Steinbruches , wo der Boden aufstieg und das Thal sich verengte , absteigen mußte , um den Rest des Weges am Ufer des Flusses fortzusetzen , ward die Gelegenheit zur Unterhaltung günstig . Man ließ die Pferde an dem Hause eines der Steinbrecher zurück , und wie man nun in dem kühlen Thale vorwärts ging , richtete der Amtmann seine Fragen auf sein Lieblingsthema , auf die Männer und die Ereignisse , von denen die Zeitungen ihrer Zeit berichtet hatten und noch berichteten . Herbert sollte ihm von den Helden der französischen Revolution erzählen , bei deren Beginn der Baumeister sich noch in Paris befunden hatte und deren wahrscheinlicher Ausgang jetzt alle Geister beschäftigte . Er sollte Mirabeau beschreiben , und schildern wie Camille Desmoulins aussehe , die er gesehen , er sollte erklären , wie ein Volksaufstand sich mache , und während der Amtmann mit leidenschaftlicher Spannung an seinen Berichten hing , erwärmte sich Herbert mehr und mehr an seinen eigenen Worten , bis beide junge Männer sich wieder einmal lebhaft für die Gleichheit der Stände , wider alle Vorrechte und wider jede Art von Vorurtheilen ausgesprochen hatten , die ihnen in ihrem Leben bereits hindernd entgegengetreten waren oder von denen sie später eine Beeinträchtigung fürchten konnten , wie verschieden ihre Berufsthätigkeiten und selbst ihr Bildungsgrad auch waren . Herbert , welcher in der Schloßgesellschaft beständige Rücksichten zu nehmen hatte , fand es angenehm , sich frei gehen lassen zu können und einen so dankbaren Zuhörer zu haben . Der Amtmann , der sich nach seinen Kenntnissen , seiner Tüchtigkeit und auch nach seiner Wohlhabenheit manchem der Edelleute überlegen wußte , die in der Nachbarschaft und zu Zeiten auch im Schlosse die großen Herren spielten , und vor denen er sich , wie gering er sie auch schätzte , zu demüthigen und zu beugen genöthigt war , fühlte sich stets gehoben in dem Verkehre und in der Unterhaltung des Architekten , welchen der Freiherr als seinen Gastfreund und Hausgenossen ehrte , während dieser sich als ein Gleicher neben den Amtmann stellte ; und da die Jugend überhaupt zu geselligem Anschließen geneigt ist , fanden die beiden sich bald in einem Zwiegespräch begriffen , das ihnen recht von Herzen kam . Man war von den Mittheilungen über Frankreich und die Revolution auf die Emigranten im Allgemeinen zu reden gekommen und dadurch auch auf die Gäste im Schlosse geführt , und der Amtmann meinte : Es muß solchen Herrschaften spanisch vorkommen , wenn für sie das Befehlen und Besitzen auch einmal ein Ende hat . Wenn man aber hört , wie sie ' s dort getrieben haben , und weiß , wie ' s auch hier herum vieler Orten zugeht , so kann man sich denken , daß sie drüben kein groß Mitleiden mit ihnen fühlen . Ich wollte nicht sehen , was hier passirte , wenn ' s auch hier einmal zum Klappen käme ! Glauben Sie denn , daß hier zu Lande das Material für eine Revolution vorhanden ist ? fragte der Baumeister . Der Amtmann besann sich , ehe er antwortete , die Vorsicht des Bauers steckte auch ihm im Blute . Es kommt darauf an , sagte er dann nach reiflichem Ueberlegen , was man Revolution nennt ! Nun ! versetzte Herbert , mich dünkt , das wäre klar . Ist man hier unzufrieden ? Hat man große Beschwerden gegen den König und sein Regiment ? Gegen den König und sein Regiment ? wiederholte der Amtmann , das könnte ich nicht sagen . An den König denken sie hier nicht viel , d.h. sie denken an ihn nur , wie an den lieben Herrgott , der ebenfalls weit weg ist und von dem sie auch nicht wissen , ob er sie hört oder nicht hört . Die Leute hier sehen nicht über die Feldmark hinaus . Jeder hat hier sein Theil Plage für sich und steht also meist auch nur für sich . Er hat ' s mit mir zu thun , der ich hier befehle , und mit der Herrschaft , für die ich befehle . Was er zu fürchten und zu hoffen hat , seine Anhänglichkeit und seine Aufsässigkeit , das liegt Alles hier , Alles dicht neben einander wie sein Haus und sein Grab . Darüber hinaus hat er sich sonst nicht leicht um etwas gekümmert , und wenn ' s ihm nicht allzu schlecht gegangen ist , ist er zufrieden gewesen . Und jetzt ! ist ' s jetzt anders ? Der Amtmann besann sich wieder eine Weile , dann sagte er sehr bestimmt : Ja ! anders als vor fünf und vor zehn Jahren , als zu den Zeiten , da ich von der Schule und von der Universität kam , denn mein Vater hat mich anderthalb Jahre auf die Universität geschickt , schaltete er mit Selbstgefühl in seine Rede ein , anders ist ' s jetzt hier allerdings . Es ist , als ob ' s in der Luft läge . Sie pariren nicht wie sonst , sie raisonniren viel . Aber worüber ? Ueber Alles ! Also zum Beispiel ? fragte Herbert . Ueber die Frohnen , über die Hand- und Spanndienste , über Alles ! Und wie das geht , da sie immer zusammenstecken , hetzt Einer den Andern auf , und was der Eine nicht ausheckt , das klaubt der Andere hervor . Man wird bald Noth haben , sie zur Arbeit zu bekommen , denn um Ausreden sind sie ohnehin niemals verlegen . So etwas pflegte aber doch überall einen Ausgangspunkt zu haben , oder es pflegte irgend Jemand da zu sein , der den Anführer macht . Ist vielleicht ein bestimmter Anlaß zu der Unzufriedenheit gegeben worden , ist irgend Einem ein besonderes Unrecht zugefügt ? Sie gingen , als Herbert diese Frage that , über die lange und schmale , aus Knüppeln und Rasen gemachte Brücke , welche hier den Fluß überspannend auf die Seite desselben leitete , auf welcher der jetzt bearbeitete Steinbruch lag