? Sonderbares Fragen ! Worüber ? Wem ? Warum ? Wofür ? Und auf solche abgerissene Silben soll man eine verständige Antwort geben können ! Wißt Ihr , wie lange es her ist , seit wir diesen Kiowa getroffen haben ? « » Fast sechs Stunden . « » Richtig ! Und was hat er in diesen sechs Stunden gemacht ? « » Uns hierher geführt . « » Das meine ich nicht . Das war seine Pflicht . Er hat aber etwas getan , was ganz und gar nicht seine Pflicht gewesen ist ! Ja , ganz und gar nicht ! Aergert Ihr Euch nicht auch darüber ? « » Ich ? Es ist mir nichts bekannt , worüber ich mich zu ärgern hätte ! « » So ? Wirklich ? Nichts , gar nichts ? Ist das nichts , wenn dieser Indianer sechs volle Stunden lang unaufhörlich neben Eurer Lady reitet und derart mit ihr spricht , daß sie weder Augen noch Ohren für andere Leute hat , auch nicht für Euch selbst ? Ist das wirklich nichts ? « Also das war es ! Er war eifersüchtig auf den Kiowa ! Er hatte meine Frau gern , sehr gern , und es machte ihn , den alten , vereinsamten Menschen , glücklich , wenn sie sich unterwegs mit ihm ein Viertel-oder ein halbes Stündchen unterhielt . Um dieses Glück sah er sich heut gebracht . Ich tat aber , als ob ich kein Verständnis dafür habe und antwortete : » Ja , das ist allerdings nichts . Es gab während der ganzen Zeit nichts Wichtiges , was ich mit meiner Frau hätte besprechen müssen . Ich ersehe also gar keinen Grund , der mich hätte veranlassen müssen , ihre Unterhaltung mit diesem unserm neuen Freunde abzubrechen . « » Freund ? Freund nennt Ihr ihn ? Hm ! « » Soll ich nicht ? « » Nein ! Man hat vorsichtig zu sein ! Ich heiße Maksch Pappermann und bin ein alter , erfahrener Kerl . Ehe ich Jemand meinen Freund nenne , pflege ich tage- , wochen- und monatelang zu prüfen ! Auch Ihr pflegt sonst außerordentlich vorsichtig zu sein , noch vorsichtiger als ich . Heut aber seid Ihr ganz wie aus- oder umgewechselt . Ich warne Euch ! Ich meine es gut ! Ich bitte Euch , nehmt es von mir an ! Wollt Ihr ? « » Ja . Sie sollen nicht wieder sechs Stunden lang miteinander reden . « » So recht , so recht ! Ich finde das außerordentlich vernünftig von Euch . Wenn Ihr in dieser Weise redet , werfe ich meinen Aerger über den Haufen und fange wieder an , zu lachen . Glaubt Ihr , daß wir hier wirklich sicher sind ? Nichts zu befürchten haben ? « » Vollständig sicher . « » Es ist doch toll , was für ein Vertrauen Ihr zu diesem Roten habt ! « » Ihr irrt . Ich vertraue ihm , weil ich mir selbst vertraue . Ich höre nicht auf ihn , sondern nur auf mich . Es war doch auch bei Euch von Mißtrauen keine Rede ! « » Ja , zuerst ! Aber diese Schwatzhaftigkeit kam mir verdächtig vor . Mir scheint , er hat Mrs. Burton ausgefragt und wird nun das , was er hörte , da unten bei den Kiowa und Komantschen erzählen ! « » Das befürchte ich nicht . Uebrigens ist er noch gar nicht unten bei ihnen . « » Well ! Ich passe auf ! Mir soll nichts entgehen ! Ich lasse mich nicht betrügen ! « Damit war die Sache für jetzt abgemacht . Als ich das Herzle nach dem Essen ein wenig ironisch fragte , ob es ihr gelungen sei , hinter das Geheimnis des Indianers zu kommen , antwortete sie : » Leider noch nicht . Er ist verschwiegen . « » Aber du hast doch beinahe sechs Stunden lang nur allein mit ihm gesprochen ! Nennst du das schweigen oder verschwiegen sein ? « » Man kann sprechen , ohne zu plaudern . Wir haben nicht über sein eigenes , kleines Leid , sondern über das große , erhabene Leid der ganzen roten Rasse gesprochen . Er denkt sehr richtig , und er fühlt tief . Ich habe ihn liebgewonnen , sehr lieb ! « » Oho ! « » Ja , wirklich ! Es ist mir da freilich Etwas begegnet , was ich dir gestehen muß . « » Schon wieder ein Geständnis ? « » Leider , leider ! Ich begreife es nicht ! Wenn er so lieb und warm für seine Nationen sprach , wenn er es so tief beklagte , daß wir Weißen die Roten für minderwertig halten , da wurden seine schönen , ehrlichen Augen feucht , und es stieg in mir auf , als müsse ich ihn auf Stirn und Wange küssen und ihm die Tränen mit meinen Händen trocknen . Das muß ich dir sagen . Er ist ein Mann . Ich wiederhole : Ich verstehe es nicht ! « » Wenn nur ich es verstehe , liebes Kind , « antwortete ich . » Und verstehst du es ? « » Ja . « » Und erteilst du mir Absolution ? « » Sehr gern . Sprechen wir morgen weiter hierüber . Hast du vielleicht erfahren , wo das Kiowadorf jetzt liegt , in dem ich damals zu Tode gemartert werden sollte ? « » Ja . Es lag an der Salzgabel des Red-River . Jetzt aber liegt es weit im Westen davon , auch an einem kleinen Flüßchen , dessen Namen mir aber entfallen ist . Er hat dich sofort erkannt , als er dich heut erblickte . « » Ah ? So sah er mich also nicht zum ersten Male ? « » Nein . Er kennt dich von damals her . Er war im Dorf , als man dich brachte . Er stand dabei , als du