der Zeit erfuhr er , daß das Mädchen jene Gräfin Maria war , mit welcher er als Kind gespielt hatte in dem Forsthause seines Vaters . Die hatte bei ihrer Arbeit nicht gefunden , was sie erwartet . Eintönig ging das Leben hin zwischen gewöhnlichen Menschen , die nur an die kleinen Sorgen des Lebens dachten , und deren Aufschwung nur etwa einmal ein gemeines Vergnügen war , in dem sie sich von der Gleichmäßigkeit der täglichen Pflicht erholten . So kam sie dahin , daß sie ganz allein war und sich fremd fühlte zwischen den andern , wie sie sich schon zu Hause fremd gefühlt hatte , und weil sie nichts andres wußte , so meinte sie am Ende , das müsse so sein , und es gebe keine Gemeinsamkeit mit andern , und ein jeder Mensch sei ein tiefer Brunnen , den eine Mauer umzieht , der kann die Wolken wohl spiegeln und das tiefe Blau des Himmels und die goldenen Sterne , aber weiß nichts von den andern Brunnen im Garten , die schweigen , wie er selbst schweigt , und ihr dunkles Auge blickt sehnsüchtig in den hohen Himmel . Und so war sie zu der Meinung gekommen , daß wir zwar in unsrer Jugend glauben , es sei ein Glück und ein Ziel unsres Lebens für uns bereitet irgendwo , aber das ist nur ein Glaube unsrer Jugend , der bewirkt , daß wir wachsen und groß werden , und dann ist er nicht mehr notwendig und verschwindet in Dunst vor unsern Augen . So war sie zu dem Punkt gekommen , wo die Liebe das größte Glück für sie werden mußte , denn die zeigte ihr ein Ziel und Ende des Lebens . Und desgleichen war Hans nun auf diesem Punkt , denn er war ein Mann geworden , und nun mußte er Weib und Kind haben und eine Stelle in der Gesellschaft , wo er arbeiten konnte mit den Kräften , die er in den Jünglingsjahren sich erworben hatte . Unterdessen fand auch Karl den Hafen , in dem er jene Art von Ruhe haben sollte , die für ihn bestimmt war . In Italien traf er ein Kloster , das ganz abseits lag von der Straße , in einem großen Frieden einer Landschaft , die mit weiten Zügen das Auge wunderbar beruhigte , daß ein Mensch keine Sehnsucht mehr empfand . Da war ein heimlicher und stiller Kreuzgang um einen kleinen Hof , in dessen Mitte wuchs ein uralter Ölbaum in tiefem Frieden , dessen Blätter doch die salzige Luft atmen mochten , die vom Meere her über das Dach der Kirche wehte in diese Ruhe und Abgeschlossenheit . Vor vielen Jahrhunderten war der Baum gepflanzt und waren die zierlichen Säulen des Kreuzganges gemeißelt von liebevollen Händen nach Gedanken voller Gestalten und Bilder , und damals war wohl lebendig , jung und bunt gewesen , was heute so beruhigte und freundlich machte , als ein abgeklärtes Alter . An drei Seiten , denn auf der vierten lag die Kirche , führte Tür neben Tür jede in ein kleines und abgeschlossenes Häuschen mit einem winzigen Garten , umgeben von hoher Mauer ; in jedem Häuschen wohnte ein Mönch still für sich , der die Blumen seines Gartens pflegte und Bücher las , alte Bücher , in Pergament gebunden und mit großen Schließen , die auf den Seiten bunte Anfangsbuchstaben hatten , und oft waren die Anfangsbuchstaben vergoldet . Wenn die Glocke erklang vom Turm der Kirche herab , dann kam jeder aus seiner Tür , in seinem weißen Gewande , und mit freundlichem Lächeln begrüßten sie einander durch wortloses Neigen des Hauptes und gingen in den dämmernden Chor in die hohen geschnitzten Stühle , beteten und sangen . Und wie über dem gewundenen Ölbaum die Jahrhunderte still hingezogen waren , daß es schien , als seien sie kurze Tage gewesen , denn in gleicher Ruhe lächelte der helle Himmel auf ihn nieder , und in gleicher Stille wehte die salzige Luft über das Dach der Kirche , so war noch heute der Zug der weißgekleideten Mönche wie zu der Zeit des heiligen Benedikt , und waren die Jahrhunderte still hingezogen wie freundliche Sommertage , indessen draußen in der Welt Unruhe gewesen war , Krieg , Aufstand , Gewissenszweifel , Umsturz , Neues und wieder Neues ; nur daß die uralten Säulchen der Kreuzgänge nicht mehr an Jugendfrische denken mochten und an bunte Keckheit , sondern an ein friedliches und beruhigtes Alter . Hier verbrachte Karl erst eine Prüfungszeit , nachdem er zur katholischen Kirche übergetreten , und am Ende wurde er mit unter die Zahl der Mönche aufgenommen . Da sah er , daß auch hier Wirkungen der heutigen Zeit zu verspüren waren . Denn zwar fand er einige unter seinen neuen Freunden , die kaum etwas wußten von dem , was ihn bewegte , und die nichts erlebt hatten , wie das Alte , das in ihren viel gelesenen Büchern stand ; aber zwei Männer waren da , die waren gleich ihm geflohen in diesen Frieden , weil sie zu schwach gewesen , nur daß ihre Geschichte grausiger war wie die seine und sie gänzlich gebrochen hatte . Der eine war ein Deutscher , der aus einer sehr alten und vornehmen katholischen Familie stammte , die indessen durch viele Unglücksfälle im Laufe der Zeiten fast gänzlich verarmt war . Seine Eltern lebten in einer ganz entlegenen Gegend auf einem kleinen Gut , das seit vielen Jahrhunderten der Familie gehört hatte ; und auch jetzt noch , in ihrer Armut , erschienen sie den Gutsleuten als besondere und höhere Wesen , denn auch die Leute waren hier seit undenklichen Zeiten ansässig , und einer jeden Familie Geschichte war in irgendwelcher Art mit der Herrschaft vielfach verknüpft , und alles , was die Herrschaft tat , war ihnen bekannt . Noch der Großvater der jetzt Lebenden hatte auf seinem Sterbebette bestimmt , daß ein Totengericht über ihn abgehalten werden sollte von den armen Leuten