damit ! « Sein Gesicht strahlte vor Freude , auf diese Auskunft verfallen zu sein . Er nahm die noch auf dem Tische liegende große Note , hielt sie dem Priester hin und sagte : » Das ist für Euch ! Ihr habt kein Lösegeld erhalten ; nehmt also dies dafür ! Es ist zwar nicht so viel , aber doch Etwas . Ich gebe es Euch gern ! « Er hatte erwartet , daß der Malaie eilig zugreifen werde . Dieser aber sah das Geld gar nicht an , sondern stand von seinem Platze auf , entfernte sich von der spendenden Hand und antwortete : » Ich danke Euch , Mylord ! Geschenke nimmt man nicht zurück . Das ist bei uns nicht üblich . « » Geschenke ? Ihr habt uns doch wohl nichts geschenkt , sondern Tsi hat Euch gezwungen , auf das Lösegeld zu verzichten . « » Ihr irrt . Die Shen kennt keinen Zwang . Was wir tun , das hat freiwillig zu geschehen , ohne daß man es uns gebietet . Jede Wohltat , die man sich später vergelten läßt , sinkt zum gemeinen Handelsartikel herab . Und wenn die Intoleranz dem Körper unsers Bundes solche Wunden schlägt , wie Euer Missionar es tat , so kann die Heilung nicht durch jene Salbe erfolgen , die Ihr im Abendlande Mammon nennt . « » Aber Ihr habt ja doch Lösegeld verlangt . Die Summe von fünfzigtausend Gulden , die für Eure Verhältnisse eine fast ungeheure ist . Wie stimmt das mit Euren jetzigen Worten ? « » Sehr gut . Die Erklärung liegt in Euerem eignen Worte ungeheuer . Als Tsi die Größe dieser Summe hörte und dann später an der Betelnuß den Bund der Shen erkannte , wußte er sogleich , daß wir die böse Tat nur mit der hohen Ziffer , nicht aber wirklich mit dem Gelde strafen wollten . Fragt den Missionar und seine Tochter , ob wir von dem Gelde , welche sie bei sich hatten , das Allergeringste weggenommen haben ! Es waren über sechzehnhundert holländische Gulden . Wir haben sie nachgezählt und ihm dann wieder in die Tasche gesteckt , wo man sie finden wird . Nein , Geld nimmt die Shen niemals ! Wir forderten diese Summe , weil wir meinten , daß sie unmöglich aufgebracht werden könne . Durch die Angst , ob man sie bringen würde oder nicht , sollte der Täter sein Verbrechen sühnen , und von Penang aus hatte sich die Kunde zu verbreiten , daß wir noch den Mut besitzen , Forderung gegen Uebergriff zu stellen . Kam dann seine Tochter , wie wir sicher erwarteten , ohne Geld zurück , so sollte sie ihn ohne Lösegeld bekommen . Wir freuten uns darauf , scheinbar streng auf unserer Bedingung zu bestehen und dann der töchterlichen Bitte ein offenes Herz zu zeigen . Das ebenso offene Sir Johns aber hat uns diese Freude vereitelt . Freilich , als er die Summe stellte , konnte er nicht wissen , daß es sich - - - « » Still ! « unterbrach ihn Raffley warnend . » Bitte , nicht weiter ! « Und als ob er einen scheinbaren Fehler zu rechtfertigen habe , fügte er hinzu : » Ich hörte , daß seine Tochter an der Tat ganz unbeteiligt war , und sah , daß sie vor Angst fast zu vergehen schien . Ich wünschte nicht , daß auch sie mit leide , und stand ihr bei , um sie zu beruhigen . Aber der Shen vorzugreifen , ist keineswegs meine Absicht gewesen . Das habe ich dadurch bewiesen , daß ich die Wette des Uncle gegen Tsi geschehen ließ , ohne ein Wort zu sagen . « Der Malaie nickte ihm befriedigt zu . Tsi sah ihn überrascht an und lächelte dann leise vor sich hin . Nun war es für mich sicher , daß John zur » Shen « gehörte . Dem Governor aber kam auch jetzt noch kein derartiger Gedanke . Er sagte : » Ja , dieser weichmütige Nephew bringt es nicht fertig , einen Menschen unverschuldet leiden zu sehen . Er hätte das Geld wohl auch sogar dem Schuldigen gegeben ! « » Das wäre wohl nicht nötig gewesen , denn dieser Schuldige ist reich , unendlich reich , « entgegnete der Priester . » Waller ? Unendlich reich ? Ich denke , er bezieht , was er braucht , von der religiösen Sekte , die es ihm ermöglicht hat , nach China zu gehen ? « » Das mag sein , gehört aber nicht hierher , weil ich nicht ihn gemeint habe . Diese Angelegenheit steht jetzt , am Schlusse meiner Reise ganz anders , als am Anfange derselben . Ich habe mich nämlich überzeugt , daß er unschuldig ist . Wir hätten das Geld also von ihm zurückweisen müssen , selbst wenn es unsere Absicht gewesen wäre , es zu nehmen . « » Unschuldig ? « fragte da der Uncle verwundert . » So hat er Euern Tempel nicht verbrannt ? Das Feuer wurde von einem Andern angelegt ? « » Von keinem Andern , sondern von ihm , nur von ihm allein . Er hat das auch ganz offen zugegeben . « » Und doch nennt Ihr ihn unschuldig ? Wie kann er das sein , wenn er der Täter ist ! « » Er handelte als Werkzeug . Seine Tat war nur die Folge . Der eigentliche Täter wohnt im Abendlande . « » Sehr richtig ! « stimmte Tsi ihm augenblicklich bei . Raffley sagte zwar nichts , gab aber durch eine Handbewegung zu erkennen , daß er derselben Meinung sei . Auch ich wußte , was der Priester meinte . Aber der Governor traute dem Letzteren trotz aller Sympathie für ihn doch nicht die psychologische Denkschärfe zu , welche bei den Taten der Menschen zwischen Ursache und Wirkung zu unterscheiden weiß . Wahrscheinlich auch besaß er diese Schärfe selbst noch nicht