erlaubte Wunsch wagt es , Gebet zu werden . Sie fragten mich damals , als wir uns in Berlin begegneten , wie und wo Sie an die europäische Sekte des Neubuddhismus , von welcher ich Ihnen berichtete , Anschluß finden könnten ? Ich wußte Ihnen damals nichts Genaues zu sagen . Heute , da wir uns wieder begegnen - - kann ich Ihnen die gewünschte Mitteilung geben . Drei Deutsche , die in Indien das gelbe Kleid der Buddhistenmönche nahmen , haben in der Nähe von Lugano das erste europäische Buddhistenkloster gegründet . Suchen Sie diese Männer auf , es wird Ihnen nicht schwer fallen , sich ihnen anzuschließen , - denn die Fäden Ihres Schicksals laufen , wenn mich nicht alles trügt , gerade dahin ... « Der Luganer See war in der nächsten Nähe von Werners jetzigem Aufenthaltsort Ascona , am Lago Maggiore , und er hatte nicht gezögert , die Besiedelung bald aufzusuchen . Von den strahlenden Gestaden des Sees ein wenig entfernt , verborgen im Gebirge , standen einige Blockhütten - die erste Niederlassung des indo-europäischen Ordens . Die gewünschte Aufnahme war ihm bewilligt worden , - in wenigen Tagen wollte er ganz dahin übersiedeln . » Wie bedeutsam ist es doch , « schrieb er , » daß gerade die Hand jenes Mannes , die unsichtbar und ohne ihren Willen beteiligt war , mich in den Abgrund zu stoßen , daß gerade jene Hand mir den Weg weisen muß zu neuem Leben ! « ... Dann berichtete er über die Hauptgedanken der Lehre , wie sie ihm in Novaggio bei Lugano von den deutschen Buddhisten erläutert worden war . Vor allem erkenne diese Lehre keinen persönlichen Gott an . Es wäre kaum irgendein Grund , sie überhaupt als Religion zu bezeichnen , sondern es gebührte ihr der Name einer rein philosophischen Weltanschauung , wäre nicht der Umstand , daß der Geist , der in diese Lehre hinabtaucht , geläutert und erhoben , von religiöser Andacht dem Dasein gegenüber erfüllt , sich aus ihr erhebt . Die drei deutschen Mönche sind Kolonisten eines Vereins , der seinen Sitz in London hat und sich » The followers of the Buddha « benennt . Kein geheimnisvolles Ritual sei vorgeschrieben ; die Erörterung philosophischer Fragen und die moralische Selbsterziehung seien die wichtigsten Prinzipien des Vereins . Dieser modernistische Buddhismus trage einen wissenschaftlich-rationalistischen Zug , den eine starke , sozialistische Unterströmung begleite . Die Übersetzung alter , orientalischer Texte , sowie religiös-philosophischer Vorträge und gewisse Übungen der Versenkung der Seele in sich selbst gehörten mit zu der Beschäftigung der Kolonisten . Der zentrale Glaube , nach welchem die Lebensführung gerichtet werde , sei die altarische Lehre : daß das Seelenheil nur durch die höchste Entwickelung des Verstandes zu erreichen sei , daß nur die Unwissenheit von der richtigen Vorstellung der Dinge trenne und jene Disharmonien erschaffe , an denen sich die Menschheit verblute . Diese Erziehung des Geistes sei die eigentliche Tugend , die hier gepflegt werde ; ein Leben in Zurückgezogenheit , in andächtiger Vertiefung in die höchsten Gedanken , - das sei der Weg zu diesem Ziel . Die wahren Strebungen dieser Lehre seien also gerade entgegengesetzt jener gewöhnlichen , europäischen Auffassung , die da behauptet , der Buddhismus erstrebe den geistigen Tod . Schon der beständige Kampf , die moralischen Grundprobleme der Welt zu vertiefen , erfordere unausgesetzte Übung der Vernunft , die von jenem Zustande seelischen Verdämmerns , den man hinter dem Buddhismus vermute , am sichersten bewahre . Der Neu-Buddhismus kenne auch kein Nirwâna , wie es die Europäer verstehen ; die stille Andacht , welcher die Seele sich ergibt , bringe sie allerdings einem Zustand näher , der die Bilder der Welt und ihre lauten Kämpfe zurückweichen lasse . » Geh ' an der Welt vorbei - es ist nichts « ... Über dieses Nichts , als endliches Ziel , schwankten die Meinungen der verschiedenen Sekten . Jedenfalls sei der Begriff ein so transzendenter , daß er das Streben der Jünger nach Vervollkommnung nicht beeinflusse . Ursprünglich sei ein einziger , deutscher Mönch an das Ufer des Luganer Sees gekommen . Eine kleine Blockhütte war für ihn errichtet worden ; dann aber hatte er zwei seiner Schüler deutscher Abstammung zu sich kommen lassen , und nun wurden noch einige Holländer und Engländer erwartet . Die Blockhütten würden denn auch vermehrt . So scheine sich diese Niederlassung in Mitteleuropa zu festigen und zu verbreitern . Er selbst sei bereit , in diese Gemeinde als Kolonist einzutreten . Kein Gelübde werde ihn binden . Wohl werde von ihm erwartet , daß er sich zum Buddhismus ausdrücklich bekenne , aber erst nach einer vorbereitenden Zeitspanne , die er als Schüler in der Gemeinde verbringe . Um die mönchischen Grade zu erringen , müßte er später nach Indien gehen und dort , in alten Klöstern , den Buddhismus an seinen Quellen studieren ; aber so weit sei es noch lange nicht ; immerhin - so schrieb er - fühle er sich heute freier , als er jemals war ; Beruhigung habe sich über ihn gebreitet . Seit der Zeit , da er den Brief des Herrn von Bredow erhalten , habe die böse und giftige Wunde aufgehört zu schwären , - er fühle , wie sie sich schließe ... Und daß ihm hier , in der Sonne des Südens , eine solche Zuflucht beschieden sei , in der sein bestes Teil sich weiter zu entwickeln vermöge und Friede und tiefste Stille , fern vom Getöse der Städte , fern vom Kampfplatz sozialen Ringens , ihn erwarte , das sei für seine Seele heute ein überaus glückliches Wissen . Ob es wohl immer so sein würde ? Ob er vom Schüler zum Jünger und vom Jünger zum Mönch weiter steigen würde , - er wisse es heute noch nicht ... Als sie den Brief gelesen hatte , blieb sie lange in Gedanken versunken . Dann schüttelte sie den Kopf . Daß ihm diese Zuflucht , diese Weltflucht , jetzt