, Baumgarten , Schönermark und Rauschendorf umfaßte , gekauft und deren Kaufkontrakt einige Zeit darauf dem Major von Kaphengst als Geschenk überreicht . Kaphengst übersiedelte nunmehr nach dem am Huwenowsee gelegenen Schloß Meseberg ; aber diese Übersiedlung , wie schon angedeutet , war so wenig gleichbedeutend mit Entfremdung , daß vielmehr umgekehrt das gute Einvernehmen zwischen Prinz und Günstling aus diesen zeitweiligen Trennungen nur neue Nahrung zog . Überhaupt , aller klar zutage liegenden Schwächen und Schattenseiten Kaphengsts zum Trotz , muß dem Wesen desselben ein Etwas eigen gewesen sein , das den alternden Prinzen in erklärlicher und dadurch annähernd gerechtfertigter Weise höchst sympathisch berührte . Vielleicht war es nichts weiter als Zynismus , der so leicht einen Reiz auf diejenigen ausübt , deren Beruf und Neigung im allgemeinen auf das geistig Verfeinerte geht . Es ist der Zauber des Kontrastes , ein Sichschadloshalten für anderweit empfundenen Zwang . Nur so vermögen wir uns die Fortdauer des Verhältnisses zwischen Prinz und Günstling zu erklären . Denn wenn von Kaphengsts Habsucht , Wüstheit und Eitelkeit schon in Rheinsberg ihre Proben abgelegt hatten , so verschwanden diese neben dem , was er jetzt in Schloß Meseberg in Szene setzte . Debauchen aller Art lösten sich untereinander ab und die wahnsinnigste Verschwendungssucht griff Platz . Schloß Meseberg war ein kostbarer Besitz , aber in den Augen des verblendeten Günstlings lange nicht kostbar genug . Graf Wartensleben , der durch seine Frau ( eine Erbtochter der dort früher angesessenen Gröbens ) in Besitz Mesebergs und der anderen obengenannten Güter gekommen war , hatte 1739 an der Südspitze des Huwenowsees ein Schloß aufgeführt . Wie ein Zauberschloß liegt es auch heute noch da . Der Reisende , der hier über das benachbarte Plateau hinfährt , dessen öde Fläche nur dann und wann ein Kirchturm oder ein Birkengehölz unterbricht , ahnt nichts von der verschwiegenen Talschlucht an seiner Seite , von der steilabfallenden Tiefe mit Wald und Schloß und See . Dieser letztere , der Huwenowsee geheißen , ist eines jener vielen Wasserbecken , die sich zwischen dem Ruppinschen und dem Mecklenburgischen hinziehen und diesem Landstriche seine Schönheit und seinen Charakter geben . Unbedingte Stille herrscht , die Bäume stehen windgeschützt und rauschen leiser als anderswo , das Geläute der oben weidenden Herde dringt nirgends bis in die Tiefe hinab , und nichts vernehmen wir als den Schnitt der Sense , die neben uns das Gras mäht , oder den Ruck , womit der Angler die Schnur aus dem Wasser zieht . An so romantischer Stelle war es , daß Graf Wartensleben sein Schloß aufführen ließ . Er tat es , wie die Sage geht , um in der Wilhelmstraße zu Berlin nicht ein Gleiches tun zu müssen , denn ein Königlicher Befehl war eben damals erschienen , der jedem Edelmanne von Rang und Vermögen vorschrieb , in der Wilhelmstraße ein Palais zu bauen , falls er nicht nachweisen könne , auf seinen eigenen ländlichen Besitzungen mit Aufführung eines gleich stattlichen Baues beschäftigt zu sein . So entstand denn das » Schloß am Huwenowsee « , und die Pracht , mit der es emporwuchs , übertraf noch die des gleichzeitig im Umbau begriffenen Rheinsberger Schlosses . Die die Fassade bildenden Sandsteinsäulen wurden aus den sächsischen Steinbrüchen , die Marmorkamine von Schlesien her herbeigeschafft ; breite mächtige Steintreppen stiegen bis in das obere Stockwerk , eichene Paneele umliefen die Zimmer , während andere bis an den Plafond hinauf boisiert waren . Kostbare Blumenstücke , wahrscheinlich von der Hand Dubuissons und bis diesen Augenblick in voller Schönheit erhalten , füllten den Raum über den Türen , und eine lateinische , in einem der Kellergewölbe angebrachte Inschrift erzählte von Müntherus , dem Baumeister , » auf dessen Anordnung hier Eichen und Buchen in zahlloser Menge gefällt und die terrassenförmig zum See hinabsteigenden Parkanlagen ins Leben gerufen worden seien « . Der Bau überstieg den Reichtum der reichen Grafen , und er verbaute sich ; Park und Schloß hatten ihm eine Tonne Goldes gekostet . 58 So war Schloß Meseberg , das der Günstling im Jahre 1774 bezog . Aber weit entfernt , wie schon angedeutet , an dieser Pracht ein Genüge zu finden , begann jetzt ein Leben , das sich vorgesetzt zu haben schien , hinter dem Reichsgrafen nicht zurückzubleiben und sich ' s abermals eine Tonne Goldes kosten zu lassen . Neubauten aller Art entstanden , aber nicht Bauten , die darauf ausgewesen wären , das Vorhandene durch Treibhäuser und Orangerien auszuschmücken , sondern Bauten , wie sie dem minder verfeinerten Geschmack und Bedürfnis des Günstlings entsprachen . Ein vollständiger Marstall ward eingerichtet , zwanzig Luxuspferde wurden gehalten , und auf den Atlaskissen der Sofas streckten sich die Windspiele , während eine Meute von Jagdhunden um die Mittagszeit ihr Geheul über den Hof schickte . Spiel , Streit und Aventüren füllten die Zeit , und mit untergelegten Pferden ging es in fünf Stunden nach Berlin , wohin ihn Theater und große Oper zogen , weniger die Oper als der Tanz , und weniger der Tanz als Demoiselle Meroni , die Tänzerin . Der Prinz hatte Kunde von dem allen , und wenn er nicht hundertfältig Ursache gehabt hätte , den Kopf zu schütteln , so hätte ihm doch das Eine Grund vollauf gegeben , » daß an seinen Säckel und seine Großmut in nicht endenwollenden Geldverlegenheiten endlos appelliert wurde « . Schließlich mochte er hoffen , durch eine Verheiratung des ehemaligen Lieblings die Dinge zum Bessern hin ändern zu können , und da von Kaphengst auf diesen Plan willfährig und ohne weiteres einging ( schon um durch Nachgiebigkeit einen Anspruch auf neue Forderungen zu gewinnen ) , kam im Jahre 1789 zu besonderer Freude des Prinzen eine Vermählung zwischen dem Major von Kaphengst und Demoiselle Toussaint zustande . Maria Louise Therese Toussaint war die Tochter des mehr genannten Lekteurs und Bibliothekars , und hatte bei den Aufführungen auf der Rheinsberger Bühne , wie auch sonst wohl , sich die Gunst des Prinzen in hohem Grade zu erringen