gewesen sei . Richelieu hatte für den Augenblick kein Bedenken , zu thun , als ob er Buckingham Alles glaube . Diese Verbindung war ihm gelegen . Was ihr entgegen stand , kannte Richelieu besser , als Buckingham . Er war jedoch weit entfernt , diese Schwierigkeit hervor zu heben , die er im Gegentheil sehr bemüht gewesen war Buckingham verbergen zu helfen , zumal da deren Kenntniß damals , wo die Schwester des Herzogs noch am Leben war , nur zu gewiß in den Plänen desselben eine Diversion gemacht hätte . Richelieu war daher entschlossen , erst dann den Herzog die Entdeckung machen zu lassen , wenn er weit genug die Sache betrieben haben würde , um dann aus Stolz sie fortsetzen und nothgedrungen selbst die Hindernisse entfernen zu müssen . Wenn jedoch der Herzog von Buckingham seinen Stolz darein setzte , als eine mächtige diplomatische Person dazustehn , war sein Karakter doch zu sehr die Beute aller Leidenschaften , um eine solche Stellung mit Consequenz und Ueberlegenheit durchführen zu können , und der Leichtsinn und der Uebermuth seines ganzen Wesens verstrickte ihn oft zur selben Zeit , wo er das ernsteste Ziel verfolgen wollte , in tausend Nebendinge , die es dem Zufall anheim gaben , was aus der Hauptsache werden sollte . Daß dessen ungeachtet ihm so viel gelungen , stand er nicht an , seinen Talenten beizumessen , wie sehr es auch nur seinen geschickteren Emissären oder der Furcht vor seiner zügellosen Rachsucht zuzuschreiben war . Auf gleiche Weise wußte er dieser mit Frankreich angeknüpften Verbindung auch dies Mal eine Beimischung einer Thorheit zu geben , die allein hinreichend war , über seine Person die tödtlichsten Gefahren zu bringen , und ihn völlig untauglich machen mußte , die Rolle des Unterhändlers , wonach sein ganzer Ehrgeiz trachtete , weiter durchzuführen . Anna von Oesterreich , die Gemahlin Ludwig des Dreizehnten , lebte an dem Hofe ihres Gemahls wie eine Verstoßene . Dreizehn Jahre lang war eine der schönsten und geistvollsten Frauen , die jemals einen Thron geziert , der Gegenstand eines unüberwindlichen Widerwillens ihres Gemahls gewesen . Jung und von stolzer Gemüthsart , ertrug sie ihr hartes Loos nur mit tiefstem Verdruß , und wußte ihren Wandel nicht vor dem Vorwurf zu bewahren , daß sie ihr Loos verdient habe . Wie konnte Buckingham einer Frau , deren sonderbare Verhältnisse kein Geheimniß waren , und deren bezaubernde Schönheit ihn augenblicklich zum Thoren machte , gegenüber stehen , ohne sich jeden Versuch zu erlauben , den die freche Zügellosigkeit eines verwöhnten Wüstlings ersinnen mag , das Herz und Gewissen eines leidenschaftlichen Weibes zu bethören . Daß Richelieu auch dies kannte , war gewiß , da er jede Verbindung der unglücklichen Königin wußte , ja , leitete ; aber er hatte , durch die Launen des Herzogs begünstigt , hier einen Wächter gefunden , wie ihn Buckingham sich nicht träumen ließ , und der ihn deßhalb um so sicherer durchschaute und umstrickte . Mazarin , dessen unschönes Aeußere jeden Verdacht der Art von ihm zu entfernen schien , hatte durch den langsamen Zauber der Gewöhnung , durch einen vielseitig gebildeten Geist , durch ein sanftes , von kleinen Launen und Eigenheiten pikant gemachtes Wesen , und vor Allem durch den dargelegten Ausdruck einer anbetenden unglücklichen Leidenschaft für die Königin , endlich das eitle und stolze Herz dieser leidenschaftlichen Frau erweicht . So stark gefesselt , und stets noch mehr sie unterjochend durch seine scharfen und launenhaften Sonderbarkeiten , die zu ertragen er sie gewöhnte , blieb er , wenn auch in Wahrheit mit italienischer Wärme sich hingezogen fühlend , doch stets Beherrscher dieser Empfindung , um sie den Umständen und äußern Verhältnissen unterzuordnen . So war ihm der mächtige Einfluß gesichert , der ihm aus dieser Empfindung für die Zukunft erwuchs . Aber er besaß , bei aller Ruhe , womit er unter den Augen und mit der Beistimmung Richelieus diese Verbindung zu seinen Absichten zu lenken wußte , doch einen Grad von Eitelkeit , der sich bei unschönen Männern um so heftiger zeigt , als sie gezwungen sind , dieselbe eben um der ihnen verweigerten äußern Vorzüge willen zu verbergen . Er fühlte sich innerlich unsäglich geschmeichelt , dieser schönen geistreichen und hochfahrenden Königin eine Leidenschaft eingeflößt zu haben , durch die ihr ganzer Karakter aus den Fugen trat und zum willenlosen Spiel seines Willens ward . Die Gefahr eines Verlustes der so errungenen Gewalt für unmöglich zu halten , war vielleicht die größte Täuschung dieses klaren Geistes , und es konnte nur der feinen Phantasmagorie seiner erwähnten Eitelkeit gelingen , ihn darüber sicher zu stellen . Wie mußte er daher Buckingham ansehen , der , ohne in ihm seinen Gegner zu ahnen , ihn fast überrennend , mit der rücksichtslosesten Zuversichtlichkeit und dem ganzen Ungestüm des schönen Mannes dem Ziele zustürmte , welches er für einen Andern fast nicht erreichbar wähnte . Noch war Buckinghams Besuch zu kurz gewesen , noch trieb die zärtliche Frau , Mazarins Eifersucht in ihrer tödtlichen Stärke ahnend , nur Spott mit seiner tollen Leidenschaft ; aber schon gefiel sich ihre Eitelkeit in der Bewunderung des wegen seiner Schönheit und Galanterie berühmten Mannes . Mazarin sah sie mit ihm die kleinen Künste treiben , die ihn freilich nur verführen sollten , um ihn zu verspotten , aber geweckt aus seiner wohlgefälligen Sicherheit , ließ er sich nicht mehr täuschen , und fand sich zum ersten Male durch das mächtigste Gefühl in seinen politischen Ansichten und Beschlüssen gestört . Richelieu durchschaute ihn sogleich und ertheilte ihm in der Stille nur noch eine bedingte Wirksamkeit in den Angelegenheiten , welche die Höfe von Frankreich und England nach Buckinghams Absichten näher verbinden sollten . Doch war es Buckingham bei seiner Rückkehr vorbehalten , den Gegner zu erkennen und zugleich die ans Fabelhafte grenzende Leidenschaft der Königin für diesen fast häßlichen , ernsten und abgemessenen Sonderling . Seine Wuth darüber kam nur dem Verlangen gleich , diesen ihm so unwürdig scheinenden Günstling zu stürzen ,