: Trauer därf nie des Hungers Feind sein . Und du bist mir nicht bös ? Gelt , nein ? Ich hab gemeint , ich tu dir was Liebes an , wenn ich von deiner Mutter red . « » Ja , Frau ! « sagte der Bub mit seiner schönen dunklen Stimme . » Tausend Vergeltsgott - weil Ihr so gut seid - zu mir - « » Du gefällst mir . Und schau , ich bin doch auch eine Mutter und hab einen Buben . « Frau Marianne tat einen schweren Seufzer . » Der muß jetzt umeinandreiten in der Welt , ich weiß nicht , wo ! Und kann in Fahrnis und Kriegsnot kommen . Gott verzeih mir die Sünd - ich denk oft : Der Herrgott ist auch bloß Mannsbild . Sonst müßt er doch dreinschlagen mit dem himmlischen Besen . Bei so viel Narretei auf der Welt ! Aaaah , freilich ! Brandschatzen , Kästen zerschmeißen , Weiber nöten , mit Pulver pumpern , mit Eisen scheppern - und nachher brüsten : Hui , was ist der Krieg für ein lustig Ding ! Und was eine Mutter ist , die kann derweil versterben vor lauter Angst um ihren Buben . Kein Stündl bei Tag und Nacht , wo man nit fürchten muß , jetzt , jetzt , jetzt rumpelt so ein Haufen Lauskerl über meinen Buben her und metzget ihn nieder . Wegen siebzehn Ochsen ! Ja , Ochsen ! Wer sind denn die Ochsen ? Die den Krieg machen , die sind ' s ! « Frau Marianne mußte für ein Weilchen verstummen , um ihre reichlich fließenden Tränen zu trocknen ; bei dieser feuchten Beschäftigung gewahrte sie nicht , daß auch dem gepanzerten Buben zwei schwere Perlen herunterkollerten über den Mund . » Ach , Bub - freilich , du , ein junges Mannsbild im ersten Eisen , du denkst wohl anders - aber tu ' s einer Mutter nicht verübeln , was sie leiden muß ! « Jul schüttelte den Kopf . Und die Amtmännin klagte weiter : » Tätst du nur wissen , was für ein richtiges Leben in meinem Lampert ist ! Und schau , wenn ich gut bin zu dir , als Mutter zu einem fremden Buben - es muß doch , noch irgendwo ein lützel Gerechtigkeit geben - schau , da darf ich mir denken : Was ich tu an einem Fremden , das kommt in der schiechen Welt da draußen meinem Buben wieder heim von einer fremden Mutter . « Da flüsterte eine dunkle Stimme voll Inbrunst : » Gott soll ' s geben ! « » Gelt , ja ? « Und Frau Marianne , in einem Sprudel zärtlicher Worte , schüttete das Lob ihres Sohnes aus bedrückter Seele heraus . Wie aufrecht , fest und redlich er wäre , wie herzlich zu seiner Mutter , wie fleißig und tüchtig in seiner Wissenschaft , wie klar und reinlich in seinem Leben , wie geschickt und klug in allen Dingen , zu denen man Vernunft benötigt . » Und wär ' s meinem Buben nachgegangen , so hätt das ganze Elend mit dem Ochsenkrieg nie angehoben . Der Bub hat allweil dawider geredet . Aber nein ! Recht muß Recht sein ! Und da schreien die Bänkelsänger aus , wir Weibsleut wären so - « Frau Marianne hob in Zorn die Arme über den Kopf und machte die berühmte Bewegung des Knickens auf dem Daumennagel . » So ? Ja ? Und wie sind denn die Mannsleut ? Die fahren doch gleich mit Kammerbüchsen los gegen jeden Rechtsfloh , der in ein Gräsl beißt . Mein Bub hätte den Unsinn noch hindern mögen in der letzten Stund . Jesus , wenn ich drandenk , wie er auf seinem Rössel hinausgesurrt ist zum Haustor ! Da hat kein Schrei seiner Mutter nimmer geholfen . Weißt , er hätt die Pfändleut noch gern überholt . Und wie ist er heimgekommen am Abend ! Das Gesicht so weiß wie das Bett da ! Und den linken Arm haben sie ihm ausgeschmissen , die Unmenschen . Und schier kein richtiges Wörtl nimmer hat er im Hals gehabt . Weißt , beim Burgstall am Gwöhr , da hat er die Pfändleut noch gesehen , hoch droben auf der Bergschneid . Und da hat mein Bub in seiner Sorg einen Schrei getan , der ihm die Stimm zerrissen hat . Das ist noch allweil nicht gut . « Erschrocken verstummte Frau Marianne und betrachtete ratlos den schweigsamen Buben . Der zitterte so heftig , daß die Stahlschienen an seinen Armen knirschten . Sein Gesicht war entstellt , und die weit geöffneten Augen brannten wie der Blick eines Fiebernden . » Bub ? Um Christi willen ? Bist du krank ? « Er schüttelte den Kopf und bewegte die Lippen . Reden konnte er nicht . » Aber ich seh ' s doch , Bub ! Dir muß was fehlen ! Tu deine Hand her ! Laß schauen , ob du fieberst ? « Frau Marianne war aufgesprungen und wollte die Hand des Buben fassen . Da scholl durch den Treppenschacht die Stimme des Runotter herauf : » Jul ? Höi ? Wo bist ? « Der Bub sprang auf . Mit zitternden Händen warf er das Sehwertgehenk über den Küraß , faßte die Kettenhaube und wollte zur Türe . Die aufgeregte Frau vertrat ihm den Weg , raffte den blinkenden Helm aus den weißen Bettkissen , drückte dem Buben das feine Stahldach auf das schwarze Haar und stammelte : » Das Hütl ! So nimm doch das Hütl ! Dein junges Leben muß doch bin Schirmdach haben ! « Als Jul hinunterkam in den Flur , fragte Runotter erschrocken : » Bub ? Was ist dir ? « Ohne zu antworten , fiel Jul auf die Steinbank hin . Und als Runotter diese verstörten Augen sah , schrie er ratlos dem Heiner zu : » Spring , Mensch ! Such den Malimmes !