gewußt . Etwa um 1780 mit einem Herrn von Bilguer in erster Ehe vermählt , war durch den Tod des Herren von Bilguer ihre Hand wieder frei geworden , und als Frau von Kaphengst hielt sie nunmehr ihren Einzug in das schöne Schloß am Huwenowsee . Die seitens des Prinzen gehegten Erwartungen besserer Wirtschaft erwiesen sich bald als eitel und irrig , und nur die Hoffnungen erfüllten sich , die Kaphengst seinerseits an diese seine Vermählung mit der ehemaligen Favoritschauspielerin geknüpft hatte . Denn eine neue Handhabe war gewonnen , sich der Gunst des Prinzen zu versichern . Der jagd- und spielliebende , der streit- und händelsüchtige , mit einem Worte der alte Kaphengst war schließlich in Rheinsberg unbequem geworden , der neue Kaphengst aber , der jetzt , wo die gefeierte Toussaint an der Spitze seines Haushalts stand , klug genug war , die Musen nach Schloß Meseberg hin zu Gast zu laden , erschien dem Prinzen in einem durchaus veränderten Lichte . Zunächst wenigstens . Die Zimmer und Säle rechts neben der großen Halle wurden als Bühne hergerichtet , Kaphengst selbst , mutmaßlich voll Hohn über die Rolle , die ihm zufiel , fungierte als Directeur du théâtre , und unter dem Vollklang französischer Alexandriner vergaß der Prinz gern , wie hohen Eintrittspreis er für all diese Aufführungen zu zahlen hatte , für ein Spiel , das ein Spiel war in jedem Sinne . Noch jetzt markiert sich der ehemalige Bühnenraum , und die kleinen Garderobenzimmer , in denen damals die Schminktöpfchen und die frivolen Bemerkungen zu Haus waren , lassen sich bis diese Stunde noch , wenn auch freilich in ebenso viele Wandschränke verwandelt , in dem zu hinterst gelegenen Parterrezimmer deutlich erkennen . Auch für Abwechslung wußte der kluge Kaphengst zu sorgen , klug , seitdem die Französin die Honneurs des Hauses machte . Der Prinz , nach längerer Abwesenheit im Berliner Palais ( länger als seit Jahren ) , kehrte mit dem Mai nach Rheinsberg zurück und traf , andern Tages schon , als Gast in Schloß Meseberg ein . Er mochte daselbst eine neuinszenierte tragédie , die Einlage eines neuen Tanzes oder Musikstücks erwartet haben , aber eine sehr andere Huldigung war diesmal für ihn vorbereitet . Am Plafond der großen Speisehalle , die zum Empfange des hohen Gastes mit Blumen und Orangerie dekoriert war , hatte , die raschfertige , aber immerhin geniale Hand Bernhard Rodes ein großes Deckengemälde ausgeführt , das , im Geschmack jener Zeit , die Apotheose des Prinzen Heinrich darstellte . Zur Rechten ein Ruhmestempel , dem Genien das Bild des Prinzen entgegentragen ; daneben der bekannte Götterapparat : Minerva , zu deren Füßen das Schwert ruht , und an einem der Opferaltäre die Inschrift : » vota grati animi « . » Nimm dies als die Darbringung eines dankbaren Herzens . « Der Prinz , dessen Eitelkeit leicht zu fangen war , sobald die Schmeichelei nicht platt-prosaisch , sondern wohlstilisiert und im Gewande der Kunst an ihn herantrat , war überrascht und gerührt , und erwies sich wieder , auf Monate hin , als der Hilfbereite , von dessen Gunst und Gnade Gewinn zu ziehen , immer nur Zweck all dieser Huldigungen gewesen war . ( Es entging an jenem Tage dem Auge des Prinzen , wie ' s auch dem Kaphengsts entgangen war , daß Rode , sei es aus Zufall oder aus Malice , die Inschrift : » vota grati animi « nicht ausgeschrieben , sondern die letzte Silbe fortgelassen hatte . Kaphengst , später darauf aufmerksam gemacht , ließ auch noch das i übermalen , so daß die Inschrift jetzt lautet : vota grati an . In der Umgegend lachte man herzlich und nannte ihn Gratian . ) Die Gunst des Prinzen , oft erschüttert und immer wieder befestigt , dauerte bis 1798 . Um diese Zeit aber scheint er sie dem Günstling ein für allemal entzogen zu haben . Wenigstens müssen wir es aus dem Umstande schließen , daß sich Kaphengst in genanntem Jahre schuldenhalber genötigt sah , zwei seiner Güter : Schönermark und Rauschendorf , zu verkaufen . Das Volk erzählte sich und erzählt auch heute noch , » er habe beide in einer Nacht verspielt « . Die beiden an dern Güter , Meseberg und Baumgarten , blieben ihm , wiewohl tief verschuldet , bis zu seinem Tode , der im Januar oder Februar auf Schloß Meseberg erfolgte . Seine Frau starb erst im zweiten Viertel dieses Jahrhunderts . In der Kirche zu Meseberg , wo die Grabsteine der Gröbens vor dem Altar liegen , und von der Wand herab , in Frommen und in Treue , die Bildnisse Ludwigs von der Gröben und seiner siebzehn Kinder blicken , ist kein Stein , der an den wilden Jäger erinnerte , der hier sechsundzwanzig Jahre lang das Land durchtobt . Seine Witwe mochte fühlen , daß das Marmorbild eines Mannes , dem alles Heilige nur Spott gewesen war , nicht in die Kirche gehöre . Seitab in einer Ecke , von einem Fetzen schwarzen Flors umwickelt , der verblaßt und staubig wie ein Stück Spinnweb aussieht , hängt der Galanteriedegen des Galans und Günstlings , und daneben ein rostiges Sporenpaar . Die Kinder im Dorf aber , wenn an Novemberabenden der Wind das abgefallene Laub über die Gasse fegt , fahren zusammen und murmeln ängstlich » Kaphengst kommt « . Graf und Gräfin La Roche-Aymon Graf und Gräfin La Roche-Aymon Es ward immer stiller in Rheinsberg . Von 1796 ab scheint der Kreis nur noch aus vier Personen bestanden zu haben : aus dem Hofmarschall oder Kammerherrn Grafen Roeder , aus dem Adjutanten Graf La Roche-Aymon , aus dem Kammerrat Lebeauld und aus dem Baurat Steinert . Die beiden Wreechs waren tot , Knesebeck lebte noch , tat aber keinen Dienst mehr . Kaphengst jagte , spielte , schwur und grollte , daß der Gunst des Prinzen der goldene Boden ausgeschlagen war . Kein Wunder , daß der alternde Prinz ( er war