, den ich fast schon vergessen hatte . Er wurde sichtbar bleich , als er mich erkannte . Ich weiß nicht , mit welcher Medusengewalt gerade in diesem Augenblicke sein Bild auf meine Seele wirkte . In der Verblendung dieses Anblicks warf ich alle Karten nach dem Orte , wo die Erscheinung gestanden , aber er war schon fort und schnell aus der Stube verschwunden . Alle sahen mich erstaunt an , einige murrten , ich stürzte zur Tür hinaus auf die Straße . Ich ging eilig durch die Gassen und blickte rechts und links in die erleuchteten Fenster hinein , wie da einige soeben ruhig und vollauf zu Abend schmausten , dort andere ein L ' hombrechen spielten , anderswo wieder lustige Paare sich drehten und jubelten , und allen so philisterhaft wohl war . Mich hungerte gewaltig . Betteln mocht ich nicht . Schmaust , jubelt und dreht euch nur , ihr Narren ! rief ich , und ging mit starken Schritten aus dem Tore aufs Feld hinaus . Es war eine stockfinstere Nacht , der Wind jagte mir den Regen ins Gesicht . Als ich eben an den Saum eines Waldes kam , erblickte ich plötzlich hart vor mir zwei lange Männer , heimlich lauernd an eine Eiche gelehnt , die ich sogleich für Schnapphähne erkannte . Ich ging im Augenblick auf sie los , und packte den einen bei der Brust . Gebt mir was zu essen , ihr elenden Kerle ! schrie ich sie an , und mußte auch gleich darauf laut auflachen , was sie über diese unerwartete Wendung der Sache für Gesichter schnitten . Doch schien ihnen das zu gefallen , sie betrachteten mich als einen würdigen Kumpan , und führten mich freundschaftlich tiefer in den Wald hinein . Wir kamen bald auf einen freien , einsamen Platz , wo bärtige Männer , Weiber und Kinder um ein Feldfeuer herumlagen , und ich bemerkte nun wohl , daß ich unter einen Zigeunerhaufen geraten war . Da wurde geschlachtet , geschunden , gekocht und geschmort , alle sprachen und sangen ihr Kauderwelsch verworren durcheinander , dabei regnete und stürmte es immerfort ; es war eine wahre Walpurgisnacht . Mir war recht kannibalisch wohl . Übrigens war es , außer daß sie alle ausgemachte Spitzbuben waren , eine recht gute , unterhaltende Gesellschaft . Sie gaben mir zu essen , Branntwein zu trinken , tanzten , musizierten und kümmerten sich um die ganze Welt nicht . Mitten in dem Haufen bemerkte ich bald darauf ein altes Weib , die ich bei dem Widerscheine der Flamme nicht ohne Schreck für dieselbe Zigeunerin wiedererkannte , die mir als Kind geweissagt hatte . Ich ging zu ihr hin , sie kannte mich nicht mehr . - Von unserm letzten Zusammentreffen bei Rom wußte oder mochte sie nichts wissen . - Ich reichte ihr noch einmal die Hand hin . Sie betrachtete alle Linien sehr genau , dann sah sie mir scharf in die Augen und sagte , während sie mit seltsamen Gebärden nach allen Weltgegenden in die Luft focht : Es ist hoch an der Zeit , der Feind ist nicht mehr weit , hüte dich , hüte dich ! Darauf verlor sie sich augenblicklich unter dem Haufen , und ich sah sie nicht mehr wieder . Mir wurde dabei nicht wohl zumute und die abenteuerlichen Worte gingen mir wunderlich im Kopfe herum . Indes brachten mich die andern Gesellen wieder auf andere Gedanken . Denn sie drängten sich immer vertraulicher um mich , und erzählten mir ihre verübten Schwänke und Schalkstaten , worunter eine besonders meine Aufmerksamkeit auf sich zog . Ein junger Bursch erzählte mir nämlich , wie seine Großmutter vor vielen Jahren einmal einer reisenden , welschen Dame , die mit einem Herrn im Wirtshause übernachtete , ihr kleines Kind gestohlen habe , weil es so wunderschön aussah . Er beschrieb mir dabei alle Nebenumstände so genau , daß ich fast nicht zweifeln konnte , die reisende , welsche Dame sei niemand anders , als Angelina selbst gewesen . - Ich sprang auf und drang in ihn , mir die Geraubte sogleich zu zeigen . Bestürzt über meinen unerklärlichen Ungestüm , antwortete er mir : Das geraubte Fräulein wuchs teils unter uns , teils unter unsern Brüdern in einer Waldmühle auf , wo sie vor einigen Tagen plötzlich mit Mann und Maus verschwunden ist , ohne daß wir wissen , wohin ? « - » So war also Erwine deine Tochter ! « fiel hier Friedrich seinem Bruder erstaunt ins Wort . - » Seit ich dieses kleine Bild hier gesehen « , sagte dieser , » und ihre weitere Geschichte und Namen von euch gehört habe , ist es mir gewiß . Ich habe sie später , nachdem ich schon von der Welt geschieden war , manchmal von der Mauer gesehn und gesprochen , wenn ich des Nachts an Leontins Schlosse vorbeistreifte . Aber mir war der Knabe , für den ich sie hielt , wie ihr , nur reizend als eine besondere neue Art von Narren , als von welcher mir noch keiner vorgekommen war . Denn auch ich konnte und mochte niemals etwas von ihrem früheren Leben aus ihr herauskriegen . Das gute Kind fürchtete wahrscheinlich noch immer Strafe für die unwillkürliche , schändliche Verbindung , in der sie ihre Kindheit zugebracht . - Doch , hört nun meine Geschichte völlig aus , denn das viele Plaudern ist mir schon zuwider : Noch vor Tagesanbruch also , als wir so lagen und erzählten , kam ein junger Kerl von der Bande , der auf Kundschaft ausgeschickt worden war , mit fröhlicher Botschaft zurück , die sogleich den ganzen Haufen in Alarm brachte . Der reiche Graf , sagte er nämlich aus , wird heute abend auf dem Schlosse seinen Geburtstag feiern , da gibt ' s was zu schmausen und zu verdienen ! Es wurde sogleich beschlossen , dem Feste , auf was immer für eine Art , ungeladen beizuwohnen . Das