ihn gern , ganz gewiß ! Aber das äußerte sich nur in einer Art munteren Kameradschaftlichkeit . Auch in ihr steckte ein jungenhafter Zug wie in vielen Mädchen , ehe die Frau zur Entfaltung gelangt ist . - Sie hatte bisher seinen Anträgen gegenüber die Besonnenheit nicht verloren . So gingen die beiden auf dem Feldwege hin . Sie kehrte sich gelegentlich lachend nach ihm um . Es machte ihr Spaß , ihn unter der unwillkommenen Last der Körbe einherschreiten zu sehen . Ernestine hatte eine Gerstenähre aus dem Felde gerauft und kitzelte ihn damit an der Nase , bis er niesen mußte . Ehe er die Körbe niedergesetzt , war sie schon zehn Schritte und mehr von ihm entfernt . Die Hitze war groß ; er verspürte keine Lust zu einem Wettlaufe mit der Leichtfüßigen . Häschke machte gute Miene zum bösen Spiel und versuchte , während sie so dahinschritten , ein Gespräch im Gange zu halten . Aber sie lachte nur zu allem , was er sagte . So war sie nun ! Wie ein Fisch : wenn er sie zu halten glaubte , entschlüpfte sie ihm glatt und geschmeidig . Eine harte Probe für den Erfolggewöhnten ! - Schon einigemal hatte er sie eingeladen , Sonntags mit ihm nach Haderbaum hinüberzugehen zum Tanze . Ein Tänzchen in Ehren , was war da weiter dabei ! Er hatte den Vorschlag so harmlos wie nur möglich vorgebracht . Doch Ernestine war nicht auf den Kopf gefallen . Sie tanzte für ihr Leben gern ; aber man wußte schon , daß sich das Mannsvolk damit nicht begnügte . Auch heute war all die Beredsamkeit , mit der Häschke ihr das Parkett , die Militärmusik , die Getränke und die sonstigen Genüsse des Festes schilderte , an sie verschwendet . Sie sagte nicht ja und nicht nein , kicherte nur und summte sich ein Liedchen . Der Bursche kochte vor Wut . Er hätte das Frauenzimmer auffressen mögen . Wenn sie nur nicht so verdammt niedlich ausgesehen hätte ! Nicht weit vom Wege standen ein paar große Roggenstrohfeimen , weit und breit in der baumlosen Gegend sichtbar . In Häschkes Kopfe blitzte beim Anblick der mächtigen Strohhaufen ein Gedanke auf . Stehen bleibend , meinte er , hier könne man sich ein wenig im Schatten verschnaufen . Mit dem Mittagsbrot habe es keine solche Eile , die anderen würden ihnen nicht davonlaufen . Sie traten in den Schatten der Feimen . Er stellte die Körbe beiseite und sagte : » Hier is gut sein , Mädel ! « Damit umfaßte und küßte er sie nach Herzenslust . Sie ließ sich das eine Weile lachend gefallen , dann aber setzte sie sich zur Wehr . Er sollte sich mal seinen kratzigen Bart abnehmen lassen , meinte sie . » Ich tu ' s glei , Ernstinel ! « sagte er , sie immer noch festhaltend und ihr verliebt in die Augen blickend . » Aber du mußt mir och was zu Gefallen tun ! « - » Was denne ? « » Du weeßt schon ! « » Du bist ein schlechter Kerl ! « » ' s is nich schlecht , wenn man sich lieb hat . « » Laß mich ! « » ' s sieht uns ja keen Mensch hier - Ernstinel ! « Sie wehrte ihn mehr mit ihrem kühlen Blicke ab als mit ihren Händen . Der starke Bursche konnte nichts gegen das Mädchen ausrichten . Sie hatte keine Spur von Furcht vor ihm . Er mußte die Hände von ihr lassen . Sie lachte ihn aus . Wie ein Strahl Wasser in eine heiß lodernde Flamme wirkte das auf seine Leidenschaft . Er warf sich ins Stroh , verzweifelnd , das Gesicht gegen den Boden , als wolle er nichts mehr sehen . Das Mädchen stand neben dem Liegenden . Er sollte keine Faxen machen , meinte sie ; die anderen würden sich wundern , wo sie blieben . Er sagte , zu den anderen werde er nicht mehr zurückkehren ; er wollte fortlaufen , sie sei zu schlecht gegen ihn . Er fand Töne echter Verzweiflung . Sie kniete neben ihn nieder und streichelte ihm den struppigen Kopf . Er drehte ihr sein rotes Gesicht halb zu und schlang die Arme um sie . Er werde sich ein Leid antun , schwor er , wenn sie ihn nicht erhöre . » Was willst de denne ? « fragte sie , während er sie mit starkem Arme schon halb zu sich herabgezogen hatte . » Red ' nich so dumm , Ernstinel ! « flüsterte er ihr ins Ohr . Und damit lag sie nur noch halb widerstrebend neben ihm im Schatten der Strohfeime . * * * Es gab unter den Wanderarbeitern mancherlei Streitigkeiten und Ränke , aber auch Zuneigung und Eifersucht . Gustav , in seiner Stellung als Aufseher , bekam davon wenig zu merken . Die Liebeleien , die es etwa unter den jungen Leuten geben mochte , wurden vor ihm nach Möglichkeit verborgen . Die drei männlichen Arbeiter , die nach der Flucht des Polen noch da waren , vertrugen sich untereinander leidlich . Häschke hatte durch Anlagen und Erfahrung so sehr die Oberhand , daß ein Aufkommen gegen ihn ausgeschlossen war . Welke , der gewesene Stallbursche , war eine harmlos ehrliche Haut . Von den Mädchen wurde er vielfach gehänselt . Er tat ihnen den Gefallen , verlegen zu werden und sich zu ärgern , was man bei seiner hellen Hautfarbe leicht am Rotwerden erkennen konnte . Fumsack , der ehemalige Schmiedegeselle , war ein großer ungeschlachter Geselle , stark wie ein Bär , schwerfällig , wortkarg . Er war imstande , einen geschlagenen Tag zuzubringen , ohne seinen Mund zu öffnen , außer zum Essen und Gähnen . Des Nachts wußte er sich um so entschiedener durch furchtbares Schnarchen Gehör zu verschaffen . Fumsack hatte eine Liebschaft . Die Sache war schon älteren Datums . Wahrscheinlich hatte er sich