davor lag , als Nachtlager vorliebnehmen . Die Wunden hatten mir einen starken Blutverlust verursacht , und mir wurde in der Tat etwas ohnmächtig zumute . Ich fühlte mich sanft fortgetragen . Es war mein guter Meister , der ( ich mochte wohl , ohne es zu wissen , etwas gewinselt haben ) mich vor der Tür gehört , aufgemacht und meine Wunden bemerkt hatte . » Armer Murr , « rief er , » was haben sie mit dir gemacht ? das hat tüchtige Bisse gegeben - nun , ich hoffe , du wirst deinen Gegnern nichts geschenkt haben ! « - » Meister , « dacht ' ich , » wenn du wüßtest ! « und aufs neue fühlte ich mich von dem Gedanken des vollständig erfochtenen Sieges , der Ehre , die ich mir gewonnen , gar mächtig erhoben . - Der gute Meister legte mich auf mein Lager , holte aus dem Schrank eine kleine Büchse , in der Salbe befindlich , hervor , bereitete zwei Pflaster und legte sie mir auf Ohr und Pfote . Ruhig und geduldig ließ ich alles geschehen und stieß nur ein kleines leises Mrrr ! aus , als der erste Verband mich etwas schmerzen wollte . - » Du bist , « sprach der Meister , » ein kluger Kater , Murr ! du verkennst nicht , wie andre knurrige Wildfänge deines Geschlechts , die gute Absicht deines Herrn . Halt dich nur ruhig , und wenn es Zeit ist , daß du die Wunde an der Pfote heil leckst , so wirst du schon selbst den Verband lösen . Was aber das wunde Ohr betrifft , so kannst du nichts dafür tun , armer Geselle , und mußt das Pflaster leiden . « Ich versprach das dem Meister und reichte zum Zeichen meiner Zufriedenheit und Dankbarkeit für seine Hilfe ihm meine gesunde Pfote hin , die er wie gewöhnlich nahm und leise schüttelte , ohne sie im mindesten zu drücken . - Der Meister verstand mit gebildeten Katern umzugehen . Bald spürte ich die wohltätige Wirkung der Pflaster und war froh , daß ich des kleinen aschgrauen Chirurgus fatales Hausmittel nicht angenommen . Muzius , der mich besuchte , fand mich heiter und kräftig . Bald war ich imstande ihm zu folgen zur Burschenkneiperei . Man kann denken , mit welchem unbeschreiblichen Jubel ich empfangen wurde . Allen war ich doppelt lieb geworden . Von nun an führte ich ein köstliches Burschenleben und übersah es gern , daß ich dabei die besten Haare aus dem Pelze verlor . - Doch gibt es hienieden ein Glück , das von Dauer sein sollte ? Lauert bei jeder Freude , die man genießt , nicht schon der - ( Mak . Bl . ) - hohen und steilen Hügel , im flachen Lande hätte er für einen Berg gegolten , belegen . Ein breiter , bequemer , von duftendem Gebüsch eingeschlossener Weg , an dessen beiden Seiten häufig angebrachte steinerne Sitze und Lauben die gastliche Sorge für die wandernden Pilger bewiesen , führte hinauf . Oben angekommen , gewahrte man erst die Größe und Pracht des Gebäudes , das man in der Ferne nur für eine einzeln dastehende Kirche gehalten . Wappen , Bischofsmütze , Krummstab und Kreuz , über dem Tor in Stein gehauen , zeigten , daß sonst hier eine bischöfliche Residenz gewesen , und die Inschrift : » Benedictus , qui venit in nomine domini « lud fromme Gäste ein zum Eintritt . Aber jeder , der eingetreten , blieb wohl unwillkürlich stehen , überrascht , erfaßt von dem Anblick der Kirche , die mit ihrer prächtigen , im Stil des Palladio erbauten Façade , mit ihren beiden hohen luftigen Türmen in der Mitte stand als Hauptgebäude , an das sich von beiden Seiten Flügel anschlossen . In dem Hauptgebäude befanden sich noch die Zimmer des Abts , in den Seitenflügeln dagegen die Wohnungen der Mönche , das Refektorium , andere Versammlungssäle , sowie auch Zimmer zur Aufnahme einkehrender Fremden . Unfern dem Kloster lagen die Wirtschaftsgebäude , die Meierei , das Haus des Amtmanns ; tiefer im Tal umflocht aber das schöne Dorf Kanzheim den Hügel mit der Abtei wie ein bunter üppiger Kranz . Dieses Tal breitete sich aus bis an den Fuß des fernen Gebirges . Zahlreiche Herden weideten in den von spiegelhellen Bächen durchschnittenen Wiesengründen , fröhlich zogen die Landleute aus den Dörfern , die hin und wieder verstreut lagen , durch die reichen Kornfelder , jubelnder Gesang der Vögel scholl aus den anmutigen Gebüschen , sehnsüchtiger Hörnerschall rief herüber aus der fernen dunklen Waldung , beschwingt mit weißen Segeln , glitten schwer beladene Kähne auf dem breiten Fluß , der das Tal durchströmte , schnell vorüber , und man vernahm die frohen Grüße der Schiffer . Überall üppige Fülle , reichlich gespendeter Segen der Natur , überall reges , ewig forttreibendes Leben . Die Aussicht in die lachende Landschaft vom Hügel herab , aus den Fenstern der Abtei , erhob das Gemüt und erfüllte es zugleich mit innigem Wohlbehagen . Mocht ' es sein , daß man dem innern Schmuck der Kirche , der edlen , grandiosen Grundanlage unerachtet , bei dem vielen bunten , vergoldeten Schnitzwerk und der kleinlichen Bilderei mit Recht den Vorwurf der Überladung , des mönchischen Ungeschmacks machen könnte , so fiel dafür der reine Stil , in dem die Zimmer des Abts gebaut und verziert waren , desto mehr ins Auge . Aus dem Chor der Kirche trat man unmittelbar in einen geräumigen Saal , der zur Versammlung der Geistlichen und zugleich zur Aufbewahrung der Instrumente und Musikalien diente . Aus diesem Saal führte ein langer Korridor , der eine jonische Säulenstellung bildete , in die Gemächer des Abts . Seidene Tapeten , auserlesene Gemälde der besten Meister aus verschiedenen Schulen , Büsten , Statüen großer Männer der Kirche , Teppiche , zierlich ausgelegte Fußböden , kostbares Gerät , alles deutete hier auf den Reichtum des wohldotierten Klosters .