des englischen Gartens wandre , denn die langen Schatten am frühsten Morgen sind mir beßre Gefährten als alles , was mir den ganzen Tag über begegnet . Da besuche ich alle Morgen meinen alten Winter ; bei schönem Wetter frühstückt er in der Gartenlaube mit der Frau , da muß ich immer den Streit zwischen beiden schlichten um die Sahne auf der Milch . Dann steigt er auf seinen Taubenschlag , so groß wie er ist , muß er sich an den Boden ducken , hundert Tauben umflattern ihn , setzen sich auf Kopf , Brust , Leib und Beine ; zärtlich schielt er sie an , und vor Freundlichkeit kann er nicht pfeifen , da bittet er mich : o pfeifen Sie doch ; so kommen denn noch Hunderte von draußen hereingestürzt mit pfeifenden Schwingen ; gurren , rucksen , lachen und umflattern ihn ; da ist er selig und möchte eine Musik komponieren , die grad so lautet . Da nun Winter ein wahrer Koloß ist , so stellt er ziemlich das Bild des Nils dar , der von einem kleinen Geschlecht umkrabbelt wird , und ich als Sphinx neben ihm kauernd , einen großen Korb voll Wicken und Erbsen auf dem Kopf . Dann werden Marcellos Psalmen gesungen , eine Musik , die mir in diesem Augenblick sehr zusagt , ihr Charakter ist fest und herrschend , man kann sie nicht durch Ausdruck heben , sie läßt sich nicht behandeln , man kann froh sein , wenn die Kraft ausreicht , welche der Geist dieser Musik fordert . Von höherer Macht fühlt man sich als Organ benützt , Figur und Ton von Harmonie umkreist und bedingt auszusprechen . So ist diese kunstgerechte gewaltige Sprache idealischer Empfindung , daß der Sänger nur Werkzeug , aber mitdenkend , mitgenießend sich empfindet , und dann die Rezitative , das Ideal ästhetischer Erhabenheit , wo alles , sei es Schmerz oder Freude , ein tobend Element der Wollust wird . Wie lange haben wir nichts über Musik gesprochen , damals am Rhein , da war ' s , als müsse ich Dir den gordischen Knoten auflösen , und doch fühlte ich meine Unzulänglichkeit , ich wußte nichts von ihr , wie man auch vom Geliebten nichts weiß , als nur , daß man in ihn verliebt ist . Und jetzt bin ich erst gar ins Stocken geraten , alles möcht ich gern aussprechen , aber in Worten zu denken , was ich im Gefühl denke , das ist schwer ; - ja , solltest Du ' s glauben ? - Gedanken machen mir Schmerzen , und so zaghaft bin ich , daß ich ihnen ausweiche , und alles , was in der Welt vorgeht , das Geschick der Menschen und die tragische Auflösung macht mir einen musikalischen Eindruck . Die Ereignisse im Tirol nehmen mich in sich auf wie der volle Strom allseitiger Harmonie . Dies Streben mitzuwirken ist grade wie in meinen Kinderjahren , wenn ich die Symphonien hörte im Nachbarsgarten und ich fühlte , man müsse mit einstimmen , mitspielen , um Ruhe zu finden ; und alles Zerschmetternde in jenen Heldenereignissen ist ja auch wieder so belebend , so begeistigend , wie dies Streiten und Gebaren der verschiedenen Modulationen , die doch alle in ihren eigensinnigen Richtungen unwillkürlich durch ein Gesamtgefühl getragen , immer allseitiger , immer in sich konzentrierter in ihrer Vollendung sich abschließen . - So empfinde ich die Symphonie , so erscheinen mir jene Heldenschlachten auch Symphonien des göttlichen Geistes , der in dem Busen des Menschen Ton geworden ist himmlischer Freiheit . Das freudige Sterben dieser Helden ist wie das ewige Opfern der Töne einem hohen gemeinsamen Zweck , der mit göttlichen Kräften sich selbst erstreitet ; so scheint mir auch jede große Handlung ein musikalisches Dasein ; so mag wohl die musikalische Tendenz des Menschengeschlechts als Orchester sich versammeln und solche Schlachtsymphonien schlagen , wo denn die genießende , mitempfindende Welt neu geschaffen , von Kleinlichkeit befreit , eine höhere Befähigung in sich gewahrt . Ich werde müde vom Denken und schläfrig , wenn ich mir Mühe gebe , der Ahnung nachzugehen , da wird mir angst , ja ich möchte die Hände ringen vor Angst um einen Gedanken , den ich nicht fassen kann . Da möcht ich mit einem Ausdruck Dir hingeben Dinge , denen ich nicht gewachsen bin , und da schwindet mir alle Erkenntnis , langsam wie die untergehende Sonne , ich weiß , daß sie ihr Licht ausströmt , aber sie leuchtet mir nicht mehr . Denken ist Religion , fürs erste Feueranbeten , wir werden einst noch weiter schreiten , wo wir mit dem ursprünglich göttlichen Geist uns vereinen , der Mensch geworden und gelitten hat , bloß um in unser Denken einzudringen ; so erkläre ich mir das Christentum als Symbol einer höheren Denkkraft , wie mir denn überhaupt alles Sinnliche Symbol des Geistigen ist . Nun , wenn auch die Geister sich mit mir necken und nicht fangen lassen , so erhält dies mich doch frisch und tätig , und sie haben mir auf den Weg gestreut gleich einem auserwählten Ritter der Tafelrunde gar mannigfach Abenteuer auf holperigem Pfad , bekannt bin ich worden mit den dürren Geistern der Zeit , mit Ungeheuern verschiedener Art , und wunderbar haben mich diese Besessenen in ihr träumerisch Schicksal gezogen . Aber nicht hab ich erblickt wie bei Dir , da von heiliger Leier mir frisches Grün entgegenglänzte , und nicht hört ich wie bei Dir , dem unter den Füßen silbern der Pfad tönt , als der auf Straßen Apollos wandelt . Da denk ich mit verschlossenen Augen , wie ich gewohnt war , mit Dir lächelnd des Herzens Meinung zu wechseln , den eignen Geist in der Seele fühlend . Deine Mutter sagte mir manchmal von vergangner Zeit , da wollt ich nicht zuhören und hieß sie schweigen , weil ich grad eben mich in Deine Gegenwart träumte . Franz Bader , der nach seiner Glasfabrik