« Da sah die Edelfrau , die Hände im Schooße faltend , ihn groß an : » Gnädiger Herr , spottet unser nicht . Ihr wißt am besten , wo er ist . Seit vier Tagen ist er nicht in sein Haus kommen , « und sie hielt den Arm vor die Augen . » So hat der da mich doch nicht belogen , « sagte der Fürst , auf Hans Jürgen blickend . Hans Jürgen stand aufrecht mit einer Miene , die man wieder verdrossen nennen mochte . Der Frau von Bredow dämmerte eine Ueberzeugung . Des Fürsten Angesicht bringt Gnade . Wen er richten will , schickt er seine Schergen , sie klopfen mit geharnischter Faust an ' s Thor ; er tritt nicht selbst über die Schwelle des Verurtheilten ! Ihre Kniee wankten auf ' s Neue zu einem Fußfall ; Joachim kam dem zuvor : » So hab ' ich meine Boten übereilt mit ihrer guten Kunde ; doch davon nichts mehr , das sind vergessene Dinge , die ganz vergessen und vergeben zu machen meine Sorge sein laßt . « » Götz ist unschuldig ! « jauchzte es auf . » Ich sagt ' es gleich . « » Und ein Ehrenmann ! Frei seit drei Tagen , die Schuldigen sind gestraft . « Frei ! jubelte ihr Herz . Sie wollte auf den Fürsten zustürzen , seinen Arm ergreifen , seine Hand an ihre Lippen drücken , sie wollte reden , sie wollte niederstürzen . Das Herz rührte sich ihr im Leibe , aber sie fühlte , es passe alles nicht . Aber da standen die Mägde , die ungeschliffenen Mägde , mit ihren Eimern , ihren Besen , mit offenen Mäulern , und gafften den Fürsten an , wie ein großes Thier . Und viel fehlte nicht , so hätten sie auch ihn vorhin mit den Eimern begossen . Wer hätte das gut gemacht ! Die Burg hätte ja müssen geschleift werden , in Grund und Boden ! Da stand Hans Jürgen auch wie ein Kegel und rührte sich nicht . Nun wußte sie , was zu thun . Sie riß ihn vor : » Das ist Dein gnädiger Kurfürst . Auf die Knie , und dank ihm , wie Deine Schuldigkeit , daß er - « Sie wußte doch eigentlich nicht , was er danken sollte . » Ich knie vor keinem Menschen nicht , « sprach Hans Jürgen und blieb aufrecht stehen . » Der wird nicht niederfallen , « sagte der Fürst , » dafür steh ich Euch . Gehört der trotzige Gesell zu Euch ? « Nun hatte er ' s doch gehört ! Die Edelfrau sah auf den Junker , wie etwa ein Tausendkünstler ängstlich auf ein Haus oder einen Thurm , das er auf der Schaubühne aufgerichtet hat , und auf sein Commandowort soll es zusammenstürzen . Hans Jürgen stand wirklich nicht mehr ganz sicher , und es hätte nur eines leisen Druckes bedurft , so wäre er niedergestürzt . Aber die Edelfrau verdarb es . » Gnädigster Herr , rechnet uns das nicht an , wir haben Leides genug in unserer Familie . Er gehört nicht zu uns ; unsers Vetters Kind ist er , eine Waise , aber Gott allein weiß , warum das . Von mir hat er ' s nicht , und von meinem Gottfried auch nicht . Wir hatten einen besseren , aber dem ist das Bein gebrochen . Der würde gleich knieen . Dieser ist auch ein guter Junge , aber macht uns viel Herzeleid ; seine Dummheit und sein Trotz bringt uns in ' s Verderben . « Da trat plötzlich Hans Jürgen einen Schritt vor und sah dem Kurfürsten recht dreist und dumm , aber grad in ' s Gesicht . » Herr Kurfürst , daß mir ' s Gott verzeih , ich kann ' s nicht . Aber wenn ich meine Blutsfreunde in ' s Verderben bringe , dann will ich ' s doch . Warum soll ich denn niederknien ? Wer was übertreten hat , der soll ' s , wer was bitten thut , der mag ' s. Ich hab ' nichts übertreten , ich mag nichts bitten . Herr Götze , mein Ohm hat nichts Böses gethan , die Base hat auch nichts gethan ; hier hat Keiner was gethan . Ihr seid ein großer Herr , Ihr seid der Kurfürst , was ich denke , das hab ' ich draußen gesagt , wo ich noch nicht wußte , wer Ihr wart , und Ihr habt ' s gehört , wo Ihr noch nicht wußtet , wer ich war . War das nicht recht , nu da hab ' ich ' s gethan . Es thut mir gar nicht leid , denn was mir im Herzen saß , mußte raus . Ihr seid Herr im Land , und könnt befehlen , wir müssen gehorchen . Wenn Ihr befehlt : knie nieder , so thu ich ' s darum ; aber von freien Stücken , Gott straf mich , ich thu ' s nicht , und nun erst gar nicht . « Nun mußte er ihn doch auf der Stelle nach Spandow schicken und hängen lassen ! - Gegen das erstere hätte sie vielleicht nicht viel einzuwenden gehabt . Aber Joachim faßte ihn leicht beim Arm , und schob ihn bei Seite , aus der Wasserpfütze , darin er mit den Füßen , da er nicht ruhig stand , spritzte und umher näßte . » Ein ungeschickter Bub ist ' s , das sehe ich nun , Frau von Bredow , und hier ein ungebetener Gast , gleich mir . Wir stören die Ordnung . Darum muß man uns die Thür weisen , und da unsre Wirthin zu freundlich ist , will ich ihr Amt verwalten . « Damit führte er den Hans Jürgen freundlich zur Thür hinaus . Was weiter an dem Tag in der Burg Hohen-Ziatz vorgefallen , das kann noch ein Anderer beschreiben