; man weiß wenig von Ahala und noch weniger von Ahaliba ; ach Gott , das liebe Vieh , das liebe Vieh ! Aber die Sonne von Krodebeck ist viele Male seit jenen Zeiten hinter den Wald hinabgesunken ; wir beschwören Geister , die nur unwillig unserm Wort Folge leisten . Jane Warwolf ist längst vor die verschlossene Tür des Siechenhauses gekommen und hat vergeblich am Fenster gepocht . Nach der alten Hanne Allmann hat Peter Quickbrey , welcher auch den Edlen von Haußenbleib in seiner Jugend kannte , in dem Siechenhause von Krodebeck gewohnt . Der ist neulich ebenfalls gestorben , er hat es in dem Siechenhause nicht so lange ausgehalten als Hanne Allmann ; wir aber haben nicht den Beruf mehr , die Geschichtsregister der traurigen Hütte weiterzuführen ; wir befinden uns mitten in der prachtvollen Stadt Wien , wo das gnädige Fräulein , wo Antonie Häußler auf ihrem Sessel in ihren Kissen sitzt und die Bekannten und Freunde ihres Großvaters lächelnd zu empfangen und heiter zu unterhalten hat und wo sie auch von Zeit zu Zeit mit Herzklopfen den Besuch des Junkers Hennig von Lauen annimmt . - Pflichtgemäß hatte Tonie dem Edlen in Verona zwischen seinen Mehlsäcken , Fässern voll eingepökelten Fleisches und Büchsen voll komprimierter Gemüse Nachricht von der Ankunft des jungen Landsmannes in Wien gegeben , und der Edle hatte fast umgehend geantwortet . Er hatte sogar sehr ausführlich geantwortet , ganz gegen seine Gewohnheit ! Denn für gewöhnlich liebte er es , sich jenes kurzen und bündigen Stiles zu bedienen , der in der Korrespondenz des ersten Napoleon vielleicht seinen vollwichtigsten Ausdruck fand . Auf dem Leipziger Schlachtfelde konnte man seine Meinung kaum lakonischer diktieren , als sie der Edle von Haußenbleib sonst aus seinen Kasematten in der berühmten Stadt des Fürsten Escalus zu wissen tat ; aber diesmal - en famille - wusch er seine schmutzige Wäsche wie das allergewöhnlichste alte Weib und füllte anderthalb Bogen mit seinen Gefühlen , Wünschen , Hoffnungen und Befürchtungen . Zu Anfang seines Briefes freute er sich vor allem ungemein , daß das Befinden seines lieben Kindes in Wien stets weniger zu wünschen übriglasse , und dankte herzlich für alle lieben Nachrichten aus der Laimgruben . Die Ankunft des jungen Herrn von Lauen in der Kaiserstadt gereichte ihm zur unendlichen Befriedigung , und er glaubte kaum fähig zu sein , schriftlich seine volle Genugtuung darüber ausdrücken zu können . Das war freilich eine Nachricht , welche das Herz höher schlagen machte ; denn was aus Krodebeck kam oder nur an Krodebeck erinnerte , war wie eine » Pièce auf dem Alphorn für einen Schweizer Kuhhirten « in der ungemütlichen Fremde - nämlich unter den Fleischtöpfen von Verona . - Der alte Herr wurde vollkommen sentimental an dieser Stelle , so sentimental , daß man es seinem Schreiben ganz und gar nicht ansah , daß er während der Abfassung desselben ein anderes Blatt daneben liegen hatte , auf welchem er , zwischen seiner Rührung durch , den Preis von fünfhundert Fässern eingepökelten Schweinefleisches zusammenrechnete und seine Prozente davon abzog . Wie Amyntas blies er auf dem Haferrohr , gerad als ob er für dies süße Getön keine Prozente erwarte und den Lohn für seine Bemühungen nur im eigenen Herzen und in den Zähren von Daphnis und Chloe , und zwar sein ganzes Leben hin durch , gefunden habe . Er hoffte , daß der junge Herr in seinem Hause wenigstens einen Hauch aus der teuern Heimat wiederfinden und davon in seinen Briefen nach der Heimat berichten werde . Er hoffte , wünschte und bat , daß das gute Tonerl nichts versäumen werde , um dem lieben Gast den Aufenthalt in der Kaiserstadt so angenehm als möglich zu machen , und er bedauerte innig , augenblicklich nicht in dieser Kaiserstadt anwesend zu sein , um dieses hohe Vergnügen mit der Enkelin wenigstens teilen zu können , hoffte jedoch , den verehrten Herrn von Lauen bei seiner Rückkehr aus Italien - die er beiläufig in nahe Aussicht stellte - noch vorzufinden , um selbst zeigen zu können , wie ein ehrlich treues Herz weder durch die Jahre noch den Wechsel des Glückes in seinen Neigungen und Empfindungen verändert werde . - In dieser Weise ungefähr füllte der Edle den Bogen aus , und konnte der Inhalt unbefangen Wort für Wort , Satz für Satz dem Gast aus dem Norden vorgelesen , ja selbst zu eigener Einsichtnahme vorgelegt werden . Was dagegen den halben Bogen betraf , so schien der Briefschreiber noch nicht das Vertrauen zu seiner Antonie zu haben , daß sie bereits das streng Geschäftliche von aller schönen Vertraulichkeit zu sondern wisse . Der zweite Teil der Epistel begann mit einem dicken schwarzen NB ! und forderte die teure Enkelin mit vollem Ernst und Nachdruck auf , wohl ihre Stellung im Leben und der Gesellschaft zu bedenken und mit möglichster Delikatesse alles zu vermeiden , was den Interessen des Edlen und damit ihren eigenen Interessen zum Schaden gereichen könne . Der würdige alte Herr hielt sich versichert , das Tonerl wisse , daß es sich in einer Situation gleich der des Hauses in der Laimgruben nicht um dumme , kindische Sensiblerien handle , sondern um sehr ernste und bis jetzt mit eiserner Konsequenz durchgeführte Zwecke und um Hoffnungen , die man nicht ein ganzes langes Leben hindurch verfolgt habe , um sie zuletzt vielleicht den lächerlichen Vorurteilen und Wallungen einer albernen , nervösen jungen Dirne aufopfern zu müssen . Es sei keine Kleinigkeit - schrieb er - , als reicher Mann zu leben und als sehr reicher Mann dereinst - wenn es nötig sein sollte - zu sterben . Nicht umsonst habe er sie - die Tonie vom Lauenhofe abgeholt und in solch ein glänzendes Dasein geführt , nachdem er sich überzeugt habe , ein glücklicher Zufall habe sie ganz seinen Ansichten gemäß erzogen . Nun solle sie und sonderbarerweise bat er das Kind jetzt » auf den Knien « - , nun solle sie ihm ; dem