bestanden nur mehr die Verkleidungen von zwei Fensterpfeilern ; aber sie waren vollkommen ganz . Halberhabne Gestalten von Engeln und Knaben , mit Laubwerk umgeben , standen auf einem Sockel und trugen zarte Simse . Der Besitzer des Häuschens hatte die zwei Verkleidungen in seiner Prunkstube so aufgestellt , daß sie mit der unverzierten Höhlung gegen die Stube schauten . In diese Höhlung hatte er geschnitzte und bemalte Heiligenbilder aus neuerer Zeit gestellt . Vermutlich war das Werk einmal in dem steinernen Hause gewesen , und war dort weggekommen , da etwa Nachfolger Veränderungen machten und Gegenstände verschleuderten . Der Besitzer des Wiesenhauses sagte uns , daß sein Großvater die Dinge in einer Versteigerung der Hagermühle gekauft habe , die wegen Verschwendung des Müllers war eingeleitet worden . Meine Nachfragen um die Ergänzungen zu diesen Verkleidungen waren vergeblich , und durch Vermittlung Kaspars erkaufte ich von dem Besitzer die übergebliebenen Reste . Ich ließ Kisten machen , legte die gefugten Teile auseinander , packte sie selber ein , und sendete sie unterdessen in das Ahornhaus zu meinen anderen Dingen . Ich blieb wirklich in jenem Herbste sehr lange im Gebirge . Es lag nicht nur der Schnee schon auf den Bergen , sondern er deckte auch bereits das ganze Land , und man fuhr schon in Schlitten statt in Wägen , als ich von dem Ahornhause Abschied nahm . Ich hatte alle meine Sachen gepackt , und hatte sie voraus gesendet , weil ich im künftigen Jahre nicht mehr in diesem freundlichen Hause , sondern irgend wo anders meinen Aufenthalt würde aufschlagen müssen . Ich sagte allen meinen Leuten Lebewohl , und ging auf der glattgefrorenen Bahn neben dem rauschenden Flusse , der schon Stücke Ufereis ansetzte , in die ebneren Länder hinaus . Mein Weg führte mich in seinem Verlaufe auf Anhöhen dahin , von welchen ich im Norden die Gegend des Rosenhauses und im Süden die des Sternenhofes erblicken konnte . In dem weißen Gewande , welches sich über die Gefilde breitete , und welches von den dunkeln Bändern der Wälder geschnitten war , konnte ich kaum die Hügelgestaltungen erkennen , innerhalb welcher das Haus meines Freundes liegen mußte , noch weniger konnte ich die Umgebungen des Sternenhofes unterscheiden , da ich nie im Winter in dieser Gegend gewesen war . Das aber wußte ich mit Gewißheit , in welcher Richtung das Haus liegen müsse , an dem im vergangenen Sommer so viele Rosen geblüht haben , und in welcher das Schloß , hinter dem die alten Linden standen und die Quelle floß , an der die weibliche Gestalt aus weißem Marmor Wache hielt . Die wohltuenden Fäden , die mich nach beiden Richtungen zogen , wurden von dem stärkeren Bande aufgehoben , das mich zu den lieben , teuren Meinigen führte . Als ich das flache Land erreicht hatte und an dem Orte eingetroffen war , in welchem mich meine Kisten erwarten sollten , übergab ich dieselben , die ich unverletzt vorfand , meinem Frächter zur Beförderung an den Strom und empfahl sie ihm , besonders die mit den Altertümern , auf das angelegentlichste . Am anderen Tage reiste ich in einem Wagen nach . Am Strome ließ ich die Kisten sorgfältig in ein Schiff bringen , und fuhr am nächsten Morgen mit dem nämlichen Schiffe meiner Vaterstadt zu . Ich langte glücklich dort an , ließ meine Habseligkeiten in unser Haus schaffen , packte zuerst die Kiste mit den Altertümern aus , und war beruhigt , als die Holzschnitzereien unversehrt daraus hervor gingen . Die Freude meines Vaters war außerordentlich , die Mutter freute sich des Vaters willen , und die Schwester , deren glänzende Augen bald auf mich , bald auf den Vater schauten , zeigte , daß sie mit mir zufrieden sei . Dieses ließ mir manches vergessen , das beinahe wie eine Sorge in meinem Herzen war . Ich befand mich wieder bei meinen Angehörigen , die mit allen Kräften ihrer Seele an meinem Wohle Anteil nahmen , und dies erfüllte mich mit Ruhe und einer süßen Empfindung , die mir in der letzten Zeit beinahe fremd geworden war . Ich sah am anderen Tage , als ich in das Speisezimmer ging , den Vater , wie er vor den Verkleidungen stand und sie betrachtete . Bald neigte er sich näher zu ihnen , bald kniete er nieder und befühlte manches mit der Hand , oder untersuchte es genauer mit den Augen . Mir klopfte das Hetz vor Freude , und die weißen Haare , welche unter den dunkeln immer häufiger auf seinem Haupte zum Vorschein kamen , erschienen mir doppelt ehrwürdig , und die leichte Falte der Sorge auf seiner Stirne , die in der Arbeit für uns auf diesem Sitze seiner Gedanken entstanden war , während ich meiner Freude nachgehen und die Welt und die Menschen genießen konnte , und während meine Schwester wie eine prachtvolle Rose erblühen durfte , erfüllte mich beinahe mit einer Andacht . Die Mutter kam dazu , er zeigte ihr manches , er erklärte ihr die Stellungen der Gestalten , die Führung und die Schwingung der Stengel und der Blätter und die Einteilung des Ganzen . Die Mutter verstand diese Dinge durch die langjährige Übung viel besser als ich , und ich sah jetzt , daß ich dem Vater etwas weit Schöneres gebracht habe , als ich wußte . Ich nahm mir vor , im nächsten Frühlinge viel genauer nach den zu diesen Verkleidungen noch gehörenden Teilen zu forschen ; ich hatte früher nur im allgemeinen gefragt , jetzt wollte ich aber auf das sorgfältigste in der ganzen Gegend suchen . Nachdem wir noch eine Weile über das Werk geredet hatten , führte mich die Mutter durch alle meine Zimmer und zeigte mir , was man während meiner Abwesenheit getan habe , um mir den Winteraufenthalt recht angenehm zu machen . Die Schwester kam dazu , und da die Mutter fortgegangen war , schlang sie beide Arme um meinen Hals , küßte mich , und sagte