ohne meine Freunde zu beleidigen , denn so etwas paßt nicht in meinen Kram . Der Tanz kann eben so gut heute als morgen los gehen , alle Verschworene sind auf ' s Äußerste vorbereitet , und ohne etwas Unruhe , vielleicht etwas Brand und Blutvergießen , wird es schwerlich abgehen . Glaubt Ihr , daß es sehr gefährlich damit wird ? Ein Engländer , meine ich , hätte weniger zu riskiren als ein Anderer , man nimmt doch immer einige Rücksicht . Nun ich hier einmal eingewohnt bin , möchte ich nicht gern sobald fort . Doch freilich , wenn Gut und Leben gefährdet sind : - setzte er bedenklich seufzend und die Achseln zuckend hinzu . Ja ! man kann das so eigentlich nicht vorher wissen - an Eurer Stelle - wenn es wirklich ist , wie Ihr saget , und Ihr Euch nicht irrt - die Schifffahrt ist jetzt gefahrlos und offen , das Sicherste wäre immer sich bei Zeiten aus dem Wege machen : stotterte Richard und wußte selbst nicht , was er sprach . Das Alles wäre schon ganz recht , aber es ist dabei doch noch manches Andre zu bedenken , erwiederte Mitchell . Ich habe hier gute Geschäfte gemacht , und die Aussicht auf noch bessere gewonnen , das kann ich Euch , der Ihr dabei gar nicht betheiligt seid , wohl gestehen . Mein edler ehrenwerther Beschützer , Fürst Andreas , ist ein sehr weiser unternehmender Herr , er hat große ausgebreitete Pläne gefaßt für Unternehmungen , die er unter meiner Leitung auf seinen Herrschaften ausführen lassen will . Ihr begreift , dabei läßt sich etwas gewinnen , das man nicht gern aufgiebt . Die Revolution ist ein Sturm , der schnell vorübersaust , den könnte man wohl im sichern Verstecke abwarten , und es kann obendrein kaum fehlen , daß nicht bei dergleichen manches abfiele , was des Aufnehmens werth wäre . Ein recht Gescheiter kommt in unruhiger Zeit nicht leicht zu kurz , wenn er Gelegenheiten wahrzunehmen weiß . Genug , mit der Revolution allein möchte ich es schon wagen - aber , aber ! es ist noch etwas dabei , eine ganz verteufelte Geschichte : setzte er seufzend hinzu , heftete den starren Blick auf den Boden , ließ den Kopf bis auf die Brust hängen , die gefalteten Hände sanken ihm in den Schoos und beide Daumen fingen an , sich in blitzschneller Geschwindigkeit um einander zu drehen . Nun ? fragte Richard , in ängstlicher Spannung . Bürgerkrieg ! erscholl es wie ein Orakelspruch aus Mitchells tiefster Brust : Bürgerkrieg ! da geht alles drunter und drüber ; und das währt jahrelang , wie wir der Beispiele genug davon haben . Der Fremde mit seinem Eigenthume fällt zwischen beide Parteien , wie zwischen die beiden Klingen einer Scheere , und wird von beiden als gute Beute behandelt . Bürgerkrieg ! wiederholte Richard . Bürgerkrieg : erwiederte Mitchell : hört mich an , und Ihr werdet finden , daß meine Befürchtungen nicht grundlos sind . Ich will Euch nichts verhehlen , alles was ich weiß sollt Ihr erfahren , dann mögt Ihr selbst urtheilen und auch Eure Maaßregeln nehmen , denn als Militair habt Ihr doch einiges zu riskiren . Richard wollte vor Ungeduld vergehen , aber es half ihm nichts . Mitchell räusperte sich ganz bedächtig , dann fing er vertraulich leise an : Noch vor dem Ausbruche wird die Verschwörung an den Kaiser verrathen werden , das sage ich Euch vorher , traut meinem Worte . Natürlicher Weise bricht dann der Lärm gleich los . Erst hängen , köpfen , dann Widerstand , Aufstand , zwei Parteien , Krieg , Blutvergießen , offne Rebellion , jahrelang , wie in der Vendée , wie in Spanien , wie überall wo der Teufel freies Spiel gewinnt . Deutlicher ! deutlicher ! um Gotteswillen deutlicher ! woher wißt Ihr , vermuthet Ihr ? o sagt mir alles ! bat Richard in höchster Angst . Woher ? nun , wie es sich denn zuweilen wunderbar fügen muß , - nahm ich heute bei Caffarelli mein zweites Frühstück ein , wie gewöhnlich . Viel Gesellschaft war versammelt , es wurde viel getrunken . Vormittags ist das meine Sache nicht ; ich hatte meine Geschäfte im Kopfe ; im Saale wurde es mir zu heiß , zu laut , ich setzte mich mit meinem Taschenbuche in die Ecke einer der kleinen Logen oder Lauben in dem Gärtchen hinter dem Pavillon , um eine wichtige Speculation zu berechnen , die mir eben angetragen worden war . Auf einmal wird es in der Loge dicht neben der meinen laut , viel lauter , als es dem Inhalte des Gesprächs nach zu urtheilen wahrscheinlich geworden wäre , hätten die Herren vorhin nicht zu tief ins Glas gesehen ; glücklicher Weise sprachen sie französisch , um nicht von Jedermann verstanden zu werden . Wahr ist ' s , Mäßigkeit und Umsicht sind nicht Jedermanns Sache , aber - - Den Inhalt ! den Inhalt ! um Gottes Barmherzigkeit willen , den Inhalt : flehte Richard ihn unterbrechend . Es waren ihrer Zwei . Und was konnte der Inhalt ihres Gesprächs anderes sein , als jene Verschwörung , in die sie auch mich gern hineingezogen hätten : fuhr Mitchell fort . Erst kamen Klagen über die Häupter derselben , dann Zweifel an dem Gelingen , dann Reue über den Verrath an dem Kaiser , dann Angst vor den Folgen , bis sie endlich gerade heraus darüber eins wurden , der einzige Weg zu ihrer eigenen Rettung wäre , dem Kaiser alles schriftlich zu entdecken , die Liste der Verschworenen , besonders der Häupter derselben ihm einzusenden , und so für sich selbst Verzeihung auszuwirken , möge aus den Übrigen werden was da wolle . Seht , das ist es eigentlich was mich so stutzig machte ; und nun sprecht , was denkt Ihr davon ? Weiter , weiter , das Ende : rief Richard . Aber was