für Ihre Hoheit , sie übergab es daher sogleich dem Herzog . Die alte Dame kam in dem Augenblick , als Seine Hoheit mit der Zornader auf der Stirn einen Haufen Papiere durchstöberte . Der Polizeidirektor war ebenfalls anwesend . Der Herzog mochte glauben , Frau von Katzenstein bringe ihm Nachrichten von Ihrer Hoheit . Statt dessen reichte ihm die alte Dame nun ernsthaft ein mit himmelblauem Seidenbande umwundenes Päckchen Briefe hin , dessen oberster , unverkennbar von der Handschrift Seiner Hoheit , die Adresse der Frau von Berg trug . Der Herzog ward blaß . » Und das sollte man Ihrer Hoheit übergeben ? « fragte er und sah schier fassungslos die Zeugen einer lustigen Junggesellenzeit an , von damals , wo man so gern abends bei Herrn und Frau von Berg saß und in dem blauen , koketten Gemach der schönen Frau Whist spielte . Dieses Weib , das niemals in einem Raume mit der Frau , deren Lebenszeit nur noch Tage zählte , hätte atmen dürfen , dieses Weib wagte es , noch an den Frieden des Sterbebettes zu rühren ? » Ich danke Ihnen , gnädige Frau ! « sagte der Herzog erschüttert . Und er nahm die Briefe und warf sie in den Kamin , und jene anderen Papiere warf er ebenfalls nach . Unwillkürlich wischte er sich hinterher die Finger an dem Batisttuch . » Lassen Sie den Schuft laufen , Herr von Schmidt « , sagte er dann verächtlich und machte eine liebenswürdig verabschiedende Bewegung zu dem Polizeidirektor . Der Herzog ging , nachdem jener sich entfernt hatte , sehr erregt im Zimmer auf und ab . Einer der Briefe , ein kleines Kärtchen , war da vor dem Kamin liegen geblieben . Der Herzog bemerkte es erst nach einer Weile und hob es auf . Es war Herrn von Palmers wohlbekannte Handschrift . » Gestern abend « , las er , » habe ich der schönen Klaudine ein Briefchen des Herzogs überreichen müssen . Ich stahl es ihr , als ich ihr beim Einsteigen half . Anbei übergebe ich Ihrem großartigen erfinderischen Sinn das wertvolle Blättchen zu beliebiger Verwendung . Nun , mein Schätzchen wird die Mine so geschickt zu legen wissen , daß die kluge , uns beiden so freundlich gesinnte Dame in die Luft fliegt – « » Also Palmer auch hierin schuldig ! « Er lächelte bitter und dachte an das heißblütige , dunkeläugige Geschöpfchen , dem man die Zündschnur zu dieser Mine in die Hand gab . Die Mine war explodiert , das erste Opfer lag da drüben , und die Verbrecher waren entkommen . Dieser schlaue Mensch hatte sich wenigstens vorgesehen , hatte es verstanden mit lächelnder Natürlichkeit zu betrügen . Es war kein Bediensteter unter dem gesamten Personal des Hofhaltes , der nicht rückständigen Lohn zu fordern hatte , kein Hoflieferant , welcher Art es sei , der seit zwei Jahren einen Pfennig bekommen hätte . Im herzoglichen Rentamt drängten sich die Leute mit Forderungen , nachdem die Flucht Palmers bekannt geworden war . Die in Geldsachen sehr peinliche Herzoginmutter war darüber empört , einen Landauer zum zweiten Male bezahlen zu müssen , und ertrug dennoch nur mit Mühe den Gedanken , daß sie in eben diesem Wagen ganz ruhig an dem Hause des Fabrikanten vorübergefahren sei , der so oft untertänige Mahnbriefe an Palmer geschickt hatte . Klaudine erfuhr dies alles durch die Zofe , es erregte kaum flüchtig ihr Interesse . Sie dachte nur an das , was das Heute ihr bringen würde , an die Entscheidung ihres Schicksals . Die Nachrichten über das Befinden der Herzogin lauteten nicht schlechter , sie hatte einige Stunden geschlafen , aber noch nicht die Gegenwart der Freundin gewünscht . Klaudine stand am Fenster und sah hinaus in den grauen Novemberhimmel . Es schneite noch immer , so düster lag die Welt vor ihren Blicken , so tot . Eine dunkle Röte überzog plötzlich ihr Antlitz – ein Wagen rollte in den Hof und hielt vor dem Tor des Flügels , den die Herzogin bewohnte . Da ihr Zimmer in dem Mittelbau lag , in dem die Prachträume sich befanden , konnte sie deutlich sehen , wer dem Wagen entstieg und das Schloß betrat . Er war es . Eben verschwand Lothars hohe Gestalt hinter den spiegelnden Glasscheiben der inneren Tür . Er kam , Ihrer Hoheit die Antwort zu bringen ! Sie mußte sich fest aufstützen , so stürmte es auf ihre Seele ein . Was wollte der törichte Hoffnungsstrahl noch immer in ihrer gequälten Seele ? Er liebte sie nicht , nein , nein ! Einmal , einmal hatte ihr Herz töricht in Wonne geklopft , das war in jener dunklen Sommernacht , als er dahergeritten kam , um nach ihrem Fenster zu lauschen – einen Augenblick , einen einzigen süßen , herzverwirrenden Augenblick . Aber die Ernüchterung folgte auf dem Fuße . Sie wandte sich vom Fenster weg und ging zu dem Tische , auf dem noch das Frühstück stand . Sie ergriff die winzige Karaffe , mit Sherry gefüllt , und goß sich ein halbes Glas ein . Sie liebte diesen Wein sonst nicht , sie fühlte sich nur so erbarmungswert schwach in diesem Augenblick . Ein leises Klopfen an der Tür ließ sie das Glas hinsetzen , noch ehe sie ausgetrunken . » Herein ! « sagte sie so tonlos , daß der Außenstehende es unmöglich hören konnte , aber Frau von Katzenstein öffnete trotzdem die Tür und kam freundlichernst über die Schwelle . Sie hielt ein Körbchen , mit weißem Seidenpapier verdeckt , in der Hand . » Meine liebe Gerold « , sagte sie herzlich , » Ihre Hoheit beauftragt mich soeben , Ihnen dieses zu überreichen . « Sie stellte den Korb auf einen Seitentisch und trat Klaudine näher . » Die Herzogin erwartet Sie in einer halben Stunde « « , fügte sie hinzu und drückte dem Mädchen die Hand . » Verzeihen Sie nur , wenn ich nicht