sich an dem Leichnam . Ein paar Dragoner wollten ihn zum Fenster hinauswerfen . Deveroux ließ ihn die Treppe hinunterschleppen und aufs Pflaster legen . Gegen Morgen brachte ihn ein Wagen auf die Burg , wo er neben die anderen Leichen zu liegen kam . Da hab ich ihn gesehen , den Kriegsfürsten , bleich , blutig und starr , in einen roten Teppich wie in einen scharlachenen Königsmantel gehüllt ... « Der Trompeterhans verstummte , während das gräfliche Fräulein aufschluchzete , und die Junker klagten : » Vater ! Was wird nun aus unserm Vater ? « - Nach einem düstern Schweigen fragte der Rentschreiber : » Und wann ist die Untat geschehen ? « - » Am 25. Feber . « - » Den Tag zuvor geschah die Verhaftung unseres Herrn Schaffgotsch . « - » Nicht zeitig « - so fuhr der Trompeterhans fort - » hab ich die Meldung der Vorfälle heimbringen können , da ich erst vor fünf Tagen aus der Egerschen Gefangenschaft entlassen worden bin . « - » Was wird aus unserm Vater ? « klagten die Kinder aufs neue . » Nun ist er auf die gerühmte Klemenz des Hauses Habsburg angewiesen « , sagte der Rentmeister kleinlaut und bitter . Wir trösteten die jungen Schaffgotsche , so gut es gehen wollte . Ich dachte indessen : Da hat nun der kaiserliche Hof neue Beute ; die reichsten Herren des Schlesischen und Böhmischen Gebirges liegen auf der Strecke ; die Güter der Friedländischen Herrschaft sowie Terckys und Kinskys werden konfisziert , und wer weiß , ob nicht auch die Schaffgotschischen an die Reihe kommen . Mir scheint , das Hauptverbrechen unseres Herrn ist sein Reichtum . Den Teufel auch ! Als wir die besten Männer von Schreiberhau zur Beratung versammelt hatten , schlug uns eine neue Hiobspost aus Kemnitz nieder . Der kaiserliche Fiskal von Knobelsdorf schrieb dem Rentmeister , es seien die Schaffgotschischen Güter dem Fisco Ihrer Majestät verfallen ; was aber die Kinder des Freiherrn anlange , so werde ihnen eine Alimentation gewährt , vorausgesetzt , daß sie sich der kaiserlichen Gnade unterwerfen . Nach manchem Hin und Wider der Meinung kamen wir schließlich überein , es sei für die Herrenkinder das Ratsamste , doch lieber nicht im Gebirge versteckt zu bleiben , sondern ins Kemnitzer Schloß zurückzukehren . Schwer und grimm war mein Herz , als ich diesen Abend den einsamen Gang zur Abendburg tat . Friede ! seufzete ich droben bei meinem Felsen , und in den lichtbesäten Nachthimmel sank mein Schauen ... Friede , warum meidest du wie ein Geächteter das Volk der Erdbewohner ? Ist unsere Kreatürlichkeit daran schuld , daß wir so unaufhörlich in Habgier und Streite lodern , nicht anders denn Holz , wann es angesteckt in Flammen aufgeht ? Von der Erbsünde reden die Gottesgelahrten , und es muß wohl so sein , daß der Mensch durch einen Sündenfall sein ganz Geschlecht aus dem Garten Eden verbannt . Selbstsüchtig hat die Kreatur sich abgesondert von der Einigkeit ihres Ursprungs und ist dem Schweifen in der Fremde verfallen , wie der verlorene Sohn , oder wie der Engel Luzifer , so in den Abgrund stürzte . Und nun - was kann die verlorene , vereinsamte Seele erlösen und heimführen ? Zerreißen muß sie den Schleier des Wahns , es seien die Geschöpfe genötigt , einander zu befehden . Das brauchen sie mitnichten ; vielmehr soll sich eines im andern wiederfinden und mit ihm heimkehren zum allgemeinsamen Vatergrunde . Oh ich ahne die Seligkeit dieser Heimkehr . Du gabst sie mir zu kosten , meine Thekla ! Drum glaub ich gern , was die Sprachkundigen sagen : der Name Thekla sei griechisch und bedeute » Gottesschlüssel « . Allerdings hast du , Geliebte , mir aufgeschlossen das Sternenland , wo Ich und Du im Ewigeinen zusammenfließen . O Schwester fern im Sternenland , Ich grüße dich mit heißem Weinen . All meine Tiefen sind entbrannt , Mich deinem Lichte fromm zu einen . Du mahnest an den Vatergrund , Der uns einander eingeboren . Ein Sündenwahn zerriß den Bund ; Mein Garten Eden ging verloren . Geschieden aus der Ewigkeit , Trieb ich der Fremde nach vermessen . Fort spülte mich die Woge Zeit - Und meine Schwester war vergessen . Doch eines Nachts am Felsenstrand , Als dumpf das Lied der Öde toste , Da ward ich heimlich süß gebannt , Weil mich ein Sternenauge koste . Du warst es , und ich sog den Seim Der alten Lieb aus diesem Auge . Nun fühl ich treu , wo ich daheim , Und daß ich noch zur Heimkehr tauge . Nun trag ich treu der Fremde Not Und sehne mich zur Strahlenferne - Bis alle Fremdheit in mir tot .. O selig Grab im Schwestersterne ! Es war an einem Abend des Julimonds , und ich molk meine Ziegen , als der Oheim nebst einem Fremden auf meine Klause zuschritt . Der war jung , von hohem , schlankem Wuchse , hatte große stahlblaue Augen und schwarzes Haar . Im gebräunten Antlitz sproß der erste Bart. Waffen trug er und sahe wie ein Soldat aus . Als wir einander begrüßt hatten , sprach der Oheim : » Hier ist ein Bote vom Schmiedeberger Stadthauptmann Pretorius , bringet trübe Kunde . Schmiedeberg ist von einer streifenden Partei niedergebrannt . « Seufzend nickte der Bote : » Bis auf wenige zerschlagene Häuser stehet nunmehr alles ganz öde und wüst . « Schweigend sahen wir einander an , verdüstert die Stirnen . Dann fragte ich : » Und hat Er sonst noch etwas von seinem Hauptmann zu vermelden ? « - » Allerdings , « entgegnete der Bote , » Pretorius hat einen Teil der Bürgerschaft in den Meltzer Grund gerettet , wohin kein Feind zu dringen wagt . Wir haben ein wenig Vieh und Getreide . Das genügt indessen nicht , und so hat Herr Pretorius Boten in die unterschiedlichen Ortschaften des Gebirges abgesandt , anzufragen