, was mein Herz mich heißt ! - Was Sie gefehlt gegen die Sitte , wie gering erscheint es mir in dieser Stunde gegen das Unrecht , das ich begehe ! Dir wird vergeben werden , Du darfst Dir vergeben , denn Du hast geliebt , während ich - Sie ruhten Herz an Herz in tiefer Stille . Plötzlich hörte man Schritte . Sophie riß sich los , preßte einen leidenschaftlichen Kuß auf Theresens Stirne und sagte : Gott segne Sie ! Gott lohne es Ihnen , machen Sie Alfred glücklich ! - Damit ging sie schnell davon . XXII Julian ' s Genesung schritt sicher , aber nur sehr langsam fort und mit der Beruhigung über seinen Zustand kehrten Theresen ' s Gedanken , nach Sophien ' s Entfernung , doppelt lebhaft zu ihren eignen Verhältnissen zurück . Sie mußte sich gestehen , daß die Gewalt der Liebe , die sie zu Alfred zog , stärker war , als ihre festesten Entschlüsse . Jeder unbewachte Augenblick führte sie zu ihm zurück und oft schien es ihr , als läge in dieser mächtigen Liebe , wie Sophie es genannt hatte , ihre Rechtfertigung . Sie kam sich klein und zaghaft neben Sophien vor , und schalt dann ihre Liebe ohnmächtig und schwach , vor deren Größe sie wenig Augenblicke vorher sich erschrocken abgewendet hatte . Sie wünschte Alfred zu sehen und fürchtete sich davor , denn sie war nicht mehr sicher , ihm gegenüber die Ruhe zu bewahren , die sie für Pflicht hielt . Ein Zustand angstvoller Verwirrung kam über sie . Sophien ' s rückhaltlose Liebe , die alle Schranken niederwarf , allen bürgerlichen Gesetzen Hohn sprach , um den Geliebten zu beglücken und glücklich zu werden durch ihn , dünkte sie der Beweis einer Seelenstärke , um die sie die Künstlerin beneidete ; und dennoch stand Sophie als warnendes Beispiel vor ihr und die Stimme der Wahrheit in der eigenen Seele , die Stimme des Rechtes verwarfen jene Handlungsweise und hießen sie ausharren und dulden . Aus diesem Schwanken rang sich der Gedanke in ihr empor , Alfred zu fliehen . Sie wollte fort , sobald Julian genesen sein würde . Sie fühlte , dies sei der einzige Ausweg aus diesem Labyrinthe , und sie wollte ihn wählen . Aber während sie an Trennung dachte , schienen ihr die Stunden zu Tagen , die Tage zu Jahren zu werden , denn Alfred ließ sich nicht mehr sehen . Bald fürchtete sie seine Achtung eingebüßt zu haben durch die Schwäche , mit der sie sich neulich seiner stürmischen Zärtlichkeit überlassen , bald wähnte sie , Alfred meide sie und zweifle an ihrer Liebe , weil sie sich bis jetzt geweigert hatte , seinen Wünschen nachzugeben . Sie schrieb dem Geliebten und zerriß das eben Vollendete wieder , ihre Zweifel erreichten den Gipfel der angstvollen Unsicherheit . So schwanden ihr drei lange Tage hin , ohne daß sie Alfred sah . Am Morgen des vierten Tages brachte man ihr einen Brief von ihm , der also lautete : » Meine Therese ! Wenn dieses Blatt in Deine Hände kommt , ist unser Schicksal entschieden , ich bin frei und Du wirst mein . - Du wirst mein ! fühlst Du die Seligkeit dieses Gedankens ? Erschrick nicht davor , es mußte so kommen und ich empfinde seit lange die ersten Stunden wahren Friedens , des Friedens mit mir selbst , der aus der Ueberzeugung entspringt , das einzig Richtige , das einzig Rechte gethan zu haben . Denkst Du des Tages , an dem wir über die Wahlverwandtschaften sprachen ? des Tadels , den ich auf Charlotte warf , weil sie nicht den Muth gehabt hatte , Bande zu lösen , die zu schmachvollen Fesseln geworden waren ? In solchen Banden lagen wir , und auch wir konnten zögern uns würdig zu befreien , auch wir standen am Rande des Verderbens . Um Dir genugzuthun , um Das zu erfüllen , was ich in thörichter Verblendung für Pflicht hielt , strebte ich eine Verbindung aufrecht zu erhalten , die nie hätte geschlossen werden sollen , die innerlich unsittlich geworden war , weil ihr die Liebe fehlte und das Vertrauen aus ihr entwichen war . Wir tragen Beide an der Schuld , Caroline und ich , wir sind Beide unglücklich geworden , haben viel gelitten . Ich klage sie nicht an , ich spreche mich nicht frei . Ueble Einflüsse mancher Art und menschliche Irrthümer haben uns in diese Verwirrung gestürzt , aus der wir uns nur gewaltsam befreien können . Versöhnung , Friede und Ruhe ist zwischen uns unmöglich geworden . Ich war auf Dein Verlangen , auf Carolinen ' s Wunsch noch einmal zu ihr zurückgekehrt ; aber Mißtrauen und Eifersucht , Lüge und Haß wuchsen zwischen uns auf wie rankende Giftpflanzen ; sie umschlangen Felix und drückten auch ihn nieder . Jeder freie Aufschwung des Geistes ward mir unmöglich , so bleiern schwer lag das Leben auf mir . Ich hatte mich selbst verloren . In Carolinen ' s Armen rief mein Herz Deinen Namen und schaudernd stieß ich sie von mir , wenn sie sich zu mir neigte . Ich haßte Caroline , weil sie störend zwischen uns stand , ich konnte einen Augenblick mit Hoffnung daran denken , durch den Tod meines Sohnes frei zu werden von einer Knechtschaft , die ich um seinetwillen erduldete . Dahin brachte mich das starre Halten an Dem , was ich für Pflicht hielt und was Sünde war ; Sünde , Schande und Ehebruch unter dem scheinheiligen Deckmantel der Pflichterfüllung . Ich ehre die Ehe in ihrer Reinheit , als die schönste Verbindung des Mannes und des Weibes . Weil ich das thue , löse ich meine Ehe mit Caroline auf , die eine Lüge ist und die uns herabzieht zu sittlichem Verderben , Dich , mich und sie . - Die erste Pflicht des Menschen ist , sich in Frieden zu erhalten mit der Stimme der Wahrheit in