« Der junge Knecht mit dem blutfleckigen Stirnband sprang auf die Straße hinaus und rannte zum Stift . Auf dem Marktplatz war ein Gewimmel von Menschen . Aus allen Fenstern guckten die Leute in Sorge und Neugier . Und die Straße war angefüllt mit vier langen Reihen von Spießknechten , die vom Hauptmann Seipelstorfer gemustert wurden . Ein ähnliches Bild fand Heiner im Stiftshofe . Nut standen hier die Reiter mit ihren gesattelten Gäulen . Und Pferde wurden aus der offenen Torhalle des Münsters herausgeführt . Der Krieg hatte die schöne Kirche in einen wüsten Stall verwandelt . Heiner fragte sich bis zum Quartier des Plaienschen Hauptmanns durch . Das war im zweiten Stockwerk des Stiftes , in den Fürstenzimmern . Als der Knecht über die Treppe hinaufkeuchte , kam Malimmes ihm entgegen , sehr schlecht gelaunt . Die große Narbe war wie ein Blutstreif . » Heimkommen sollst ! Der Bub ist letz . « Zuerst erschrak Malimmes . Doch er wurde ruhig , als er hörte , wie der Bub aus seiner Quartierstub herunter gekommen wäre . » Da weiß ich schon , was los ist . Komm ! « Die beiden mußten zu ebener Erde einen langen Korridor durchschreiten , der erfüllt war von einem grauenhaften Spittelgeruch . An die vierzig Kranke und Blessierte waren hier auf unreinlichen Kissen , auf Stroh und Pferdekotzen schlecht gebettet . Wehleidige und wirklich Erkrankte , schwer und leicht Verwundete , Genesende und Sterbende , adlige Herren und niedrige Knechte , Sieger und Besiegte - alles lag da friedlich nebeneinander . Der eine hatte seinen Küraß , der andere ein Bündel Kleider unter dem Nacken . Hier wurde einem eine Pfeilspitze aus dem Fleisch geschnitten , dort zog man einem eine Kugel aus den Knochen . Hier gab ein Priester einem Sterbenden das Sakrament und redete ihm zu , an Gottes Barmherzigkeit zu glauben . Dort waren zwei mit verpflasterten Köpfen nahe zusammengerückt und würfelten . Zwischen den Lebenden lagen ein paar Tote , die man noch nicht hinausgetragen hatte . Letztes Röcheln und schmerzvolle Seufzer mischten sich mit Gelächter und heiterem Geschrei . Dazu hörte man von irgendwo die lustigen Trommeln und Pfeifen . Und in der leeren Zeile zwischen den Strohbetten eilten gesunde Kriegsknechte mit fröhlichem Schwatzen hin und her . Von denen , die es nicht anging , hatte keiner Mitleid mit dem andern . » Narr ! Hättst du dich besser gedeckt ! « Dem Malimmes , als er schon zum Tore hinaus wollte , flog ein nasser Klumpen Leinewand gegen den entblößten Nacken . In Zorn drehte er sich um - und mußte lachen . Was ihm da an den Hals geflogen , das war ein brüderlicher Gruß . Auf einer Strohgarbe saß Marimpfel mit verbundenem Kopf , den Bart verkrustet von Blut , das Gesicht gesprenkelt mit blauen Flecken . Malimmes trat auf den Bruder zu und streckte die Hand . Marimpfel nahm sie nicht . Mit grober Stimme fing er zu schimpfen an . Landesverräter , Spion und Lumpenkerl - das waren unter seinen brüderlichen Zärtlichkeiten die mildesten . Malimmes lachte . » Geh , Bruder , was redest du denn für Narretei ? « » Hast mich nit am Fuß gepackt ? « brüllte Marimpfel . » Hast mich nit tückisch niedergerissen ? Grad wie ich dem Ramsauer Gauch den Garaus hab geben wollen ! « » Geh , du Fasnachter ! « Malimmes blieb noch immer heiter . » So ist doch das nit gewesen . Laß dir sagen - « » Willst mir predigen , du ? « Es folgte ein Schimpfwort , das auch den Malimmes ernst machte , weil es dem Schoß des alten Weibleins am Taubensee einen bösen Irrtum nachredete . » Predigen ? Dir ? « sagte Malimmes hart . » Bloß wünschen will ich , daß du bald gesund wirst . Solche , wie du , müssen rumlaufen auf der Welt . Da sterben die Redlichen lieber . « Er ging davon . Im Stiftshof war noch immer das Gewühl von Pferden und Gepanzerten . Doch die Spießknechte , die auf dem Marktplatz gestanden , waren verschwunden . Von der Hallturmer Straße hörte man Trommeln und Pfeifen , die sich entfernten . Malimmes lauschte , mit schweren Furchen auf der Stirn . » So , so ? « Alt er im Someinerschen Haus den Flur betrat und den Runotter auf der Steinbank sitzen sah , mit dem Kinn auf dem Schwertknauf , fragte er : » Wo ist der Bub ? « » Im Stall bei den Gäulen . « » Was ist denn gewesen mit ihm ? « » Ich weiß nit . Jetzt ist er schon wieder in Ruh . Da er grad . « Aus dem sonnigen Hof trat Jul in die dämmerige Flurhalle herein , über der Kettenhaube den zierlichen Helm mit dem Reiherbusch . Malimmes , so ernst sein Gesicht war schmunzelte ein bißchen . Da fragte Runotter müd : » Was bringst du vom Hauptmann ? « » In die Ramsau muß ich reiten , mit einem Brief an den Reichenhaller Kaplan , der in der Ramsau für den heiligen Zeno eine Pflegschaft aufstellt . « Runotter schwieg . Und Jul , mit einem raschen Schritt , trat neben den Wortlosen hin . » Weisung , was ich weiter tun muß , krieg ich in der Ramsau . Komm ! Der Hauptmann hat verstattet , daß ich dich , den Buben und deine Knechtleut mitnimm . « Runotter hob das entstellte Gesicht . » Mich sieht die Ramsau nimmer . Meines Jakobs Grab ist überall . « Malimmes nickte . » Ich versteh ' s. Aber gib mir den Buben mit ! « Jul legte den Ann um den Hals des Runotter . » Ich bleib . « Lange schwieg Malimmes . Dann murrte er verdrossen : » Da kannst nichts machen ! « Ein Hufgetrappel vor dem Flurtor . » Guck , mein Geleit ist da ! « Er