Schmerzes in seinem Gesichte deutlicher hervor . Sein alter Freund hatte ganz recht gesehen , der Mann konnte noch immer nicht verwinden , was der Jüngling einst verloren hatte ; es ließ ihn nicht los . Wohl hatte er geglaubt , es sei vergessen und begraben , als er aus der Ferne zurückkehrte : da kam jene Begegnung und da flammte die alte Jugendliebe hell wieder auf . Jetzt wußte er es freilich , daß sie nicht gestorben war , aber das füllte die Kluft nicht aus , die sich von neuem aufthat zwischen zwei Menschen , die sich einst so nahe standen . Sie hatten es eben verlernt , einander zu verstehen . Ein Mann wie Adlau war freilich nicht geschaffen , sich in schmerzlicher Sehnsucht zu verzehren ; im Gegenteil , er grollte bitter mit der Frau , die ihren Starrsinn so wenig beugen wollte wie er den seinen , aber vergessen konnte er sie nicht . Was half es , daß er sich in die Arbeit stürzte und sein Brankenberg zu einem ganz neuen Reiche umschuf : er hatte keine Freude daran ! In jeder einsamen Stunde regte sich wieder das alte Weh und regte sich um so schärfer , je trotziger er versuchte , es niederzuhalten , es war stärker als er . Er hatte lange so dagelegen und erinnerte sich nun endlich , daß es Zeit sei , zu gehen . Mit einer unwilligen Bewegung schüttelte er die Träumerei ab und richtete sich halb empor , aber verharrte wie gebannt in dieser Stellung . Durch den frühlingslichten Wald , der noch einen vollen Einblick gestattete , kam eine Dame , ganz allein . Sie war noch in ziemlicher Entfernung , aber dem einsamen Manne stockte doch der Atem beim Anblick der schlanken Gestalt in dem grauen Reisekleide . Sein starres , ungläubiges Staunen hielt eine Weile an , dann blieb ihm kein Zweifel : es war Elfriede von Wilkow . Sie kam rasch näher , ohne auf ihre Umgebung zu achten . Die Augen zu Boden gesenkt , eilte sie vorwärts , wie gejagt von einer inneren Angst . Jetzt betrat sie den kleinen Seitenpfad , der , eine Windung des größeren Weges abschneidend , zum Waldbrunnen führte , jetzt erreichte sie diesen , da sprang Robert auf und trat ihr entgegen . Ein Aufschrei rang sich von den Lippen der jungen Frau , totenbleich , bebend an allen Gliedern , blickte sie auf den Mann , den sie tödlich verwundet , sterbend glaubte und der nun hier mitten im Walde ihr gegenüberstand . Das war zu viel für ihre schon durch die Angst erschöpfte Kraft , sie schwankte und griff nach den Holunderzweigen , als suchte sie einen Halt . Zu demselben Augenblick war Robert aber auch schon an ihrer Seite und stützte sie . » Um Gottes willen , was ist Ihnen ? – Habe ich Sie erschreckt ? – Elfriede ! « Erst seine Stimme , seine unmittelbare Nähe schienen die junge Frau zu überzeugen , daß diese Erscheinung Wirklichkeit sei . Ihr Blick glitt scheu und fragend über ihn hin , er war wohl bleicher als sonst , aber doch unverändert ; jetzt sah sie auch die Binde um seine Stirn , ein wirkliches Zeichen des Unfalls , und mit der Erkenntnis seiner Rettung kam ihr auch die Besinnung zurück . Mit einer raschen , beinahe heftigen Bewegung machte sie sich los von dem stützenden Arme . » Mir ist nichts , gar nichts ! « sagte sie , mit einem vergeblichen Versuche , sich zu fassen . » Sie traten nur so plötzlich hervor – ich war in der That erschrocken . « Sie ließ sich auf einem der moosbewachsenen Steine nieder , notgedrungen , denn ihre Füße trugen sie nicht mehr . Adlau war zurückgetreten , die alte Gereiztheit erwachte wieder in ihm bei der fluchtähnlichen Bewegung , mit der Elfriede sich ihm entzog . Er ahnte ja nicht , daß sie von seinem Unfall etwas wußte , konnte nicht erraten , was sie hergeführt hatte . Aber sie war so bleich , sie zitterte noch immer , und dann ihr Aufschrei , als sie ihn erblickte ; schwankend zwischen Unwillen und aufflammender Hoffnung , stand er vor ihr , aber seine Lippen waren fest zusammengepreßt . Die junge Frau bracht endlich das beklemmende Schweigen . » Ich bin auf dem Wege nach Lindenhof , « erklärte sie leise . » Ich will zu meinem Vater . « » Und ich komme eben von ihm , « fiel Robert ein . » Er ahnt noch nichts von Ihrer Ankunft , Sie wollen ihn vermutlich überraschen . « In das bleiche Gesicht Elfriedens stieg eine helle Glut bei dem Gedanken an die Veranlassung ihrer Reise . Sie hatte in besinnungsloser Angst zu dem Vater gewollt , um mit ihm nach Brankenberg zu eilen – der Todesgefahr gegenüber fielen ja alle Schranken , alle Rücksichten , Aber jetzt stand Robert lebend vor ihr , jetzt durfte er nicht ahnen , was sie hergetrieben hatte , um keinen Preis ! » Es gilt allerdings eine Ueberraschung , « bestätigte sie , und es gelang ihr wenigstens einigermaßen , das Beben ihrer Stimme zu beherrschen . » Ich weiß ja , wie schwer es meinem Vater wird , sein geliebtes Lindenhof zu verlassen , ich wollte ihm das ersparen , und dann – dann hatte ich auch Sehnsucht nach unserem Rhein . « » Nach unserem Rhein ! Gilt er Ihnen wirklich noch dafür ? « » Wie vorwurfsvoll das klingt ! Trauen Sie mir denn gar kein Heimatsgefühl zu ? « » Für den kalten grauen Norden ? Für die Enge der deutschen Verhältnisse ? Damals in Korfu hatten Sie nur Spott dafür . « » Nun , dann bin ich wohl dafür bestraft , « versuchte Elfriede zu scherzen . » Ich habe diesmal im Orient tatsächlich Heimweh gehabt , Sehnsucht nach einem deutschen Frühling . « » Wirklich ? Und