, der so herzliches Interesse an ihm nehme . » Hedwig fragte zehnmal des Tages nach Ihnen , und Konstantie hat sich zweimal ängstlich erkundigt , ob Sie krank seien . Es ist ein rechter Jammer mit euch empfindsamen Deutschen , und mein guter Vater leidet arg darunter : Konstantie kommt nun auch seit mehreren Tagen nicht mehr aus ihrem Zimmer , und der Salon ist ohne Mittelpunkt . Sie schützt Unwohlsein vor und Trauer um den Tod ihres Gemahls . « - » Ist der Fürst gestorben ? « » Allerdings , aber das wußte sie schon an jenem Abende , als Sie das letztemal bei uns waren , und da hat man ihr kein Herzeleid angesehen . Der schwachköpfige Mann ist ihr immer sehr gleichgültig gewesen , und sie ist viel zu stolz , eine erheuchelte Trauer zu zeigen . Meine kleine harmlose Hedwig ist auch übel davon betroffen . Bei dem rauhen , wenig geliebten Vater und der schweigenden Großmutter den ganzen Tag zu sitzen wird ihr jetzt schwer , da sie die letzten Tage reger Geselligkeit verwöhnt haben . Neben Konstantie konnte sie den größten Teil des Tages bei uns sein , und jetzt hat die launische Frau plötzlich keine Zeit für sie . Kommen Sie , Freund , trösten Sie uns . « Valerius entschuldigte sich auf das herzlichste . Er habe traurige Briefe bekommen , er tauge jetzt nichts für Gesellschaft . Aber der Freund kam alle Tage wieder , die Einsamkeit wurde auch dem deutschen Träumer lästig und langweilig , und da die Fürstin noch immer nicht aus ihrem Zimmer ging , er also ihre Begegnung nicht zu fürchten hatte , so gab er eines Abends dem Drängen des Freundes nach . Die schönen Säle und Zimmer kamen ihm öde vor , da die beiden Frauen fehlten , und wenn er im Gespräch bis an die Türen Konstantiens kam , so hielt er seinen Begleiter oft unwillkürlich einen Augenblick fest und lauschte mitten im eifrigen gedankenlosen Sprechen , ob er kein Lebenszeichen aus den Gemächern vernehme . Das Bild der schönen Frau , die in Trauer versunken Tag für Tag einsam in jenen hohen schweigsamen Zimmern saß , trat oft verstohlen vor seine Seele . Er glaubte sie in schwarzseidenem Gewande mit aufgelöstem Haare auf dem Fußteppich sitzen zu sehen , das blendende Weiß der Arme und des Busens sah verwundert auf die traurige Farbe des Kleides , und das Gesicht hatte den erschütternden Ausdruck einer verlassnen Königin , die über Nacht von allen denen verraten worden ist , welche noch am Abende ihren Winken gehorchten . Er ging spät nach Hause , denn der Ort , wo er ihr näher war , dünkte ihm doch noch besser als sein fernes einsames Zimmer ; eine finstere , schweigende Nacht hing wie ein schwarzer Mantel in den Straßen . Die Fensterreihe der Fürstin , nach welcher er ausblickte , war ohne Licht , nur in den letzten Zimmern dämmerte eine schwache Helle . Lange blieb er stehen , vielleicht hoffte er , die Gardinen würden sich bewegen , und jene hohe Gestalt würde sich zeigen , aber er wußte es selbst nicht , was er hoffte und ob er hoffte . Es kamen mehr solche Abende , und sein Wesen wurde immer unruhiger und ungeduldiger . Nur zu deutlich erkannte er , daß es nicht an Umgebung und Gesellschaft liege , wenn er die Zeit nicht hinzubringen wisse , denn lesen und denken und denken und lesen kann man nur bei ruhigem Gemüte . Er gestand sich ' s langsam , es fehle ihm Liebe , und zwar Konstantie . » Wohl denn , « rief er aus , als er eines Abends wieder mißvergnügt und unruhvoll aus dem Palais des Grafen schritt , » wohl denn : das Herz hat mich gehindert , das Herz treibt mich jetzt , ich werd ' ihm ewig folgen . « - Gleich als ob er einen großen Sieg errungen habe , als ob er von einer schweren Krankheit durch einen plötzlichen Himmelsstrahl genesen sei , schritt er über die Straße , um von der andern Seite nach jenen letzten Fenstern zu schauen , wie er alle Abende getan . Heut aber sah er mit leuchtenden Augen hinauf , und das Bild der trauernden Königin hatte sich verwandelt , und er glaubte das schöne Weib schon in den Armen zu halten . Alles drängte ihn , ihr zu sagen , was in seinem Herzen vorginge , sogleich , im Augenblicke , keine lange Nacht des Zweifels und Harrens sollte sich dazwischen legen . Und während er noch sann und dachte , wie das zu bewerkstelligen sei , da erhob sich seine Stimme , und er sang ein altes Lied . Sie mußte es kennen : in jener warmen Liebeszeit auf Grünschloß , wo alles mit Küssen in den Augen und auf den Lippen durcheinander lief , da hatte man es oft in stillen Abendstunden aus den Gebüschen des Gartens dringen hören . Es regte sich nichts in der Straße , und sie mußte in ihrer Abgeschiedenheit seine Stimme klar und deutlich vernehmen . Herz , mein Herz , was soll das geben ? Was bedränget dich so sehr ? Welch ein fremdes , neues Leben ! Ich erkenne dich nicht mehr . Weg ist alles , was du liebtest , Weg , warum du dich betrübtest , Weg dein Fleiß und deine Ruh ' - Ach , wie kamst du nur dazu ! Fesselt dich die Jugendblüte , Diese liebliche Gestalt , Dieser Blick voll Treu ' und Güte , Mit unendlicher Gewalt ? Will ich rasch ihr mich entziehen , Mich ermannen , ihr entfliehen , Führet mich im Augenblick , Ach ! mein Weg zu ihr zurück . Und an diesem Zauberfädchen , Das sich nicht zerreißen läßt , Hält das liebe , lose Mädchen Mich so wider Willen fest ; Muh in ihrem Zauberkreise Leben nun auf ihre Weise - Die Verändrung , ach