Sohn rücklings in die beladenen Arme taumelte . In diesem Augenblick erhob sich ein Angstgeschrei . Das vordere Pferd am herzoglichen Wagen , durch die neugierig umherwogende Menge oder vielleicht durch irgendeine mutwillige Untat der lieben Jugend scheu gemacht , bäumte sich so unversehens und heftig , daß der Jagdpostillon die Meisterschaft zu verlieren in Gefahr war und die andern Pferde gleichfalls unruhig wurden . Das Geschrei der Menschen , besonders aus den hintern Kaleschen , steigerte die Verwirrung der Tiere , der Postillon schwankte im Sattel , die umstehenden Männer , die zufällig keine Helden waren , wichen zurück und versperrten kräftigeren Händen den Platz , so daß nachgerade die Sicherheit des Herzogs an einem Haare hing . Da ließ Friedrich seine Flaschen fallen , daß sie klirrend am Boden zerbrachen , mit einem Sprung hatte er sich des ungebärdigen Rosses bemächtigt , das ihn auf und nieder schleuderte , endlich aber seiner markigen Hand sich fügen mußte . Als der stärkste Widerstand des Tieres gebrochen war , sprang noch ein Knecht herbei , der es vollends bändigen half , und nun kam alles , was Hände hatte , um die überwundene Gefahr noch einmal zu überwinden . Der Herzog , ärgerlich , daß seine Allgewalt vor den Augen der Sterblichen einen kleinen Eintrag erlitten hatte , rief : » Hat nichts zu sagen ! Vorwärts ! Keine Umstände weiter ! « nickte aber im Fortfahren dem jungen Menschen , der ihm diesen Dienst erwiesen , gnädig zu , griff dabei in die Westentasche und warf ihm ein Goldstück hin , während der vordere Postillon , seine wiedergewonnene Haltung mit verbissenem Grimm behauptend , die Peitsche gegen die herzudrängende Menge aufhob und der Jagdzug in donnerndem Laufe davonbrauste . Ein Gelächter folgte den unglücklichen Hofherren , die über dem Abenteuer ihres Gebieters nichts zu trinken bekommen hatten und sich ohne Zögern anschließen mußten , um ihren Durst im Schatten der Wälder oder vielleicht im Blute des Ebers zu kühlen . Noch einen Augenblick , und die ganze stolze Erscheinung war verschwunden , und die Straße mit den städtisch großen , aber einförmig grauen Gebäuden sah wieder so werktäglich aus , als ob sich gar nichts zugetragen hätte . Friedrich war sogleich in das Haus zurückgekehrt , während sein Vater noch im Vollgenuß der gehabten Ehre mit den Nachbarn sprach , wobei er nicht unterließ , sie darauf aufmerksam zu machen , daß der Flecken früher eine Post gehabt habe , von welcher er behauptete , daß sie mit der Sonne verbunden gewesen sei . » Wo hast dein ' Goldvogel ? « fragte er seinen Sohn vergnügt , als er mit dem Knechte heraufkam , um zu Mittag zu essen . » Der Johann sagt , es sei ein Goldstück gewesen , was dir der Herzog zugeworfen hab . « » Ich hab ' s nicht aufgehoben « , antwortete Friedrich . » Was ? Bist von Sinnen ? « schrie der Sonnenwirt . » Ich hab eine Menschen- und Christenpflicht getan « , sagte Friedrich , » und dafür laß ich mich nicht mit Geld auszahlen . Zudem weiß man wohl , für was der Herzog die Dukaten in der Westentasch trägt - fürs Weibervolk . Das ist kein Geld für mich . « » Hast ' s so übrig ? « fragte der Vater , indem er den Löffel niederlegte , den er mit dem besten Appetit zu handhaben begonnen hatte . Das Essen wollte ihm nicht mehr recht schmecken . » Du bist mir der Recht zum Obenaussein « , setzte er hinzu . » Dann hätt das Geld wenigstens mir gehört « , maulte der Knecht , » denn ohne mein ' Beistand kann man nicht wissen , wie das Ding ausgegangen wär . « » Warum hast ' s nicht genommen ? « sagte Friedrich . » Ich hätt ' s dir nicht mißgönnt . « » Such , Johann , such ! « rief der Sonnenwirt . Aber der Knecht war schon aufgesprungen , und man hörte ihn die Treppe hinunterpoltern . Nach einer guten Weile kam er finster zurück und sagte : » Ich hätt mir ' s schon denken können , daß so was nicht lang liegenbleibt . Wer ' s aber genommen hat , ist ein Dieb . Der soll mir kommen . Ich werd ' s schon rausbringen , wer den gelben Vogel im Käfig hat . Der Fischerhanne , der ist , glaub ich , am nächsten dabei gestanden . Dem wassergrünen Spitzbuben werd ich aufpassen . « » Schäm dich , Johann « , sagte Friedrich , » daß du dein ' Nebenmenschen schlecht machst , eh du weißt , ob er ' s ist . Der Fischerhanne ist nicht mein Freund und wird ' s auch nicht werden , aber ich tät mich doch zweimal besinnen , eh ich ihn einen Dieb hieß ohne allen Grund und Beweis . Und dir hat er nie was zuleid getan . Esel , warum hast du das Geld nicht gleich aufgehoben ? « Der Knecht sah ihn giftig an und murmelte halblaute Flüche in seine Suppe hinein . » Das Aufheben wär an dir gewesen , du hochmütiger Herr « , sagte der Sonnenwirt zu seinem Sohne . » Du nimmst , wo du nichts anrühren sollt ' st , und läßt liegen , was dein ist . « Friedrich schwieg . Er hatte einem Advokaten in Göppingen geschrieben , ob er sich nicht seiner annehmen und seine Sache gegen seinen Vater führen wolle . Inzwischen gedachte er jeden unnützen Streit mit diesem zu vermeiden und sich , solange er ihm sein mütterliches Erbe nicht herausgab , als Kind von ihm ernähren zu lassen , was er ihm durch seine Dienste hinlänglich zu vergelten glaubte ; denn wenn er auch mitunter , von Zorn und Überdruß ergriffen , in seiner Arbeit nachließ , so meinte er sich doch das Zeugnis geben zu dürfen , daß sein Vater mit Unrecht