erlauscht hatte , und die Röte der Bestürzung stieg ihr purpurn in die Wangen . „ Warum wirst du denn so rot ? “ lachte die Rätin . „ Du ahnst wohl schon , was ich dir sagen soll ? Na , ich merk ’ s ja , du weißt , daß der arme Kerl bis über die Ohren in dich verschossen ist , und – - “ „ Aber , Mutter ! “ rief Aenne , doch ein Weiteres kam nicht über ihre Lippen , nur in die Augen drängte sich ein heißes Erschrecken über diese neue Werbung . „ Du mußt nicht scherzen mit solchen Dingen , Mutter , “ setzte sie stotternd hinzu . „ Da sei Gott vor ! “ rief die alte Dame eifrig und stolz . „ Es ist Wahrheit , Kind , so wahr wie ich hier vor dir sitze . Ich hab ’ s auch lange schon gemerkt , und gestern abend bat er mich , ich sollte für ihn sprechen bei dir , ihn macht so die Liebe rein zum blöden Jungen ! Nein , mein Aenneken , es ist wahr ! “ beteuerte sie nochmals , „ er will dich heiraten und – das hast du ja auch lange gemerkt schon , du Schlaukopf , du ! “ „ Und du hast ihm Hoffnung gemacht ? “ fragte das Mädchen und stand hochaufgerichtet vor der Mutter . „ Warum denn nicht ? Worauf sollen wir denn noch warten , Kind ? Denke doch nur – Vermögen , .. ein tüchtiger Arzt , die ganze Praxis des seligen Vaters hat er , und gut ist er dir , rein närrisch – ich dächte doch – – “ „ Mutter , “ stieß Aenne hervor , „ du durftest ihn nicht ermutigen , du hattest kein Recht dazu ! “ Frau Rat stellte die Schüssel hin und warf das Messer hinein . „ Ich kann mir doch nicht denken , daß du so , gelind gesagt , so unvernünftig bist , Aenne , “ stotterte sie . „ Komm ’ mal her und laß uns beide ein ruhiges Wort darüber reden “ und sie zog die Tochter an der Hand tiefer in den Garten , „ komm in die Laube da unten , dort hört uns niemand ! “ Aenne ließ sich ziehen aber sie zitterte am ganzen Körper . Nun war sie wieder mitten hinein geschleudert in den Kampf sollte er denn niemals enden ? Und nun drückte die Mutter sie auf die graugestrichene Lattenbank und blieb vor ihr stehen , mit mühsam zusammengehaltener Ruhe und Sanftmut . „ Bedenke doch , ich bin Witwe und du bist ein armes Mädchen , “ begann sie so leise und gütig , wie sie nie gesprochen . „ Es mag dich vielleicht keine übergroße Liebe zu ihm drängen , jedenfalls aber darfst du ihm deine Achtung nicht versagen ; du mußt seine Rechtschaffenheit und seinen Fleiß anerkennen , das ist gar nicht anders möglich . Du bist nun auch in dem Alter , wo man diese Eigenschaften zu schätzen weiß , denn was aus den vielgepriesenen Liebesheiraten wird , das kannst du recht deutlich an den Kerkows sehen . Der sogenannte Beruf eines Mädchens als Sängerin , als Lehrerin oder dergleichen ist ja doch eben nur ein Notbehelf für solche , die keinen Mann bekommen , und kurz und gut , liebes Kind , es wäre eine wahrhafte Sünde .. eine wahre Vermessenheit , wolltest du dies Glück nicht annehmen , denn wenn du da draußen auch wirklich ’ mal den Wind dir um die Nase hast wehen lassen – um zu ermessen , wie schwer das Leben ist für ein einsames Frauenzimmer , dazu hat dir , gottlob ! bis jetzt jede Gelegenheit gefehlt . Und nun begann sie zu schluchzen , und weil sie ihr Taschentuch vergessen hatte einzustecken , nahm sie den Schürzenzipfel vor die Augen . Ueber Aennes gesenktem Haupt ergoß sich dieser Redestrom mit niederschmetternder Gewalt , um so wirkungsvoller , als er in ungewöhnlich sanfter Weise zum Ausdruck gebracht wurde . Ach , und diesmal , fühlte sie , würde ihr die alte weinende Frau die Weigerung nicht wieder vergeben . Und sie m u ß t e sich doch wieder hineinstürzen in Sturm und Wetter , sie mußte Nein ! Sagen . Sie stand auf . „ Komm nur , Mutter , ich werde dem Doktor die Gründe meiner Weigerung selbst auseinandersetzen , will dir das Schwere nicht zumuten oder – ich schreibe ihm . “ „ Du willst nicht ? “ schrie die Rätin , alle Sanftmut über Bord werfend . „ Ich kann nicht , Mutter ! Sei gut , ich bitte dich ! Ich habe dich so sehr lieb , aber verlange nicht , daß ich unglücklich werde ! “ Mit diesen Worten schritt sie an der Mutter vorüber , und entschlossen , diese Angelegenheit so rasch als möglich zu Ende zu bringen , lenkte sie ihre Schritte direkt in des Doktors Vorzimmer . Als sie eintrat , saß dort nur noch ein altes Mütterchen aus den Bergen droben und wartete auf ihren „ Ollen “ , der zum Doktor gefahren war , weil er ’ s so arg auf der Brust hatte , wie sie Aenne mitteilungsbedürftig erzählte , und der „ Neue “ solle der „ ollen “ Müller-Lorenzen so gut auf die Beine geholfen haben , solle ein ganz Kluger sein , der würde jawohl auch ihren Gottlieb kurieren können . Dann endlich kam der „ Olle “ herausgehüstelt und des Doktors Auge traf auf Aenne , die mit ernstem blassen Gesicht neben dem Instrumentenschrank stand . Sein Herz hörte beinahe auf zu schlagen – das sah keiner bräutlichen Ergebung gleich , nicht dem Benehmen eines Mädchens , das liebt . „ Sie wollen mich sprechen ? “ stotterte er . „ Ja , Herr Doktor , aber lange soll ’ s nicht dauern ; ich weiß ja , Sie