterbend , voll von heißem Leben , Übt sie , gereizt , so reizende Gebärde . Auf daß ihm währe , was sie sich gewährte , Legt schlau der Faun ihr , der in Lustgeweben Nun gürtellos die freudgen Hüften schweben , Den Gürtel um das Aug , wie Lust ihn lehrte . In süßem Schmerz will sie die Arme ringen , Und schlägt das Tambourin in wilden Lüsten , Die Tauben buhlen auf den holden Brüsten , Es bebt der Schwan in seines Todes Singen , Es bricht in seines Liedes Lieb und Leiden Der Genius der Lyra goldne Saiten . Viertes Relief Der Genius hält siegend sie umwunden , Aus seiner Lippen liebevollen Hauchen Trinkt Lieben sie , im Strahle seiner Augen Trinkt sie den Tod in lusterschloßne Wunden . Sie stirbt im Licht ; die Binde losgebunden , Muß sie in ewge Blindheit untertauchen , Da ihre Küsse heilges Leben saugen , Im Wahnsinn muß der Sinne Wahn gesunden . Das Haupt verhüllt in loser Locken Fluten , Streckt sie die Hand , die Lyra zu erlangen , Die hoch erhebt , der Schwan reckt seine Schwingen , Das Tambourin , in dem die Tauben ruhten , Zertritt sein Fuß , den Faun sieht man gefangen In jenem Gürtel an der Erde ringen . Die Apotheose Canzone Gebet Es ruht ein holdes Bild vor meinen Blicken So kühn und mild verschlungen , Wie Lieb und Lied , wie Kuß und Tod verwebet , In Sehnsucht strebt es auf , weilt mit Entzücken , Von Wollust ganz durchdrungen , Des Bildes innres Heiligtum erbebet , Still zu den Göttern schwebet . Ich kniee an des Bildes Marmorstufen , All meine Sinne rufen : Gieb Liebe mir und Lied in Tod und Leben , Laß mich mit dir zum stillen Himmel schweben ! Das Gewand Die Jungfrau steigt von nackter Lust umflossen Aus des Gewandes Falten , Die halb in schöner Ungestalt herabgelassen , Halb gierig noch , so buhlerisch ergossen , Die üppigen Gestalten Der Hüften ihr verräterisch umfassen , Den holden Leib nicht lassen . So zarte Hülle kann nur Dämmrung weben , Will Phoebus sich erheben . So küßt das Meer des Gottes goldne Füße , Und fern noch glimmt die Glut der goldnen Küsse . Violette Ein schweres Leid strömt durch die holden Glieder , Die Schwere kämpft mit Schweben , Die Hüften ringen himmelan zu dringen , Der Kopf sinkt sterbend auf den Busen nieder ; Um schneller sich zu heben , Muß sie die Rechte um den Genius schlingen . Hoch auf des Schwanes Schwingen Schwebt er , zur Lyra ihre Rechte strebet , Die seine Linke hebet , Und mächtig hebt er sie mit seiner Rechten , Verschlungen in der losen Locken Flechten . Der Genius Er , der am Boden freundlich nur geschienen , Voll Huld und milder Treue , Schwebt ernst empor in göttlichen Gedanken , Des Sieges Feier strahlt von seinen Mienen , Er läßt in stiller Weihe Sich von des armen Kindes Arm den schlanken Geschwungnen Leib umranken , Ihn hebt der Schwan , und um sie nicht zu lassen , Muß er ihr Haupthaar fassen . Des hohen Werkes heilgen Schmerz entzündet Die Hand , die er in ihre Locken windet . Das Ganze Das ganze Bild , in Einigkeit verbunden , Gleicht rührendem Gesange , Wie heilige Gebete aufwärts dringen . Im Herzen glühen ihm so tiefe Wunden ; Mit schmerzenvollem Drange Muß es nach Lieb und süßen Tönen ringen , Zu Ruhe sich zu schwingen . So hebt es sich , so strebt es nach der Leier , So schwebt in hoher Feier Der Gott empor und in des Bildes Herzen Schmiegt sich der Schwan und reiniget die Schmerzen . O harre , hebe mich empor ! Wie es in tiefer Andacht ganz erbebt Und zu dem Himmel strebt . - O Götter , löst den Schmerz in süßen Tränen , Umarmt im kühlen Flug sein heißes Sehnen ! Achtzehntes Kapitel Da ich diese