durchs Leben geschleppt und in seinem Herzen einen quälenden Stachel getragen . Jeder Gedanke an den Vater wäre ihm zu einer Verwünschung geworden , jeder Gedanke an die Mutter - « Werner verstummte . Und Gundi Kleesberg versank zwischen den Lehnen des Fauteuils . Tränen rollten ihr über die Wangen . » Es war hart für mich , daß ich mein Kind verlieren mußte . Ich hab ' es geliebt und hab ' es nie gesehen . Mit seinem kleinen Leben ist meine letzte Hoffnung erloschen . Aber besser so , wie es ist . Hätt ' es gelebt und alles wäre gekommen , wie du sagst - ach , das arme Kind ! « Alle Bitterkeit schwand aus Werners Zügen , und in seinen Augen erwachte ein warmer Glanz , als fände er in diesem welken , von Tränen und zerflossener Schminke bedeckten Gesicht jetzt , da auf ihm die Sprache des Schmerzes geschrieben stand , jene Erinnerung der entschwundenen Jugend wieder , die er vor wenigen Minuten umsonst gesucht hatte . » Gundi ! Liebe Gundi ! « Er zog ihr die Hand von den Augen . Scheu blickte sie zu ihm auf . » Wie gut du bist ! Sei ohne Sorge ! Ich will dir nicht vorjammern von mir , von dem bösen , zwecklosen Leben , das meine Feigheit über mich brachte . Um deinetwillen hätt ' ich mir den Wunsch versagen sollen , dich noch einmal zu sehen . Doch ich wollte nur hören , daß dir das Leben leichter und schöner wurde als der Gundi Kleesberg . Sag ' mir das , Werner , und ich bin zufrieden ! « Er streichelte ihre Hand und sagte mit seinem milden Lächeln : » Leicht ? Nein , Gundi ! Aber die Arbeit war mir ein Trost . « » Nur die Arbeit ? « Ihre Augen öffneten sich weit , ihre Stimme wurde leiser . » Nicht auch dein Sohn ? « Ein kaum merklicher Schreck . Dann dieses ruhige Wort : » Deine Frage ist mir unverständlich . « Sie machte eine schüchterne Bewegung mit der Hand . » Ich begreife , Werner , er soll es nicht wissen . Und niemand . Sein Leben soll ohne Kette sein , sein Herz ohne Stachel . Ich habe jedes deiner Worte behalten . Du versagst deinem Herzen , was er dir bieten könnte als Sohn - und gibst ihm als Freund alles , was ein Vater nur geben kann ! Du bist ihm , was du auch unserem Kind gewesen wärst , wenn es hätte leben dürfen . Ich kenne dich , Werner ! Vor mir brauchst du es nicht zu verbergen . Aber sag ' mir zu meinem Trost , Werner : daß du eine Freude fandest , ein Glück , das dich vergessen ließ , was früher war ! « » Das kann ich nicht sagen . Denn ich habe nicht vergessen . Nie ! Daß ich Betäubung suchte ? Es wäre sinnlos und unehrlich , das zu leugnen . Kunst und Entsagung ? Das verträgt sich nicht - auf die Dauer . Aber ich ? Und Glück ? Nein , Gundi ! Da irrst du dich ! Sollte dir das nicht ein Trost sein , den du lieber hörst ? « Heftig schüttelte sie den Kopf . » Sag ' es mir , Werner , ich bitte dich ! « » Es ist die Wahrheit : Ich habe die Frau , die Forbeck seine Mutter nannte , nie im Leben gesehen . Ich war einsam und suchte nach einem Menschen , den ich lieben könnte . So fand ich diesen verwaisten Jungen . Ich erkannte seine überraschende Begabung und hab ' ihn erzogen zu einem Kind meines Geistes . « Tiefer Ernst war in Werners Augen . » Ich hätte Freude an ihm erleben können . Und wie hab ' ich ihn jetzt gefunden ! Warum hast du mich nicht gefragt , was mich heute in dieses Haus führte ? Ich kam , ohne daß er es wußte - weil ich ihm den Abschied leichter machen wollte . Errätst du nicht , weshalb ? Ich habe mein Können und Denken in ihn gelegt . Zu meiner Freude gleicht er mir in vielen Dingen . Aber die Ähnlichkeit des Schicksals hätt ' ich ihm lieber erspart gewußt ! « Erschrocken stammelte Gundi Kleesberg : » Er ? Und Kitty ? « Werner nickte . » Sein Leben wird werden wie das meine . « Eine Weile saß die Kleesberg wie versteinert . » Ach du allgütiger Himmel ! Auch dieses Unglück noch ! Wie hat es denn nur geschehen können ? Ich hab ' s nicht kommen sehen und hab ' es doch gefürchtet von der ersten Stunde an . Wo hatte ich nur meinen Kopf ? Ich war so ganz versunken in mich selbst ! Was sein Anblick in mir weckte , das machte mich ganz verdreht . Sooft ich ihn ansah , war mir , als stünde die vergangene Zeit wieder auf . Und während ich alte Närrin die Augen verdrehte , ist das Unglück über die Kinder gekommen ? Und nun sollen sie elend werden wie wir ? Nein , Werner ! Jetzt will ich Mut haben . Den Anfang hab ' ich schon gemacht . Oder weißt du nicht , was geschehen ist ? Sieh her , Werner ! « Mühsam versuchte sie den verbundenen Arm zu heben . Nur Werners Augen redeten ; sein Mund blieb streng geschlossen , als wäre ihm bange vor jedem Wort , das ihm die Erregung des Augenblicks entreißen könnte . » Feig bin ich gewesen , immer feig , solang es um mich gegangen ist , um mein eigenes Glück . Jetzt will ich Mut haben . Denn sage mir , was du willst - dein Wort in Ehren - aber er ist dein Sohn ! Solche Ähnlichkeit bringt kein Zufall und keine Seelenharmonie . Schon das erstemal , bei der