ich mir das denke , da wird mir ordentlich leichter ums Herz . Aber ich muß dich doch fragen , hast du dir auch alles überlegt ? Von Annie will ich nicht sprechen , an der du doch hängst , sie ist ja fast wie dein eigen Kind - aber trotzdem , für Annie wird schon gesorgt werden , und die Johanna hängt ja auch an ihr . Also davon nichts . Aber bedenke , wie sich alles verändert hat , wenn du wieder zu mir willst . Ich bin nicht mehr wie damals ; ich habe jetzt eine ganz kleine Wohnung genommen , und der Portier wird sich wohl nicht sehr um dich und um mich bemühen . Und wir werden eine sehr kleine Wirtschaft haben , immer das , was wir sonst unser Donnerstag-Essen nannten , weil da rein gemacht wurde . Weißt du noch ? Und weißt du noch , wie der gute Gieshübler mal dazukam und sich zu uns setzen mußte und wie er dann sagte : So was Delikates habe er noch nie gegessen . Du wirst dich noch erinnern , er war immer so schrecklich artig , denn eigentlich war er doch der einzige Mensch in der Stadt , der von Essen was verstand . Die andern fanden alles schön . « Roswitha freute sich über jedes Wort und sah schon alles in bestem Gange , bis Effi wieder sagte : » Hast du dir das alles überlegt ? Denn du bist doch - ich muß das sagen , wiewohl es meine eigne Wirtschaft war - , du bist doch nun durch viele Jahre hin verwöhnt , und es kam nie darauf an , wir hatten es nicht nötig , sparsam zu sein ; aber jetzt muß ich sparsam sein , denn ich bin arm und habe nur , was man mir gibt , du weißt , von Hohen-Cremmen her . Meine Eltern sind sehr gut gegen mich , soweit sie ' s können , aber sie sind nicht reich . Und nun sage , was meinst du ? « » Daß ich nächsten Sonnabend mit meinem Koffer anziehe , nicht am Abend , sondern gleich am Morgen , und daß ich da bin , wenn das Einrichten losgeht . Denn ich kann doch ganz anders zufassen wie die gnädige Frau . « » Sage das nicht , Roswitha . Ich kann es auch . Wenn man muß , kann man alles . « » Und dann , gnädige Frau , Sie brauchen sich wegen meiner nicht zu fürchten , als ob ich mal denken könnte : Für Roswitha ist das nicht gut genug . Für Roswitha ist alles gut , was sie mit der gnädigen Frau teilen muß , und am liebsten , wenn es was Trauriges ist . Ja , darauf freue ich mich schon ordentlich . Dann sollen Sie mal sehen , das verstehe ich . Und wenn ich es nicht verstünde , dann wollte ich es schon lernen . Denn , gnädige Frau , das hab ich nicht vergessen , als ich da auf dem Kirchhof saß , mutterwindallein , und bei mir dachte , nun wäre es doch wohl das beste , ich läge da gleich mit in der Reihe . Wer kam da ? Wer hat mich da bei Leben erhalten ? Ach , ich habe soviel durchzumachen gehabt . Als mein Vater damals mit der glühenden Stange auf mich loskam ... « » Ich weiß schon , Roswitha ... « » Ja , das war schlimm genug . Aber als ich da auf dem Kirchhof saß , so ganz arm und verlassen , das war doch noch schlimmer . Und da kam die gnädige Frau . Und ich will nicht selig werden , wenn ich das vergesse . « Und dabei stand sie auf und ging aufs Fenster zu . » Sehen Sie , gnädige Frau , den müssen Sie doch auch noch sehen . « Und nun trat auch Effi heran . Drüben , auf der anderen Seite der Straße , saß Rollo und sah nach den Fenstern der Pension hinauf . Wenige Tage danach bezog Effi , von Roswitha unterstützt , ihre Wohnung in der Königgrätzer Straße , darin es ihr von Anfang an gefiel . Umgang fehlte freilich , aber sie hatte während ihrer Pensionstage von dem Verkehr mit Menschen so wenig Erfreuliches gehabt , daß ihr das Alleinsein nicht schwerfiel , wenigstens anfänglich nicht . Mit Roswitha ließ sich allerdings kein ästhetisches Gespräch führen , auch nicht mal sprechen über das , was in der Zeitung stand , aber wenn es einfach menschliche Dinge betraf und Effi mit einem » Ach , Roswitha , mich ängstigt es wieder ... « ihren Satz begann , dann wußte die treue Seele jedesmal gut zu antworten und hatte immer Trost und meist auch Rat . Bis Weihnachten ging es vorzüglich ; aber der Heiligabend verlief schon recht traurig , und als das neue Jahr herankam , begann Effi ganz schwermütig zu werden . Es war nicht kalt , nur grau und regnerisch , und wenn die Tage kurz waren , so waren die Abende desto länger . Was tun ? Sie las , sie stickte , sie legte Patience , sie spielte Chopin , aber diese Nocturnes waren auch nicht angetan , viel Licht in ihr Leben zu tragen , und wenn Roswitha mit dem Teebrett kam und außer dem Teezeug auch noch zwei Tellerchen mit einem Ei und einem in kleine Scheiben geschnittenen Wiener Schnitzel auf den Tisch setzte , sagte Effi , während sie das Pianino schloß : » Rücke heran , Roswitha . Leiste mir Gesellschaft . « Roswitha kam denn auch . » Ich weiß schon , die gnädige Frau haben wieder zuviel gespielt ; dann sehen Sie immer so aus und haben rote Flecke . Der Geheimrat hat es doch verboten . « » Ach , Roswitha , der Geheimrat hat leicht verbieten , und du hast es auch leicht ,