, in das verklärte Auge , das lange schon im Vorgefühl der nahen Himmelsseeligkeit nur zu lächeln gewohnt war . Inhalt einiger der Papiere , welche Anna von Falkenhayn in den verborgenen Fächern des elfenbeinernen Kästchens fand . Bernhard von Leuen an seinen Bruder Albert von Leuen . Gleich nach des Erstern Ankunft auf der Insel Maltha geschrieben . Um Dir , guter Albert ! meinen letzten Abschiedsgruß zu senden , benutze ich die Rückkehr des Schiffes , das mich mit dem günstigsten Winde wie im Fluge von Venedig hierher brachte . In dem freudigen Rausche der jetzt Dich beseeliget , hast Du , Glücklicher ! hoffentlich längst schon die einzige Täuschung verschmerzt , welche ich mir jemals gegen Dich erlaubte , indem ich nicht , wie ich Dich glauben lies , von der kleinen Reise nach St * * * nochmals zu Dir zurückkehrte . Warum sollte auch meine ernste , trübe Gestalt sich nochmals in das Paradies Eurer jungen Liebe stöhrend eindrängen wollen ? Wer selbst nicht glücklich ist , meide ja die Gesellschaft der Glücklichen , seine Gegenwart ist unheilbringend , sie wirft erkältende Schatten in die frisch aufgehende Blüthe des Lebens ; denn wer dieser sich recht erfreuen soll , der darf nie daran erinnert werden , wie leicht alles anders seyn könnte , und wie oft zwischen Morgen und Abend eines einzigen Tages die unerwartete Entscheidung eines ganzen Menschenlebens liegt . Die Kluft zwischen mir und meinem Vaterlande ist jetzt sehr bedeutend , und meine Ruhe , das einzige Gut nach welchem ich streben kann , erfordert , daß ich alles meide , was jene Kluft mir auch nur scheinbar verkleinern könnte . Ich habe viel zu vergessen und wem es damit wahrer Ernst ist , der hüthe sich vor dem Schreiben , denn die Feder ist in dieser Hinsicht die gefährlichste Vertraute . Daher wirst auch Du sogar nur selten Nachricht von mir empfangen , und vielleicht gehen Jahre darüber hin . Was könnte ich Dir auch von mir zu melden haben ? Die Geschichte meines Lebens ist hoffentlich abgeschlossen , und was ich über Dich und Deine Verhältnisse Dir sagen könnte , würde doch nichts anders seyn , als Wiederholung der ernsten Bitten und Ermahnungen , die ich Dir während unsers kurzen Beisammenlebens unaufhörlich an das Herz legte . Selbst schon dieser Brief kann beinahe nichts anders als jene Wiederholungen enthalten ; bewahre ihn wohl , lies ihn zuweilen wenn Du nach mir und meinem Rathe Dich sehnst , und möge Dir dann seyn , als hörtest Du nochmals die warnende Stimme des von der Natur Dir zugegebenen Freundes , der Dich und Dein Glück im Herzen trägt und tragen wird , wenn gleich seine gegenwärtige Stimmung ihm nicht erlaubt , Dir aus der Ferne oft ein Zeichen davon zu senden . Vor Allem laß mich die dringendste meiner Bitten Dir nochmals vortragen , die Bitte : nie , unter keinen Umständen die stille Burg unserer Väter mit einem andern Wohnorte zu vertauschen . Wer , wie Du , das hohe Glück reiner Liebe , die Krone des Lebens errungen hat , der strebe doch ja nach Einsamkeit mit der Geliebten ; nur in dieser kann es wachsen und dauernd bestehen , so wie die Alpenrose sich auch nur im reinen Aether ihrer hohen einsamen Berge in all ' ihrer Pracht entfalten kann . Albert ! bange Sorge um Dich bewegt mein Gemüth . O fliehe die Welt , wenn Du Dein Glück Dir rein bewahren willst ! laß Dich von ihrem Flitterglanze nicht verlocken . Du kennst sie nicht , Du weißt nicht , Du ahnest nicht , wie die edelste Natur , das Meisterwerk des hohen Schöpfers , in jenem glänzenden Gewühle hinabgezogen , entwürdigt werden kann . Ich aber habe es erfahren ! Du und Luise , ihr einfachen , fröhlichen , harmlosen Kinder , was wolltet ihr dort ? Wie könntet ihr beide in Eurer glücklichen Unbefangenheit jemals ungestraft es wagen , Euch jenem schlüpfrigen Pfade anzuvertrauen , der selbst den Erfahrnen , von Jugend auf mit ihm Bekannten Verderben und Untergang droht . Du wirst auf der Burg unserer Väter mit Deiner Luise Dich zwar einsam , doch nicht allein befinden , denn Hunderte gehören zu Euch , die durch Deine Geburt von der Natur an Dich gewiesen wurden und jetzt hoffend zu Dir hinaufblicken , Du selbst hast freilich im Laufe Deines jungen Lebens noch nichts verbrechen , guter Albert , aber bei aller Deiner Schuldlosigkeit hast Du dennoch vieles gut zu machen , was in frühern Zeiten Deine Vorfahren verschuldeten , ob gezwungen oder freiwillig ? gilt hier gleich . Betrachte in den Dörfern , die zu Deinen Besitzungen gehören , die armen verfallnen Hütten , den elenden Zustand ihrer mehr als zur Hälfte verwilderten Bewohner ; dieser Anblick wird Dich besser über das was Dir obliegt belehren , als Worte es vermöchten . Nie wird Langeweile Dir nahen , weil es Dir an Beschäftigung nie fehlen kann , wenn Du mit redlichem Eifer die Pläne zur Verbesserung des Zustandes Deiner Güter auszuführen suchst , die ich Dir vor meiner Abreise zum Theil schriftlich vorlegte ; auch Luise wird in heiter verständiger Thätigkeit Dir zur Seite als Deine Gehülfin sich beglückt fühlen , und sich nach andern Freuden niemals sehnen . Ein Name wie der Deine , von Ahn zu Ahn Jahrhunderte hindurch ehrenvoll bis auf Dich herabgeführt , ist ein Kleinod , dessen Werth Du nie zu hoch anschlagen kannst , wenn Du dabei die heiligen Verpflichtungen nicht aus den Augen verlierst , welche diese unverdiente Gunst des Schicksals Dir auferlegt . Erinnerst Du Dich noch , wie uns Beiden das Herz aufging , als wir Hand in Hand in der , dem Andenken unsrer Vorfahren gewidmeten Gallerie standen und die lange Reihe ehrwürdiger Gestalten betrachteten , welche vor uns in diesen Räumen walteten ? Und doch war der erste unter ihnen , er , der einzige , welcher keine Ahnen aufzuzählen hatte , bei