und Freiheit zu verlieren ; auf die Pflicht , die ihm , dem Herzog , daraus erwachsen , solche Willkür nicht zu dulden ; und endlich auf die dem Fürsten wie dem schlechten Edelmann heiligen Turnierartikel , die den Schutz der Unterdrückten dem adelichen Manne auf das Gewissen binden . Sothane Ritterlichkeit , freudig und zuversichtlich , ohne Furcht und Reue offen an den Tag gelegt , sollte , nach des Herzogs Berechnung , die wirksamsten Folgen für des Papstes Lache haben , - ein schneidendes Gegenstück zu Sigmund ' s gegen Huß bewießnen Wortbrüchigkeit liefern , - alle weltlichen Stände auf die Seite des Herzogs bringen , und der großen Anzahl derjenigen Geistlichen , die nur aus Scheu und Furchtsamkeit Partei wider Johannes genommen hatten , neuen Muth , Selbstständigkeit und einen festen Anhalt geben . - Von diesem Allen geschah indessen nicht das Geringste . Friedrichs Biederkeit und Treue scheiterte an dem Bunde seiner Gegner , wie ein die offne See befahrendes Schiff an dem verborgnen Felsenriff zerschellt . Der Herzog hatte Recht gehabt , als er sagte : Sigmund war nie mächtiger , als in dem Augenblicke , wo er , ein demüthiger Knecht , des Papstes Füße küßte , und ihm knieend im Namen der Christenheit für seine Nachgiebigkeit dankte . Diese Nachgiebigkeit eben , - ein Schlangenmittel falscher Staatskunst , von Friedrich mißbilligt , hatte Alles verdorben . Wer den Treubruch eines Andern ahnden will , muß nicht selbst zum Doppelzüngler werden . Dem zufolge kettete sich Kaiser und Concilium fest aneinander . Otto Colonna , ein Fürst der Kirche , ehrgeizig und durchgreifend , wie nur je ein Bewerber um die höchste Macht , trat an die Spitze der zürnenden Väter . Offen ging er nun seinem , früher verhehlten , Zwecke entgegen , und benutzte geschickt die dem Kaiser als Reichsoberhaupt zugefügte Kränkung , um den Bruch zwischen dem Letztern und seinem Reichsstand dem Herzog unheilbar zu machen . Während das Concilium auf der einen Seite die Blitze schmiedete , welche den protestirenden Papst unrettbar von dem römischen Stuhle schleudern sollten , griff auf der Andern Sigmund nach der schrecklichen Waffe , die den , oft nur Schattengewalt besitzenden Kaisern Deutschlands zu Gebote stand , - nach des Reiches Acht . - Wie langsam und zögernd auch diese Strafe vorbereitet wurde , so fand sich doch kein Talisman sie aufzuhalten . Friedrich , verlassen von seinen Freunden , feindselig geschmäht von denen , auf deren Beistand er gebaut , mußte knirschend dem verhaßten Luxemburger das Feld räumen , ehe noch das Ungewitter zum völligen Ausbruch kam . Seinem kleinen Heere von Rittern , Waffenknechten und Dienern hatte er es zu verdanken , daß man den Vorbereitungen zu seinem Abzuge nichts in den Weg legte . Bittrer Unmuth und die Scham , seinem Todfeinde zu unterliegen , peinigte ihn , und sprach auch aus ihm , als am Abend vor seinem Wegzuge Dagobert , von Schafhausen rückkehrend , vor ihm trat . - » Was wollt Ihr hier ? « fragte er den jungen Mann bekümmert : » Entweicht unter dem Fittich der Nacht , - denn - nicht lange wird ' s dauern , und geächtet bin ich , wie Alle , so mir anhängen . Jesus Christus ! wer hätte das gedacht ? Wahrlich , wahrlich ; die Deutschen sinds werth , vor eines Schalksnarren Zobelpelz zu katzenpuckeln . Pfui ! pfui ! Ehre , Treue und Redlichkeit sind nur leerer Tand , und der Falschheit gehört die Welt . Flieht , mein guter Geselle . Eure Treue kann ich jetzt mit nichts belohnen , als mit der Warnung : verlaßt diese Stadt ; man spricht schon hie und da von Eurer Theilnahme an meinem Verrath , wie sie ' s nennen . Geht aber auch nicht mit mir ; ich habe das Spiel verloren , und das Unglück vererbt sich leicht auf junges Blut . Wird ' s wieder Tag , sollt Ihr von mir hören ! « - Dagobert betroffen über das Unerwartete , das er hier erfuhr , versicherte dem Herzog seine Treue , seine Ergebenheit , und den Entschluß , dennoch nicht von seiner Seite zu weichen . Der Herzog schüttelte mit entschiedner Verneinung das Haupt . - » Ich verbiete Euch , mir anzuhängen ! « rief er fast unmuthig : » Der Teufel ist in die Zeit gefahren , und was sonst in deutschen Landen unerhört war , ist an der Tagesordnung . Gehts nach Sigmunds Sinn , - und warum sollte es nicht nach ihm gehen ? so bleibt mir in Kurzem kein Pfulb um meinen Kopf darauf zu legen . Wie könnte ich Euren Bedürfnissen steuern . Geht , geht , wohin des Sohns Pflicht Euch ruft ; gen Frankfurt , und denkt mein an dem Tage , wenn der Pfaffe Euch des Gelübdes entbindet . « - » Mein Wohlthäter ! « seufzte Dagobert , Friedrichs Hand küssend : » Euch zu lassen , fällt mir schwer . « - » Doch ist ' s vonnöthen ; « entgegnete der Herzog , sich rasch losmachend , um der eignen Rührung vorzubeugen : » geht heim , küßt den Vater und das Mütterlein , und freut Euch des Lebens . Jesus Christus ! wär ' ich noch einmal jung und frei wie Ihr ! Mit meinen tyroler Gemsenschützen wollte ich ein Schießen anstellen , daß dem Mehrer des Reichs die letzten Haare wackeln sollten . Aber heut zu Tage gilt ' s der eignen Haut sich wehren . Geht heim , sage ich , und lernt ritterlich Gewerbe . Wer drein schlagen kann , und das Herz auf dem rechten Flecke hat , verdirbt nicht in unserm rauflustigen Vaterlande . Und - weil mir ' s gerade einfällt - ich will Euch zu guter Letzt noch Gelegenheit geben , ritterliche Pflicht zu üben . Der arme Schächer , der Jude , dessen Gold mit zu dem bewußten Turniere helfen mußte , und dessen von