und ihm zu Gefallen zu leben ; den Kindern lebe sie zuliebe , weil die von ihr abhingen , und werde ihnen keinen Stiefvater aufhalsen , der gerne aller Herrn spielen möchte - und wenn man sie darauf aufmerksam machte , daß sie doch selbst zu Julianen Stiefmutter sei , fragte sie lächelnd : » Bin ich a solche ? Verspürst du was davon ? « Worauf das Mädchen ungehalten den Kopf schüttelte . Wohl sah man zweifelnd nach dem lebensfrischen , seiner Schönheit bewußten Weibe , aber niemand in Zwischenbühel noch sonst irgendwo wußte zu sagen , daß die Sternsteinhofbäuerin je ein Ärgernis gegeben . » Ist sie eine Heimliche « - so sagten jene , die es am meisten verdroß , nichts ausspüren zu können - , » so ist sie ' s aber auch schon recht . « Dieser ihr Unabhängigkeitssinn , der schließlich dem Anwesen und dessen Erben zugute kam , ihr allerdings nicht von Eitelkeit freies Bemühen , den eigenen Jungen und die Stieftochter rechtschaffen zu erziehen , um als achtbare Mutter wohlgearteter Kinder vor den Augen der Welt dazustehen , ihre Bereitwilligkeit , Bedürftigen beizuspringen , da ihr der Anblick der Not , die sie aus eigener Erfahrung kannte , peinlich war und sie sich gerne von selbem loskaufte , ihre freilich mit etwas Prahlerei auftretende Freigebigkeit für gemeinnützige Zwecke - Straßen- und Brückenanlagen , Schulbauten und dergleichen - , aber auch nur für solche , nie für fragwürdige , das alles waren ebenso viele Steine , die sie bei den Leuten im Brette hatte , und in Zwischenbühel sowie in der Umgegend galt sie für ein » Kernweib in allen Stücken « . Über dieses » Kernweib « vergaß man die Zinshoferdirn und des Herrgottlmachers Weib , man fragte nicht darnach , was die Sternsteinhoferin gewesen , noch , was sie würde , man nahm sie , wie sie war . Sie wußte das . Wenn sonntags mit dem dritten Läuten der Wagen vom Sternsteinhofe unten an der Kirchentreppe hält , dann steigen Muckerl und Juliane die Stufen vorauf hinan - wohl ein prächtiges Paar junger Leute - , ihnen folgen Großvater und Mutter . Die Bäuerin schiebt ihren Arm leicht unter den des Bauern , es sieht nicht aus , als wolle sie den Alten stützen , sondern mehr , als ob es geschähe , gleichen Schritt mit ihm zu halten , denn er scheint Ernst machen zu wollen mit den hundert Jahren , die er zu leben sich vorgenommen . Die Ältern blicken vergnügt und stolz auf die voranschreitenden Jungen und nicken den grüßenden Leuten mit herablassender Freundlichkeit zu , und dann blinkt es in den noch immer jugendfrischen Augen der Bäuerin so selbstbewußt und überlegen : Wie ich bin - weil ich bin ! Sie war sich bewußt , daß sie etwas gelte und daß man etwas an ihr verlieren werde , und pure Eitelkeit war es , die sie vom ersten Augenblicke an , wo sich dies Bewußtsein in ihr regte , darnach trachten ließ , auch etwas » Rechtes « zu gelten und nichts zu unterlassen , was ihren Verlust zu einem augenfälligen machen konnte , und so gewann sie , die immer und allzeit nur sich allein lebte , einen größeren und wohltätigeren Einfluß auf viele als manche andere , die hingebungsvoll nur einem einzigen Wesen oder wenigen ihnen zunächst leben , oft allein durch diese Ausschließung sich gegen alle Fernstehenden bis zur Ungerechtigkeit verhärten und , nachdem sie das Beispiel einer fast selbstsüchtig erscheinenden , eng umgrenzten Pflichterfüllung der Welt gegeben , bedeutungslos für diese , vom Schauplatze abtreten . Wer hat die wackre Kleebinderin , ihren braven Sohn , den Holzschnitzer , bedauert ? Wer wird die rechtschaffene Sepherl beklagen ? Niemand . Sie taten das immer unter sich , der Überlebende den Vorangegangenen ; ein anderes aber , wenn Helene stirbt . Nicht nur ihrem eigenen Kinde wird das Herz schwer werden , auch das fremde wird ihr heiße Tränen nachweinen , die Armen in der Umgegend und alle jene , die gewohnt waren , freundnachbarlich sich Rat und Tat zu erbitten , wird der Tag bedrücken , an welchem der Tod die Bäuerin hinwegholt vom Sternsteinhofe . Der Leser hat eine Frage frei . Warum erzählt man solche Geschichten , die nur aufweisen , » wie es im Leben zugeht « ? Allerdings gibt das ein unfruchtbares Wissen , da es nichts an den Vorgängen ändern lehrt und , was es lehrt , doch nie , selbst von den Wissenden nicht , mit dem Handeln in Einklang zu bringen versucht wird ; so bleibt es denn voraussichtlich noch lange mit allem menschlichen Treiben und Trachten beim alten , und eine neue Geschichte kann nur dartun : daß , was vorging , noch vorgeht . Übrigens ist es nicht neu , von den Gefahren der Schönheit für den , der sie besitzt , wie für andere , zu erzählen , es ist nicht neu , zu erzählen , wie in manches Menschen Leben die Treue gegen das eigene Selbst mit dem Verrate an anderen verknüpft zu sein scheint , und solche alte Geschichten von erprobter Wirkung in ein neues Gewand zu stecken ist nur ein künstlerischer Behelf , und ein anderer ist es , das letztere für die handelnden Personen aus Loden zuzuschneiden ; es geschieht dies nicht in dem einfältigen Glauben , daß dadurch Bauern als Leser zu gewinnen wären , noch in der spekulativen Absicht , einer mehr und mehr in die Mode kommenden Richtung zu huldigen , sondern lediglich aus dem Grunde , weil der eingeschränkte Wirkungskreis des ländlichen Lebens die Charaktere weniger in ihrer Natürlichkeit und Ursprünglichkeit beeinflußt , die Leidenschaften , rückhaltlos sich äußernd oder in nur linkischer Verstellung , verständlicher bleiben und der Aufweis : wie Charaktere unter dem Einflusse der Geschicke werden oder verderben oder sich gegen diesen und sich und andern das Fatum setzen - klarer zu erbringen ist an einem Mechanismus , der gleichsam am