, sondern auch noch eine beträchtliche Summe schuldig sei ; der , an den er sie verloren , begleitete ihn und erwartete im Vorzimmer die Zahlung , und er beschwor meinen Gemahl , ihn aus diesem Labyrinthe des Unglücks zu erretten , denn in der Hitze des Spiels , aufgereizt durch seinen Verlust und durch den in der Verzweiflung getrunkenen Wein , hatte er sich Reden erlaubt , die sein Verderben herbeiführen konnten , wenn er nicht schleunig den noch in seinen Händen befindlichen Paß zu seiner Abreise benutzen könnte . Evremont übersah nicht nur die Größe der Gefahr , in der mein Bruder schwebte , sondern er erkannte auch , wie nachtheilig für uns die Verbindung mit ihm werden könne . Alle diese Gründe bestimmten ihn , ihm eine Anweisung auf jenen Banquier zu geben , dem er vertrauen durfte , und er hoffte , dieser würde die angewiesene Summe sogleich auszahlen . Unglücklicher Weise war das Bedürfniß meines Bruders so bedeutend , daß aus bester Absicht der wohlwollende Freund die Auszahlung zu verzögern beschloß , um meinen Gemahl vielleicht von einem leichtsinnigen Schritte dadurch abzuhalten , denn die große Eile und die verstörte Miene meines Bruders erregten in ihm den Verdacht , die Güte meines Gemahls möchte gemißbraucht werden , und er erwiederte daher auf die dringende Forderung der Zahlung , er müsse sich erst mit dem Bürger Blainville berechnen , dann sei er bereit Zahlung zu leisten . Wie ein Verzweifelnder kam mein Bruder , von seinem Gläubiger begleitet , zurück und beschwor meinen Gemahl , ihn sogleich zu dem Banquier zu begleiten und die verlangte Berechnung abzuschließen , damit er noch diesen Tag reisen könne , denn seiner erhitzten Einbildung schwebte Gefängniß und Guillotine unaufhörlich vor . Da er die Unbescheidenheit gehabt hatte , seinen Gläubiger bei uns einzuführen , so sah Evremont , daß die Gefahr eben so groß sei , wenn er entschieden darauf bestände , die Berechnung erst am Abende vornehmen zu wollen , als wenn er es wagte , sich ein Mal am Tage bei seinem Geschäftsfreunde zu zeigen , denn im ersten Falle könnte der ihn begleitende Gläubiger meines Bruders leicht Verdacht daraus schöpfen , daß mein Gemahl sich nicht am Tage zeigen wolle . Er beschloß also den unglücklichen Gang . Der wohlwollende Banquier richtete einen Blick des unwilligen Erstaunens auf meinen Gemahl , als er begleitet von meinem Bruder und dessen Gläubiger in seinem Komptoir erschien . Hätten Sie mir geschrieben , sagte er verdrüßlich , daß die Sache so dringend sei , so würde ich mich dazu verstanden haben , die Summe noch zu zahlen . Die Berechnung mit Ihnen kann ich jetzt nicht vornehmen , da mich andere Geschäfte drängen . Er gab seinem Kassirer Befehl , die Summe zu zahlen , und dieser that es stillschweigend , indem er kaum auf meinen Gemahl zu achten schien . Wir athmeten frei , als wir meinen Bruder entfernt wußten , den Dübois hatte abreisen sehen . Dieser gute vorsichtige Mann ging den Nachmittag desselben Tages , um eine andere entlegene Wohnung für uns zu suchen , da er glaubte , daß es besser sei , nach den letzten Ereignissen einen von unserem jetzigen Wohnorte entfernten Theil von Paris aufzusuchen , wo wir wieder völlig unbekannt wären . Es war ein schöner , warmer Nachmittag ; Adele war mit der deutschen Dienerin zu Fuß ausgegangen , um einige Kleinigkeiten zu kaufen und sich dabei ein wenig in der freien Luft zu bewegen ; ich war mit Evremont im seligsten Frieden allein , und wir bildeten Pläne , wie wir nun bald in ungestörter Ruhe in der Schweiz unserm Glück und unserer Liebe leben wollten ; da auf einmal wurde ein Geräusch von vielen Tritten auf den Treppen laut , wir hörten mit Entsetzen das Getöse von Waffen ; die Thür wurde aufgestoßen und Polizeibeamte drängten sich , von Wachen begleitet , in unsere friedliche Wohnung . Ich war betäubt von dem furchtbaren Schreck ; ich hörte nur dumpf , daß der Polizei-Beamte meinen Gemahl als Grafen Evremont verhaftete ; dunkel wie im Traume sah ich , daß unsere Papiere versiegelt und weggenommen wurden ; ich war innerlich erstarrt , ich fühlte in diesem Augenblicke nichts ; als aber der Polizei-Beamte auch mich berührte , um mich als seine Gefangene zu bezeichnen , da zuckte ein so heftiger Schmerz durch meine Brust , daß ich leblos niederfiel . Als ich die Augen wieder öffnete , sah ich meinen Gemahl nicht mehr . Die Ungeheuer hatten ihn während meiner Ohnmacht von meiner Seite gerissen , und ich hatte nicht einmal den letzten traurigen Trost , von ihm Abschied zu nehmen . Meine furchtbare Verzweiflung rührte selbst diese täglichen Diener der Grausamkeit , sie suchten mich auf ihre Weise zu beruhigen und gaben mir zu verstehen , daß man mich zu Evremont führen , daß ich sein Gefängniß mit ihm theilen würde , und dieser Gedanke machte , daß ich ruhig wie ein Lamm folgte und mich führen ließ , wohin man wollte ; dunkel schwebte mir der Tod als unvermeidlich vor , aber es lag in diesem gräßlichen Augenblicke ein Trost in dem Gedanken , daß wir zusammen sterben würden . Auf der Straße vor unserer Wohnung hielt ein Wagen ; ich stieg ohne Weigerung hinein und , diese Erinnerung ist mir noch jetzt beinah die fürchterlichste , ohne an mein Kind zu denken . Mich belehrte jetzt die Erfahrung , daß es einen so gewaltsamen Schmerz geben kann , der selbst die heiligsten Gefühle zu vernichten vermag , denn auf dem Wege nach dem Gefängnisse fiel es mir nicht ein einziges Mal ein , daß ich Mutter sei , nur die Angst um Evremont erfüllte meine ganze Seele . Angelangt in diesem Orte des Grausens wurde ich beinah ohne Bewußtsein in ein großes , schwach erleuchtetes Gemach geführt , und dumpf hörte ich mit Schlössern und Riegeln die Thüre des traurigen Aufenthalts befestigen . Meine Augen schweiften irr umher ,