deren Transitohandel man nicht gern nennt - , sondern eine Aktie , mit der man in einer Südsee gewinnt , oder eine Scholle , womit man das Grundstück symbolisch ( scotatione ) übergibt . » Je ne vends que mes paysages et donne les figures par dessus le marché « 103 , sagte Claude Lorraine , wie ein Vater - und konnt ' es leicht , weil er durch andere die Figuren in seine Landschaften malen ließ - ; ebenso werden nur die Rittersitze in den Kauf- oder Ehekontrakt gesetzt und die Braut , die auf jenen sitzt , dareingegeben . Ebenso höher hinauf ist eine Prinzessin bloß ein blühender Zweig , den ein fürstlicher Sponsus nicht der Früchte wegen , sondern weil sich ein Bienenschwarm von Land und Leuten daran angelegt , abnimmt und nach Hause trägt . Hat ein Vater - wie unser Minister - nicht viel , so kann er die Kinder , wie die Ägypter die Eltern ( nämlich die Mumien davon ) , als Schuld- und Faustpfänder oder Reichspfandschaften , die man nicht einlöset , einsetzen . Jetzt hat sich der Kaufmannsstand , der sonst nur fremde Produkte vertrieb , auch dieses Handelszweigs bemächtigt ; mich dünkt aber , er hätte in seinem untern Kaufgewölbe Spielraum genug , eigennützig und verdammt zu werden , ohne die Treppe hinaufzusteigen zur Tochter . In Guinea darf nur der Adel handeln ; bei uns ist ihm fast aller Handel , außer dem kleinen mit den Töchtern und den übrigen wenigen Dingen , die auf den eignen Gütern wachsen , abgeschnitten und verwehrt ; daher hält er so fest auf diese Handelsfreiheit , und die Noblesse scheint hier eine für diesen zarten Handelszweig verbundne Hansa zu sein ; so daß man gewissermaßen den erhabnen Stand mit dem erhabnern im eigentlichen Sinn vergleichen mag , den in Rom verkäufliche Leute besteigen mußten104 , um besehen zu werden . Es ist eine gemeine Einwendung sogenannter gefühlvoller junger Herzen , daß dergleichen Verhandlungen die Liebe sehr sperren oder gar sprengen ; indes ihr wohl nichts so sehr vorarbeitet als eben dies . Denn ist nur der Handel geschlossen und vom Buchhalter ( dem Pfarrer ) ins Hauptbuch eingetragen : so tritt ja die Zeit ein , wo die Tochter ihr Herz bedenken und versorgen darf , nämlich die schöne Zeit nach der Heirat , die allgemein in Frankreich und Italien und allmählich auch in Deutschland als die schicklichere angenommen wird , wo ein weibliches Herz frei unter der Männer-Schar erwählen kann ; ihr Staat wird dann , wie der venezianische , aus einem merkantilischen ein erobernder . Auch den Gemahl selber unterbricht das kurze Handlungsgeschäft so wenig nach-als vorher in seiner Liebe ; nur tritt jetzt - wie in Nürnberg dem Juden eine alte Frau - unserem immer eine junge nach . Ja oft fasset der eheliche Handels-Mann selber Neigung für das heimgeführte Subjekt - welches ein ungemeines Glück- , und wie Moses Mendelssohn mit dem seidnen Waren-Bündel unter dem Arm seine Briefe über die Empfindungen aussann , so meditieren bessere Männer unter dem Handel Liebesbriefe an den Handelszweig und handeln mit der Jungfrau - wie Kaufleute in Messina105 mit der heiligen - - in Compagnie ; aber freilich solche profitable Verbindungen der Liebe mit Geschäften bleiben seltene Vögel und sind wenig zu prätendieren . - - - Das Vorige schrieb ich für Eltern , die gern scherzen mit - kindlichem Glück ; ich will jetzt aus ihrem und meinem Scherz Ernst machen . Ich frage euch erstlich über euer Recht , moralischen freien Wesen die Neigungen oder gar den Schein derselben vorzuschreiben und durch eine Machthandlung den giftigen Bleizepter über ein ganzes freies Leben auszustrecken . Eure zehn Lehrjahre des Lebens mehr machen so wenig einen Unterschied in der gegenseitigen Freiheit als Talent oder sein Mangel . Warum befehlt ihr denn Töchtern nicht ebensogut Freundschaft auf Lebenslang ? Warum übt ihr bei der zweiten Ehe nicht dasselbe Recht ? Aber ihr habt eben keines zu verwerfen , ausgenommen in der minorennen Zeit , wo das Kind noch keines hat , zu wählen . Oder fodert ihr für die Erziehung zur Freiheit beim Abschiede als Ehrensold das Opfer der Freiheit ? - Ihr tut , als hättet ihr erzogen , ohne selber erzogen zu sein , indes ihr bloß eine schwere geerbte Schuld , die ihr an eure Eltern nie bezahlen könnt , an eure Kinder abtragt ; und ich kenne hierin nur einen unbezahlten Gläubiger , den ersten Menschen , und nur einen insolventen Schuldner , den letzten . Oder schützet ihr euch noch mit dem barbarischen unmoralischen römischen Vorurteil , das Kinder als weiße Neger der Eltern feilbietet , weil die frühere erlaubte Gewalt über das nicht-moralische Wesen sich hinter der Allmählichkeit seiner Entwicklung unbemerkt als eine über das moralische herüberschleicht ? Dürft ihr aus Liebe Kinder zu ihrem Glück , so dürfen sie später ebensogut aus Dankbarkeit euch zu eurem zwingen . Aber was ist denn das Glück , wofür sie ihr ganzes Herz mit allen seinen Träumen wegwerfen sollen ? - Meistens eures ; eure Beleuchtung und Bereicherung , eure Feind- und Freundschaften sollen sie mit dem Opfer des Innersten büßen und kaufen . Dürft ihr eure stillen Voraussetzungen zum Glück einer Zwangsehe laut bekennen , z.B. die Entbehrlichkeit der Liebe in der Ehe , die Hoffnung eines Todesfalles , die vielleicht doppelte Untreue sowohl gegen den ehelichen Käufer als gegen den außer-ehelichen Geliebten ? Ihr müsset Sünderinnen106 voraussetzen , um nicht Räuber zu sein . Tut mir nicht dar , daß Neigungsehen oft schlecht und Zwangsehen oft gut genug ausgefallen , wie an Herrnhutern , Germanen und Orientalern zu ersehen . Nennt mir sonst lieber alle barbarische Völker und Zeiten her , worin , weil beide ja nur den Mann , nie die Frau berechnen , eine glückliche Ehe nichts bedeutet als einen glücklichen Mann . Niemand steht nahe genug dabei , die weiblichen Seufzer zu hören und zu zählen ; der ungehörte Schmerz wird endlich sprachlos