begleiten , aber sie meinte , ich müsse bei dem Gepäck bleiben . Das that ich denn auch und habe die Koffer gleich mitgebracht . « Der gute Ferdinand erzählte das ganz naiv , ohne zu merken , welche klägliche Rolle er dabei spielte . Er war es freilich längst gewohnt , von der Dame seines Herzens als eine Art höherer Kammerdiener behandelt zu werden , der auf der Reise alles Nötige besorgte , und den man dann , je nach Bedarf , entweder mitnahm oder bei dem Gepäck zurückließ , das fiel ihm gar nicht mehr auf . Geheimrat Rottenstein aber wurde jetzt auf einmal die Liebenswürdigkeit selbst . Er lud den jungen Mann zum Sitzen ein , bot ihm Wein an und äußerte gar keine Besorgnis wegen des Ausbleibens seiner Tochter . Sie kenne den Weg ja genau , man müsse eben warten . Ihm war diese Verspätung der sicherste Beweis , daß Elfriede » jemand « begegnet sei . Wellborn war sehr angenehm berührt von dieser Liebenswürdigkeit . Er nahm Platz und begann zu erzählen , wobei er wie gewöhnlich alles mögliche durcheinander schwatzte . Zunächst von der Reise , die er das Glück gehabt hatte , in Gesellschaft der gnädigen Frau zu machen . Es herrsche so unendlich viel Sympathie zwischen ihnen beiden , die Frau Baronin liebe das Reiseleben , er auch , er habe sich jetzt sogar zu einer Reise um die Erde entschlossen . Dann kam er plötzlich ganz unvermittelt auf seine Fabrik , die schon seinen Papa zum reichen Mann gemacht habe und fortwährend glänzende Geschäfte mache . Er habe zwar nicht Rang und Titel zu bieten , aber sonst ständen alle Annehmlichkeiten des Lebens zu Gebote , ihm , dem glücklichen Erben , und einem Wesen , das er nicht nennen wolle , das aber vielleicht erraten werde , da es dem Herrn Geheimrat sehr nahe stehe – kurz , er steuerte , zwar noch etwas schüchtern , aber doch unverkennbar , auf den väterlichen Segen los . Das hatte nun zwar jetzt keine Gefahr mehr , aber der Geheimrat sah doch ein , daß er es nicht zu einem förmlichen Antrage kommen lassen dürfe . Er lenkte deshalb rasch ab und erkundigte sich angelegentlich nach dem Befinden des Wetterglases . In dem Gesicht des jungen Mannes zeigte sich eine gewisse Verlegenheit bei dieser Frage , aber er zog sofort das Glas hervor , das er natürlich wieder bei sich hatte , stellte es auf den Tisch und betrachtete es mit nachdenklicher Miene . » Ja , das ist eine merkwürdige Geschichte , « gestand er . » Denken Sie nur , mein Wetterglas stand in Aegypten fortwährend auf Regen , monatelang – und am Nil regnet es ja überhaupt nicht . « » Da hat sich das Ding eben geirrt , das passiert ihm ja gewöhnlich , « meinte der alte Herr wohlwollend . » Da hat mein Gärtner ein zuverlässigeres Wetterglas . Sein Laubfrosch saß gestern abend trotz des Regens auf der höchsten Stufe seiner Leiter , und heut haben wir wirklich herrliches Wetter . « » Das zeigt mein Glas ja auch an ! « rief Wellborn triumphierend . » Da sehen Sie selbst – Beständig – höchster Stand ! Nein , wie mich das freut ! « » Wohl weil es so selten vorkommt ? « sagte der Geheimrat , aber Ferdinand lächelte etwas verschämt . » O nein , aus einem anderen Grunde . Ich bekenne mich da einer gewissen Schwäche schuldig . Es ist eine Art Aberglaube – lachen Sie nur , Herr Geheimrat – aber ich nehme diesen günstigen Stand als ein glückliches Vorzeichen für mein Eintreffen in Ihrem Hause , für einen Wunsch , eine Hoffnung , die ich noch nicht nennen will , deren Erfüllung mich aber zum Glücklichsten der Sterblichen – « Da steuerte er schon wieder auf den Segen los . Rottenstein mußte zum zweitenmal dazwischen fahren , und diesmal erkundigte er sich mit krankhaftem Eifer , wie weit denn das große Reisewerk gediehen sei . Er empfing auch ausführlichen Bescheid . Die Reisebeschreibung war fertig und sollte demnächst erscheinen , in glänzender Ausstattung , natürlich auf Kosten des Verfassers , dessen Mittel ihm das ja erlaubten . Damit geriet Ferdinand wieder ins Schwatzen und fand kein Ende dabei . Der alte Herr hörte so wenig zu wie damals unter den Oliven , aber heute schlief er nicht ein , sondern schwelgte in dem erhebenden Bewußtsein , schließlich doch erfolgreich eingegriffen zu haben , wenn auch ganz absichtslos . Er war es ja doch gewesen , der die Nachricht aus Brankenberg gesandt hatte . Der Reichenauer Forst zog sich dicht an der Grenze von Brankenberg hin . Es war ein prächtiger Laubwald , dessen mächtige Baumkronen im Sommer tiefen , kühlen Schatten spendeten ; jetzt flutete der Sonnenschein noch hell durch die Zweige , die das erste zarte Laub trugen , er glitzerte zwischen den Stämmen und spielte in goldenen Lichtern auf dem Boden , wo der Waldmeister duftete und allerlei lustiges Frühlingsleben summte und sich regte . Etwas abseits von dem schmalen Fußwege , der sich durch den ganzen Forst schlängelte , lag ein schattiges Plätzchen . Das grüne Unterholz , das schon reicheres Laub trug , war hier hoch aufgeschossen und in seinem Schütze plätscherte ein kleiner Waldbrunnen , kunstlos in einer Röhre von Baumrinde aufgefangen . Der helle Wasserstrahl sprudelte aus moosigem Gestein hervor , das von blühenden Ranken dicht umsponnen war , und ein Wildrosenstrauch , ganz übersät mit zarten , rosig angehauchten Blüten , neigte sich tief herab auf den einsamen Quell . Neben den Steinen , auf dem moosbedeckten Boden ausgestreckt , lag Robert Adlau ; aber er schien sich wenig um den Forstbestand zu kümmern , den er doch besichtigen wollte . In finsteres Sinnen verloren , blickte er unverwandt in das niederrieselnde Wasser . Jetzt , wo er allein war und keinem fremden Auge mehr standzuhalten brauchte , trat der Zug verbissenen