ununterbrochen bei diesem Rennen sein und sich an diesem Gedanken zum neuen Leben stärken . Dich aber werde ich jetzt hinunter zu den Platanen tragen lassen . Dort magst du den Stock versuchen , bis er dir später nicht mehr nötig ist . « Er ging , und gleich hierauf kamen drei Dschamikun , welche mich hinausbringen sollten . Sie trieben zunächst Assil hinaus , was Kara Veranlassung gab , auch Barkh und Ghalib wegzuführen . Hierbei war das laute Geräusch der Hufe nicht zu vermeiden . Halef bewegte sich . Grad als man mich vom Lager hob , öffnete er die Augen . » Komm her zu mir , Sihdi - - - ! « sagte er , » du sollst - - - etwas hören - - - etwas sehr - - - sehr Wichtiges - - - ! « Man setzte mich bei ihm nieder . » Gieb mir deine Hand ! « bat er . Ich ergriff die seinige . Er sah mir mit seiner alten Innigkeit in die Augen und fuhr mit leiser Stimme fort : » Sihdi - - - wie denkst du - - - über das Sterben ? « » Ich denke überhaupt nicht mehr daran , « antwortete ich . » Ich auch nicht ! - - - Das alte - - - alte Weib - - - ohne Zähne - - - ! Weißt du - - - ? Sie ist fort - - - ! Sie wollte - - - mich zwingen - - - zum Sterben - - - ! Da erfuhr ich - - - daß auch dieses Sterben - - - eine große , große Lüge ist - - - so groß - - - wie es gar keine - - - keine zweite giebt ! - - - Sihdi , leg dein Ohr - - - an meinen Mund - - - ! « Ich folgte dieser Aufforderung , da flüsterte er mir zu : » So lange ich lebte - - - steckte ich im Tabuth94 - - - das ist der Leib - - - ! Ich sollte , - - - sollte , nein - - - ich wollte - - - wollte , nein - - - ich durfte - - - durfte auferstehn ! - - - Da rief jemand - - - im Sarg meinen ganzen - - - ganzen Namen ! - - - Das hielt mich in - - - in ihm - - - von neuem in ihm fest ! - - - Ich war - - - war nicht allein - - - ! Es standen - - - standen - - - ich sah - - - Sihdi , ich kann - - - mich nicht besinnen ! Es fällt mir - - - schon noch wieder ein - - - dann sage - - - sage ich es dir ! « Ich behielt seine Hand in der meinen , während er hierauf längere Zeit ohne Wort und Bewegung lag . Plötzlich zuckte er zusammen und rief mit erhobener Stimme aus : » Sihdi , es giebt ein großes Rennen - - - ! Ich muß essen - - - muß trinken - - - muß stark werden - - - ! Assil - - - mein Barkh - - - und Ghalib , der Ueberwinder - - - ! Ich bin froh - - - daß ich lebe - - - ! Wir werden siegen - - - siegen - - - siegen - - - ! Hamdulillah - - - Hamdulillah - - - Hamdulillah ! « - - - Viertes Kapitel Ein Bluträcher Viele meiner Leser sind , wie ich weiß , in Palästina gewesen . Die Meisten von diesen werden wohl auch , wie einst der Mann im Gleichnisse Christi , von Jerusalem hinab nach Jericho gegangen sein . Er-Riha wird diese Stadt vom heutigen Araber genannt . Von ihr aus geht es über eine alte , verfallene Brücke nach dem fernliegenden » Toten Meere « . Nach der andern Seite führt , an zerlumpten , niedrigen Beduinenzelten vorüber , ein bequemer Weg nach Aïn es Sultan95 , wo die eingeborenen Bettler gern unter Wasser tauchen , um die für sie hineingeworfenen Geldstücke herauszuholen . Trinken aber mag man lieber vor als nach dieser Prozedur ! Geht man von hier aus noch weiter , so sieht man den imposanten Dschebel Qarantel vor sich liegen , der sich aus dem Abgrunde wie ein böser Traum aus tiefem Schlaf erhebt . Seine Einsamkeit hat schon in den frühesten Zeiten anziehend auf fromme Anachoreten gewirkt . Die Höhlen wurden von ihnen bewohnt . Zelle gesellte sich zu Zelle . Sie sind hoch am schwindelnd steilen Fall der Felsen gelegen . Heute wird diese Siedelung als Strafkolonie für griechisch-katholische Priester gebraucht . Warum diese scheinbar unmotivierte Abschweifung nach dem gelobten Lande ? Der Aehnlichkeit der Orte wegen . Ich kann die Lage des von dem Ustad bewohnten , » hohen Hauses « eigentlich nur Denen deutlich machen , welche den Dschebel Qarantel gesehen haben . Und doch wie so verschieden sind sie beide von einander . Bei Jericho jeder Nomade ein geborener Bettler ; hier in dem abgelegenen , kurdischen Orte jeder Bewohner ein Ehrenmann . Dort Einöde , hier das gepflegteste Tier- und Pflanzenleben . Dort abgrundtiefes Grauen und hier ein herzerfreuender Blick von der Höhe in die Tiefe . Dort die unerbittlich geballte Faust der geistlichen Oberbehörde und hier aber die stets gütig geöffnete Hand dessen , der nur von der Liebe zu seiner dominirenden Würde emporgehoben worden war . Auch in Jericho habe ich unter freiem Himmel wiederholt ganze Nächte durchgewacht . Warum ? Der Unsauberkeit und des Ungeziefers wegen , welches mich aus der Wohnung heraus bis an den verwilderten Garten trieb . Da strahlten mir auch die Sterne ; aber die körperliche Qual ließ auch nur häßliche geistige Bilder zu . Ich sah am Tel ed Dem96 den Chan