wenig oder gar keine Studien nach der Natur beginnen , wobei er nicht zugleich dächte , wie er jedes Blatt zu einem Ganzen abrunden , wie er diese Einzelnheit , in ein angenehmes Bild verwandelt , in einen Rahmen eingeschlossen , dem Liebhaber und Kenner gefällig anbieten möge . Es steht manches Schöne isoliert in der Welt , doch der Geist ist es , der Verknüpfungen zu entdecken und dadurch Kunstwerke hervorzubringen hat . - Die Blume gewinnt erst ihren Reiz durch das Insekt , das ihr anhängt , durch den Tautropfen , der sie befeuchtet , durch das Gefäß , woraus sie allenfalls ihre letzte Nahrung zieht . Kein Busch , kein Baum , dem man nicht durch die Nachbarschaft eines Felsens , einer Quelle Bedeutung geben , durch eine mäßige einfache Ferne größern Reiz verleihen könnte . So ist es mit menschlichen Figuren und so mit Tieren aller Art beschaffen . Der Vorteil , den sich der junge Künstler hiedurch verschafft , ist gar mannigfaltig . Er lernt denken , das Passende gehörig zusammenbinden , und wenn er auf diese Weise geistreich komponiert , wird es ihm zuletzt auch an dem , was man Erfindung nennt , an dem Entwickeln des Mannigfaltigen aus dem Einzelnen , keineswegs fehlen können . Tut er nun hierin der eigentlichen Kunstpädagogik wahrhaft Genüge , so hat er noch nebenher den großen nicht zu verachtenden Gewinn , daß er lernt , verkäufliche dem Liebhaber anmutige und liebliche Blätter hervorzubringen . Eine solche Arbeit braucht nicht im höchsten Grade ausgeführt und vollendet zu sein ; wenn sie gut gesehen , gedacht und fertig ist , so ist sie für den Liebhaber oft reizender als ein größeres ausgeführtes Werk . Beschaue doch jeder junge Künstler seine Studien im Büchelchen und im Portefeuille und überlege , wie viele Blätter er davon auf jene Weise genießbar und wünschenswert hätte machen können . Es ist nicht die Rede vom Höheren , wovon man wohl auch sprechen könnte , sondern es soll nur als Warnung gesagt sein , die von einem Abwege zurückruft und aufs Höhere hindeutet . Versuche es doch der Künstler nur ein halb Jahr praktisch und setze weder Kohle noch Pinsel an ohne Intention , einen vorliegenden Naturgegenstand als Bild abzuschließen . Hat er angebornes Talent , so wird sich ' s bald offenbaren , welche Absicht wir bei diesen Andeutungen im Sinne hegten . Sage mir , mit wem du umgehst , so sage ich dir , wer du bist ; weiß ich , womit du dich beschäftigst , so weiß ich , was aus dir werden kann . Jeder Mensch muß nach seiner Weise denken , denn er findet auf seinem Wege immer ein Wahres , oder eine Art von Wahrem , die ihm durchs Leben hilft ; nur darf er sich nicht gehen lassen ; er muß sich kontrollieren ; der bloße nackte Instinkt geziemt nicht dem Menschen . Unbedingte Tätigkeit , von welcher Art sie sei , macht zuletzt bankerott . In den Werken des Menschen wie in denen der Natur sind eigentlich die Absichten vorzüglich der Aufmerksamkeit wert . Die Menschen werden an sich und andern irre , weil sie die Mittel als Zweck behandeln , da denn vor lauter Tätigkeit gar nichts geschieht oder vielleicht gar das Widerwärtige . Was wir ausdenken , was wir vornehmen , sollte schon vollkommen so rein und schön sein , daß die Welt nur daran zu verderben hätte ; wir blieben dadurch in dem Vorteil , das Verschobene zurechtzurücken , das Zerstörte wiederherzustellen . Ganze , Halb- und Viertelsirrtümer sind gar schwer und mühsam zurechtzulegen , zu sichten und das Wahre daran dahin zu stellen , wohin es gehört . Es ist nicht immer nötig , daß das Wahre sich verkörpere ; schon genug , wenn es geistig umherschwebt und Übereinstimmung bewirkt ; wenn es wie Glockenton ernstfreundlich durch die Lüfte wogt . Wenn ich jüngere deutsche Maler , sogar solche , die sich eine Zeitlang in Italien aufgehalten , befrage : warum sie doch , besonders in ihren Landschaften , so widerwärtige grelle Töne dem Auge darstellen und vor aller Harmonie zu fliehen scheinen ? so geben sie wohl ganz dreist und getrost zur Antwort : sie sähen die Natur genau auf solche Weise . Kant hat uns aufmerksam gemacht , daß es eine Kritik der Vernunft gebe , daß dieses höchste Vermögen , was der Mensch besitzt , Ursache habe , über sich selbst zu wachen . Wie großen Vorteil uns diese Stimme gebracht , möge jeder an sich selbst geprüft haben . Ich aber möchte in eben dem Sinne die Aufgabe stellen , daß eine Kritik der Sinne nötig sei , wenn die Kunst überhaupt , besonders die deutsche , irgend wieder sich erholen und in einem erfreulichen Lebensschritt vorwärts gehen solle . Der zur Vernunft geborene Mensch bedarf noch großer Bildung , sie mag sich ihm nun durch Sorgfalt der Eltern und Erzieher , durch friedliches Beispiel oder durch strenge Erfahrung nach und nach offenbaren . Ebenso wird zwar der angehende Künstler , aber nicht der vollendete geboren ; sein Auge komme frisch auf die Welt , er habe glücklichen Blick für Gestalt , Proportion , Bewegung ; aber für höhere Komposition , für Haltung , Licht , Schatten , Farben kann ihm die natürliche Anlage fehlen , ohne daß er es gewahr wird . Ist er nun nicht geneigt , von höher ausgebildeten Künstlern der Vor- und Mitzeit das zu lernen , was ihm fehlt um eigentlicher Künstler zu sein , so wird er im falschen Begriff von bewahrter Originalität hinter sich selbst zurückbleiben ; denn nicht allein das , was mit uns geboren ist , sondern auch das , was wir erwerben können , gehört uns an , und wir sind es . Allgemeine Begriffe und großer Dünkel sind immer auf dem Wege , entsetzliches Unglück anzurichten . » Blasen ist nicht flöten , ihr müßt die Finger bewegen . « Die Botaniker haben eine Pflanzenabteilung , die