mit Händen und Füßen an die Pfähle gebunden warst . Er hat mir Alles erzählt , so ausführlich , wie ich es nicht einmal von dir selbst erfahren habe . « » Sprach er auch vom alten Sus-Homascha20 , der mich so gern retten wollte ? « » Ja . Sus-Homascha hatte zwei Töchter . Die eine war die Frau des jungen Häuptlings Pida . Ihre Ehe war außerordentlich glücklich und ist es auch noch heute . Sie war von Santer überfallen und mit einem Schlage auf den Kopf betäubt worden . Man hielt sie für tot . Man holte dich . Man behauptet noch heut , daß du ihr das Leben gerettet habest . Darum ist Pida noch heut in unerschütterlicher Dankbarkeit dein Freund . Denke dir , seine Frau ist mit hier ? « » Unten am See ? Bei den Kiowa ? « » Ja . Als man erfuhr , daß auch Old Shatterhand mit nach dem Mount Winnetou geladen sei , ließ sie sich nicht halten . Sie wollte ihren Retter wieder sehen . Es scheint überhaupt mit den Frauen der Kiowa eine ähnliche Bewandtnis zu haben wie mit den Squaws der Sioux . Auch sie haben sich zusammengetan ; auch sie wollen mit beraten . Sie sind nicht in den Dörfern zurückgeblieben , aber wo sie sich befinden , das konnte ich noch nicht erfahren . « » Du vergissest dein eigentliches Thema . Du sprachst von den zwei Töchtern des alten Sus-Homascha . Die Eine war Pidas Frau . Die Andere - - - « Da fiel das Herzle schnell ein : » Ja , die Andere , die hieß Kakho-Oto21 . Sie wollte und sie sollte deine Squaw werden , damit du gerettet würdest ; du aber wiesest sie ab . Sie war trotzdem so edel , dir zur Flucht zu verhelfen . Sie lebt noch . Sie ist ledig geblieben . Nie hat ein Mann sie berühren dürfen , und sie ist es , die alle die vielen Jahre , welche zwischen damals und jetzt liegen , dazu verwendet hat , dein und Winnetous Andenken auch bei den Kiowa zu heiligen und Eure Ideale der Edelmenschlichkeit , der Friedfertigkeit und der Nächstenliebe in ihnen wachsen und groß werden zu lassen . Sie wünscht nichts sehnlicher , als nach dem Mount Winnetou kommen und dich dort sehen zu können . Du aber sollst sie nicht wieder erkennen . Sie ist inzwischen alt geworden und wohl auch häßlich dazu . Sie hofft , daß du sie sehen kannst , ohne zu wissen , wer sie ist . Sie hat uns den Kioma entgegengeschickt , um uns zu warnen und hierher zu führen . Wir können uns auf ihn verlassen . Er wird sich so verhalten , als ob er nicht zu seinem Stamme , sondern ganz zu uns gehöre , und uns jeden Wunsch erfüllen , der mit seiner Heimatliebe und Indianerehre vereinbar ist . Freust du dich darüber ? « » Ja , herzlich ! Und deine eigene Freude wird eine doppelte sein , wenn du diesen treuen Mann noch näher kennen lernst . Bitte , laß uns heut ' zeitig zur Ruhe gehen . Es ist möglich , daß morgen ein ereignisvoller Tag wird , der ausgeruhte Kräfte von uns verlangt . « Sie war einverstanden . Sie zog sich sehr bald in ihr Zelt zurück , und auch wir anderen legten uns schlafen . Unter anderen Umständen hätte ich für diese Nacht die Wache unter uns verteilt , da ich aber wußte , wer der Kiowa war und daß ich ihm vertrauen durfte , war es nicht nötig , diese Vorsichtsmaßregel zu treffen . Unser alter Pappermann aber war anderer Meinung über ihn . Er legte sich in seine Nähe , um ihn während der Nacht zu beaufsichtigen . Ich hatte keinen Grund , ihn daran zu verhindern . Am andern Morgen wachte ich nicht von selbst auf , sondern ich wurde geweckt , und zwar von dem , von dem ich soeben gesprochen habe , von Pappermann . Er sah ganz erregt aus , hatte ein rotes Gesicht und sagte : » Verzeiht , Mr. Burton , daß ich Euch aus dem Schlafe störe ! Es sind Dinge geschehen , schreckliche Dinge ! Dinge , die mich veranlaßten , Euch sofort zu wecken ! « » Was ist es ? « fragte ich , indem ich schnell aufsprang . » Etwas Entsetzliches ! Etwas Fürchterliches ! « » Also was ? Sagt es schnell ! « » So schnell , wie Ihr wollt , kann ich das nicht . Ich muß Euch da erst vorbereiten . « » Ist nicht nötig ! Nur heraus damit ! « » Es ist nötig ! Sogar sehr ! Wenn ich Euch nicht vorher vorbereite , fallt Ihr vor Schreck um wie ein Klotz , den niemand wieder aufheben kann . « » Ich ? « » Ja ! « » Vor Schreck ? « » Wie ich sage : vor Schreck ! « » Nur ich allein ? « » Ja ! « » Nicht auch Ihr ? « » Nein , ich nicht ! Obgleich auch ich erschrak , als ich es sah . Ja , wahrhaftig , auch ich erschrak ! Ich erschrak so , als ob sie meine eigene Frau wäre , nicht aber die eurige ! « » Ah ! So betrifft es meine Frau ? « » Ja ! Natürlich ! Eure Frau ! « » Gott sei Dank ! « Ich holte tief Atem . Der alte , brave Jäger sah so aus , als ob es sich wirklich um ein sehr böses , nie wieder gut zu machendes Ereignis handle . Vielleicht gar um ein Ereignis , durch welches unsere guten Pläne vernichtet würden . Darum hatte er mir , dem sonst so Ruhigen , denn doch eine Art von Schreck eingejagt . Nun er aber von dem Herzle sprach , war ich sofort beruhigt .