dich und nehmen dir den Willen und die Kraft , bis du das bist , was du nicht werden willst : mein Sill ! « » Wer kann mich zwingen ! Verlöscht das Licht , so steht die Tür hier offen ! « » Doch draußen auch der Tod ! « » Deine Scheuche ! Mich aber schreckt er nicht ! « Was war denn das ? Es ging jetzt wie ein frohes , verklärtes Staunen über sein Gesicht . Und doch klang es wie Angst , als er mich aufforderte : » Du bist also entschlossen , zu sterben , Effendi ! So fordere ich dich auf , dich vorzubereiten . Du stehst vor deinem letzten Augenblick und hast dich dem Gebete zuzuwenden . Falte also deine Hände , und sprich nach , was ich dir vorzubeten habe ! « Er legte die seinigen zusammen und sah mich an , als ob er ganz bestimmt erwarte , daß ich diesem seinen Beispiele folgen werde . Ich aber sprach : » Meinst du , daß ich dich brauche , dich , dich , wenn ich zu beten habe ? Für mich ist das Gebet von göttlicher Natur , und darum ist das rechte , wahre Beten wenn nicht die allergrößte , so doch die schwerste und die heiligste der Künste . Hier aber sah ich nichts als Trug und Fälschung , und darum glaube ich , daß du sogar betrügst , indem du betest ! « Da ballte er die Fäuste wie zum Kampfe und schrie mich an : » So stirb in deinen Sünden und fahre hin zur Hölle ! « Er holte aus und schnellte sich mit aller Kraft auf mich , um mich hinabzustürzen , der ich in fast unmittelbarer Nähe der Tür stand . Ich aber wich blitzschnell zur Seite . Die Gewalt des Sprunges trieb ihn also , anstatt mich zu treffen , in die Türöffnung hinein . Er brüllte vor Schreck laut auf und faßte hüben und drüben an , um sich zu halten . » Voran mit dir , damit ich Wort zu halten habe ! « rief ich . » Ich laß nicht auf mich warten ! « Ein Stoß von meiner Faust , und er flog hinaus ins Bodenlose . Die Fackel in meiner andern Hand stand im letzten Flackern . Ich schleuderte sie ihm nach . Von unten klang ein Schrei und dann ein dumpfer Schlag . Vor mir die tiefste Finsternis und hinter mir das Grausen aller Schatten ! Ich trat auf die Schwelle . Ein einziges Wort , ein allereinziges , klang betend in mir auf . Dann schnellte ich mich , um nicht am Gemäuer anzuschlagen , mit weitem Sprung hinaus in das , was mir als » Tod « bezeichnet worden war . Die Beine zusammenhaltend , die Arme angezogen und die Augen geschlossen , fuhr ich in eine Eiseskälte , die mich sofort erstarren machen wollte . Aber sie hatte auch noch eine zweite Wirkung : Es war mir , als ob ich in eine Flut der Kraft , das Lebens tauche , die nur im ersten Augenblick erschrecke , dann aber grad das Gegenteil von der Erstarrung bewirke . Der Sprung war hoch gewesen , so hoch , daß ich bis auf den Boden des Wassers niederkam , zu den Verkalkten , die da unten lagen . Dann breitete ich die Arme aus , tat den bekannten Schlag , um wieder hochzukommen , und legte mich hierauf , leicht paddelnd , auf die Flut . Nun horchte ich . Hier um mich her war Alles still . Jedoch in einiger Entfernung klang das Wasser . Es war , als schwimme Jemand dort und hole ängstlich Atem . Ich kannte wohl die Stelle , an der ich mich befand , jedoch noch nicht die Richtung . Ich war mit dem Gesicht nach Süd herabgesprungen . Hatte ich das beibehalten , so mußte die Mauer hinter mir liegen . Dort schwamm ich hin und fühlte schon nach einigen Stößen den Stein . Das konnte auch ein Pfeiler sein . Darum griff ich mich an ihm hin . Es war die Mauer . Ich hatte sie rechter Hand und lag also mit dem Kopfe nach dem inneren Bassin hin auf dem Wasser . Von dorther klang Geräusch . Es rauschte , und es stöhnte . War das der » Zauberer « ? Hatte er sich gerettet ? Kannte er die Oertlichkeit ? Wußte er Etwas von dem Kanal ? Wenn nicht , so war er verloren , wenn ich ihn im Stiche ließ . Ich schwamm also hin , leise , leise , um ihn nicht durch Zurufe vor der Zeit in Angst zu bringen . Wenn er mich hörte , mußte er denken , daß ich ihn verfolge , und das konnte ihn verwirren , so lange er noch auf offenem Wasser war . Ich berechnete hierbei jeden Stoß und jeden Schlag , den ich tat , um zu wissen , wo ich immer sei . Als ich nach meiner Schätzung unter der in der Luft hängenden Mauer hindurchgekommen war , hörte ich ein lautes , schweres Atmen , als ob sich Jemand anstrenge , an irgend Etwas emporzukommen . Das war dort beim Riesenpostamente . Ich näherte mich ihm . Nun hörte ich nichts mehr . Dann aber klang eine halblaute , doch hier in diesem akustischen Raume sehr vernehmliche Stimme : » Ist er tot ? Ich hörte nichts ! Mein Gott und Herr , laß ihn doch leben ! Erhalte ihn , den Ersten , den Allerersten und den Einzigen , der über unsre Vogelscheuche lachte ! « Das war ja ein Gebet ! Und zwar für mich ! Kein angelerntes sondern eingegebenes ! Da durfte und mußte ich allerdings antworten . » Ich lebe , denn es gibt ja keinen Tod ! « sagte ich in gewöhnlichem Tone , und doch erdröhnte es , als ob es mit aller Kraft der Stimme