der alte Martin . » Es ist so recht und die beste Auseinandersetzung mit den Buben , nachdem sie sich einmal in meine Lebenskreise haben drängen können ! Ja , die Hochzeit , die verhexte Hochzeit ! Gleich morgen muß der Anwalt mit der Scheidungsklage für die Töchter beauftragt werden ! Diese Sache wird bald erledigt sein ! « XIX Während Martin Salander von den Zeitkrankheiten , welche zuletzt in schweren Symptomen bis an seinen häuslichen Herd drangen , in Verdruß , Sorge und Zweifel versetzt war , hatte er den Louis Wohlwend und sein Haus beinah ganz aus dem Gesicht verloren . Das rührte freilich auch daher , daß Wohlwend öfter reiste und , nachdem er die Knaben in ein erzieherisches Haus am Genfersee gebracht , in der Tat , wie er vorausgesagt , für seine Gottesstaatsidee zu wirken trachtete . Er suchte geistliche und weltliche Anführer heim und nahm an Versammlungen der verschiedensten Art teil , um der heiligen Sache Eingang zu verschaffen und dafür aufzutreten , fand aber , außer bei ein paar Perpetuum-Mobile-Erfindern und dergleichen wenig oder gar keinen Anklang . Mit vieler Mühe hatte er eine Verfassung ausgedacht , in welcher für alle Ratsversammlungen , vollziehenden Gewalten und Gerichte dem lieben Gott das Präsidium vorbehalten war und zur unmittelbaren Leitung der Geschäfte Vizepräsidenten durch die Kirchensynode gewählt wurden , die mit dem großen Landesrate zusammenfiel . Diese Synode sollte aus ebensoviel Laien als Geistlichen bestehen . In allen weltlichen und geistlichen Behörden , besonders auch in den Gerichten , wurde bei wichtigen Beschlüssen und Urteilen , wenn die Stimmen gleichstanden , dem göttlichen Präsidenten der Stichentscheid mittels des Loses anheimgestellt , das unter Innehalten einer eigenen Gebetordnung gezogen werden sollte usw. Gottes Stichentscheid erschien um so wundersamer , als Wohlwend auf Befragen erklärte , seiner weitgehenden Duldsamkeit sei es rein gleichgültig , welcher Gottesbegriff zugrunde gelegt werde , ob der persönlich überweltliche oder der allsächlich innerweltliche , der dreieinige oder der unbedingt einfachste ; ihm komme es nur auf die Idealität des Gedankens an . Diese Abenteuerlichkeit schadete ihm aber nicht einmal soviel , wie der gänzliche Mangel an wirklich religiösem Gefühl oder an Verständnis oder Bewußtsein dessen , was er sich unter dem Worte Religion dachte . So merkte denn jeder , daß Wohlwend , sobald er sein Wort von den ewigen Idealen ausgestoßen habe , auf dem Boden seines Schulsackes angelangt und dieser kleiner sei , als derjenige frisch konfirmierter Kinder . Und seine ehemalige Schulmethode , anderen erst abzufragen , was er mit Vorteil sagen könne , ließ ihn jetzt ganz im Stich , da er alt war und sich nur lächerlich machte . Dennoch ließ er das Ding nicht ruhen , tat , als ob er nichts merkte , und fuhr mit leichtem Sinne fort , jede Gelegenheit zum Entfalten des Prophetenmantels zu benutzen , ein Zeichen , daß Salander richtig gedacht und Wohlwend nur eine Spezialität besitzen wollte , um sie als Tarnkappe zu brauchen , auch eine Kurzweil zu haben , wie ehemals die Heraldik und den Krebsfang . Nun , da die gute Jahreszeit vorüber und der erste Schnee gefallen , war er mehr zu Hause . Eines Morgens befand er sich mit der Frau Alexandra allein zusammen , in seltsamer Zwiesprache begriffen , welche er auf die Privatangelegenheiten gelenkt hatte . Es handelte sich um das Verhältnis zu Martin Salander ; dasselbe war scheinbar eingeschlafen , und Wohlwend gedachte , es wieder zu beleben . Allein noch hatte er keinen Tritt in das Haus des alten Freundes getan , da er nicht dazu aufgefordert wurde , und er getraute sich nicht , ungeladen zu erscheinen ; denn er fürchtete die dortige Hausfrau wie ein Schwert . Salander aber hatte die vergangenen Monate noch weniger Lust und Mut empfunden , den Versuch zu wagen und die Familie bei sich einzuführen . Wohlwend saß an einem zierlichen , aber gebrechlichen Damenschreibtischchen , das er sich zugelegt , nur nebenbei etwa mit schriftlicher Arbeit beschäftigt . Im Mittelstücke des Aufsatzes , hinter einem Spiegeltürchen , lag in einem Tabernakel die Handschrift seines Verfassungsentwurfes . Halb gegen die Gattin gewendet , die auf dem Sofa weilte , erwiderte er auf etwas , das sie eben gesagt : » Kannst du mich denn ewig nie verstehen ? Nicht auf den alten Herrn Salander hab ich es abgesehen mit der Myrrha ! Er sieht sie gern und ist vielleicht verliebt in sie , damit will ich ihn allerdings an uns ziehen ; allein er hat einen Sohn , der heimkehrt und der Erbe des bedeutenden Handelsgeschäftes sein wird . Dieser soll die Myrrha heiraten , wenn man meine Pläne nicht verdirbt ; und dann hoff ich nicht nur , dadurch in nützliche Beziehungen zu kommen , sondern auch den sträflichen Hochmut der Madame heimzuzahlen , die uns verachtet . « Für sich murmelte er noch : » Der selbstgerechte und kluge Bruder Martin , ihr Gemahl , hat einstweilen durch die berühmten Schwiegersöhne den Lohn für jene Hochzeit erhalten , der Geldprotz ! « Indes hatte die Frau wieder zu reden begonnen , und er rief : » Was sagst du ? « » Ich sage , man kann mit meiner Schwester nicht auf die Art umgehen ! Schon durch den Spaß mit dem alten Herrn kommt sie in ein Geschwätz , und ist der Sohn da , so hat er vielleicht eine , die er weiß , oder will die Myrrha sonst nicht . Guck nur und schiel mich an , es ist so ! « Er rüttelte unwillkürlich an dem Tischchen , gegen das seine Hände sich stemmten . Aber Alexandra redete nur lauter : » Sie ist nicht die Gescheiteste und hat niemand mehr auf der Welt als mich , wie es scheint , der dafür sorgt , daß sie nicht - « Hier wurde sie von Knall und Fall unterbrochen . Louis Wohlwend hatte sich zornig erhoben , auf das Schreibtischlein gestützt , und die dünnen gewundenen Säulchen ,