. « » Madame , « erwiederte der König , » der Marschall von Crecy gehört zu den Männern , die selbst , wenn sie aufhören persönlich zu repräsentiren , ein Eigenthum des Vaterlandes bleiben - deren Einfluß so unvergeßlich ist , als ihr Name ! Müssen wir den Marschall entbehren , so wissen wir ihm Dank , Madame , uns durch Ihre Gegenwart entschädigt zu haben . « » Junger Mann , « sprach er dann zu Leonin mit wohlwollendem Tone , » wir freuen uns , den besten Namen unseres Frankreichs fortblühen zu sehen - es ist ein Name , der Sie auszeichnet , es ist zugleich ein Name , den Sie zu fürchten haben , da ein Anspruch jeglicher Tugend mit ihm verknüpft ist , der ein ernster , Viel fordernder Aufruf an Sie selbst wird . « » Sire , der Wille ist Alles , was ich Euer Majestät zu Füßen legen kann , « erwiederte Leonin mit glühendem Antlitz ; » aber er ist , auf Frankreichs Boden von seinen Wundern erzeugt , ein Ausfluß dieser Segnungen , der ihn zu Thaten ausprägen wird ! « Der König streifte mit einem wohlwollenden Lächeln den jugendlichen Anlauf dieser Rede und wendete sich zum Marquis Fenelon , der in devoter Erwartung neben dem jungen Geistlichen stand , den Leonin mit so vielem Gefühle gegen Madame de la Fajette sich hatte äußern hören . Diesen jungen Mann unterwarf der König der aufmerksamsten Prüfung ; und da er ihn unverändert bescheiden , ohne alle Bestrebung , ohne alle Erwartung verharren sah , schien er sichtlich von seiner Erscheinung überrascht . » In Wahrheit , mein lieber General , « sprach er zu dem Marquis Fenelon , » Sie haben in Ihrem dreiundzwanzigjährigen Neffen einen Philosophen erzogen , der das graue Haupt der Weisheit beschämt . Es thut mir leid zu hören , daß Sie die glänzenden Erfolge unterbrechen wollen , die seine Kanzelreden sich mit Recht erworben . - Ich habe selbst mit Vergnügen seine Rede : Ueber die Wahrheit gegen sich selbst , gehört . Ein wichtiges , unendlich wichtiges Thema , dem wir nicht genug Aufmerksamkeit schenken können ! - Und Sie , Abbé Fenelon , bedauern Sie es nicht , einen Schauplatz zu verlassen , der Ihnen so bedeutende Erfolge gab ? « » Mein Oheim , « erwiederte der junge Abbé - der später so berühmte Verfasser des Telemach - » hat sich mehr meinen Wünschen gefügt ! Es schien mir schwer , der Aufregung zu widerstehen , in welche dieses öffentliche Auftreten mich versetzen konnte . Der Weg , der mir vorliegt , ist noch so weit , ich habe noch keine geistlichen Pflichten zu erfüllen gehabt ; - diese Kanzelreden waren noch nicht gerechtfertigt durch eigne Erfahrungen ; - sie mußten mich zum Heuchler machen - zu einem blos leeren Verbrauche des schon Vorhandenen führen - von dem Wege eigner Forschung mich ablenken . « » Den Karakter fremder , bloß angenommener Ueberzeugungen trugen Ihre Reden nicht , « fuhr der König ernst fort ; » ein Geist der Inspiration belebte sie , der oft die Erfahrung überbietet und einer inneren Wahrheit , selbst bei Ihrer Jugend , nicht zu entbehren braucht . « » Dies dürfte ich mir auch bis jetzt noch zugestehen , « erwiederte ruhig der junge Fenelon . » Der Augenblick , der uns zuerst vor versammelten Christen von den göttlichen Dingen reden läßt , deren Erkenntniß wir unser Leben weihten , ist gewiß von einem Hervortreten aller Kräfte begleitet . Solche Augenblicke überflügeln unsere Fähigkeiten , sie verrathen uns und Andern vielleicht , was erst die Zeit aus uns machen wird . Aber ihr wirklich vorgreifen durch den frühzeitigen Verbrauch dieser Stimmung , ihre Dauer damit verlangen , würde uns in äußerliche Bestrebungen ziehen , die gerade von der Entwicklung unseres Innern ablenken müßten , von der wir doch allein die fortdauernden Gefühle frommer Begeisterung hoffen dürfen . « Der König betrachtete ihn mit einem Ausdrucke von Achtung , den nur Fenelon übersah , da er ihn nicht veranlaßt glaubte durch jene ruhige Erklärung , die ihm die eigenen Gedanken ganz erfüllte . » Gehen Sie denn Ihren Weg , Herr von Fenelon , « sprach Ludwig mit Wärme - » Ihr König wird Sie mit seinem Antheile begleiten und , so bald Sie selbst sich reif erklären wollen , den Platz zu finden wissen , welcher Ihnen den würdigen Wirkungskreis sichert , der einer solchen Entwicklung zusagend ist . « Eben wollte der König sich wegwenden , da ging der Marquis Fenelon den Monarchen an und bat ihn für seinen Neffen um die Erlaubniß , in den geistlichen Orden von St. Sulpice in Paris treten zu dürfen , um unter der Leitung des Subpriors Tronçon das Stadtviertel dieses Namens bedienen zu können . » Erstaunenswürdig ! « rief der König - » der beschwerlichste Dienst von ganz Paris ! - Herr von Fenelon , Sie haben meine Einwilligung nur unter der Bedingung , daß Sie Versailles von Zeit zu Zeit zu Ihrem Kirchsprengel zählen . « Jetzt überzog wirklich ein freudiger Ausdruck das Antlitz des jungen Fenelon . Der König hatte ihn dem unscheinbarsten , mühevollsten Dienste gewidmet ; - und als alle Hofleute ihm Glück wünschten , damit die Entrées in Versailles nicht verloren zu haben , zeigte es sich , daß der junge Fenelon diesen Nachsatz überhört hatte , und ihn jetzt erst und ohne alle Exklamationen erfuhr . Man bewunderte ihn laut - aber mit der Ueberzeugung , entweder einen Thoren oder einen vollendeten Heuchler vor sich zu sehen . Auf Leonin machte dagegen der junge Mann einen Eindruck , der dem Vorwurfe glich . Diese Ruhe , diese Haltung bei den sichtlichsten Zeichen der Gunst , bei dem Bewußtsein , selbst dem Könige Bewunderung und Erstaunen eingeflößt zu haben , griff an sein unruhig klopfendes Herz . Er sagte sich , wie er , durch den bloßen Anblick dieses Hofes aus sich selbst