die Augen aufgeschlagen , und einige Worte gesprochen hatte . Man gab mir die beruhigendsten Hoffnungen , Heliodor hatte meine Ahnung bestätigt ; nicht die Wunden , nur der Blutverlust hatten ihm diese todtähnliche Betäubung zugezogen - sie wird aufhören , wie seine Kräfte sich erholen . Sobald ich einigermaßen mein Herz beruhigt fühlte , setzte ich mich hin , dir zu schreiben , und dir zu sagen , daß es mir nicht möglich ist , meine Blicke vor den schönen Aussichten , die sich mir eröffnen , mit gehöriger Standhaftigkeit zu schließen . Soll es denn bloßes bedeutungsloses Zusammentreffen seyn , was mich von den Ufern der Gothen bis hierher brachte , was mich gerade jetzt zur Pflege der Verwundeten bestimmte , und mir den theuren Freund in diesem Augenblick schenkte ? Er ist ein Christ . Wie kann er Calpurnien seine Hand reichen ? Wie kann er , der so hohe Begriffe vom Zusammenklang der Seelen hat , ein Mädchen lieben , das über den wichtigsten Gegenstand des Menschen ganz verschieden von ihm denkt ? O Junia ! Welche beglückenden Folgen liegen in diesen Fragen verborgen ! Aber noch muß ich mein Herz halten , noch darf ich mich ihnen nicht überlassen , und vor Allem darf Agathokles jetzt noch nicht wissen , wer ich bin . Wie er auch immer für mich fühle , was sein Verhältniß zu Calpurnien seyn mag - eine gähe Entdeckung könnte sein Leben in Gefahr setzen . Noch muß ich verborgen bleiben , aber ich hoffe , die Zeit , das Leben in seiner Gegenwart wird bald meine Zweifel lösen , und dann soll er nach und nach errathen , wer an seinem Lager weinte , und wachte , oder - ich fliehe mit meinem unauslöschlichen Gram ihn , mein Vaterland , die Welt , und begrabe mich in einer tiefen Einsamkeit , in die nur deine Freundschaft zuweilen einen Strahl des Trostes bringen soll . Am 24sten Abends . Die Zweifel sind gelöst - mein Schicksal ist entschieden ! O es war thöricht , vermessen , so ungegründeten Hoffnungen auch nur einen Augenblick Raum zu geben ! In welchen Betracht kann die Verschiedenheit der Denkart , der Religion selbst , von der verzehrenden Flamme einer Leidenschaft kommen , die mit wüthender Gewalt das ergriffene Herz über alle Schranken des Wohlstandes und der Weiblichkeit hinreißt ? Von dieser Macht der Gefühle habe ich keinen Begriff ; aber wer so liebt , muß auch versichert seyn , eben so heiß wieder geliebt zu werden . Und was bleibt dann für die Vergeßne , Verstorbne übrig ! Heute Morgens , als ein luftiger süßer Schlummer voll trügerischer theurer Gestalten mir die erschöpfte Kraft wieder gegeben hatte , hörte ich Agathokles leise rufen . Ich zog den schwarzen dichten Schleier fest um mein Gesicht , meine ganze Gestalt zusammen , und trat mit klopfendem Herzen an sein Lager . Er öffnete die Augen kaum , und forderte nur mit leiser Stimme zu trinken . Ich reichte ihm den Becher , meine Hand zitterte . Wo bin ich ? sing er nach einer Weile wieder an : Wo hat man mich hingebracht ? Ich legte die Hand auf den Mund , und schwieg . Ich fürchtete zu reden , da ich in diesem Augenblick gewiß nicht über meine Stimme gebieten konnte . Ich weiß nicht , ob er mich für stumm , der eigensinnig hielt - er schloß die Augen wieder , und sank auf die Kissen zurück . Jetzt kam Heliodor , nach den Wunden zu sehen . Agathokles erwachte wieder , und wiederholte seine Frage . Heliodor gab ihm Bescheid , er schien sehr zufrieden , und ein freundlicher Blick , eine Bewegung seiner Hand dankte mir für den Theil , den ich an seiner Pflege hatte . Seine Wunden waren , so gut sie seyn konnten ; der ehrwürdige Arzt empfahl ihm nichts als Ruhe , und stärkende Arzneien . Ich weinte ungesehen Thränen der reinsten Freude , aber ich wagte es nicht , länger bei ihm zu bleiben , aus Furcht mich zu verrathen . Die Schwäche , die noch von den Erschütterungen des vorigen Tags an mir sichtbar war , diente mir bei der Vorsteherin des Hauses zur Entschuldigung , daß ich Tabitha mehr für Agathokles zu thun überließ , als ich selbst zu verrichten wagte . Ach , diese Versagung kam mich schwer genug an . Aber die Freude konnte ich mir nicht abschlagen , so viel wie möglich im Nebenzimmer zu seyn , und wenigstens seine Stimme zu hören . Gegen Abend , als es bereits zu dämmern anfing , wagte ich es hinein zu gehen . Er sah mich freundlich an , und grüßte mich als seine stumme Wohlthäterin . Ich neigte mich , ohne zu antworten , und beschäftigte mich an einem Tische mit Zurechtlegen seiner Binden . Jetzt kam eine Aufwärterin des Hauses , und meldete Agathokles , einer seiner Sclaven sey da , der ihn zu sprechen wünsche . Er ließ ihn kommen . Gerechter Gott ! Wer kam ? Ein bildschöner Knabe in niedlicher Sclavenkleidung trat ein . Das hellbraune Haar flatterte in reichen Locken um seine weiße Stirn und die blühenden Wangen . So schwebte die reizende Gestalt näher an ' s Betts - ich erkannte sie jetzt - es war Calpurnia ! Auch Agathokles , der sie vorher verwundert angesehen hatte , errieth die Wahrheit . Er erschrak sichtbar . Cal - rief er - aber mit unbegreiflicher Fassung fiel ihm die Leichtfertige in ' s Wort : Callias , ja , dein treuer Callias ist ' s , der unmöglich von der Gefahr seines Gebieters hören konnte , ohne sich selbst davon zu überzeugen . Bei diesen Worten stand sie an seinem Bette . Er faßte ihre Hand , ich sah ihn erröthen , und wieder erbleichen , ich sah die glühenden Blicke , die sie auf ihn warf , die selige Trunkenheit , mit der sein leuchtendes Auge über die