ich mich entschlossen , ihn zu holen ? Dahinter steckt eine Finte , entschied Quandt , er will mich milde stimmen . Forschend schaute er sich um , und sein Blick fiel auf das Wasserglas , das auf dem Nachttischlein stand . Er nahm das Glas und hob es prüfend empor , es war halb leer . » Haben Sie Wasser getrunken , Hauser ? « fragte er düster . Caspar sah ihn verständnislos an . Der Blick des Lehrers , von dem Glas auf das Kissen gleitend , bekam einen vorwurfsvollen Ausdruck . » Sollten Sie nicht aus Versehen das Wasser verschüttet haben ? « fragte er weiter ; » ich sage : aus Versehen und meine durchaus nichts andres , Sie können freimütig mit mir reden , Hauser . « Caspar schüttelte langsam den Kopf ; er verstand nicht , was der Mann wollte . Verstockt , verstockt , dachte Quandt und gab das Verhör auf . Als Caspar zum Unterricht ins Wohnzimmer kam , teilte ihm Quandt in geziemender Würde mit , daß ihm eine Tochter geschenkt worden sei . » Wieso geschenkt ? « fragte Caspar naiv . Quandt runzelte die Stirn . Die Gleichgültigkeit , mit welcher der Jüngling ein solches Ereignis aufnahm , verdroß ihn sehr . Seine Haltung war kalt und förmlich , als er sagte : » Wir beginnen wie gewöhnlich mit der Bibelstunde . Lesen Sie Ihr Pensum vor . « Es war die Geschichte Josephs . Da ist ein alter Mann , der viele Söhne hat , aber den jüngsten unter ihnen am meisten liebt und ihm einen bunten Rock gibt , um ihn auszuzeichnen . Deswegen hassen ihn nun die Brüder und wollen nicht mehr freundlich mit ihm reden . Und Joseph erzählt ihnen einen Traum von den Garben . » Siehe , wir banden Garben auf dem Felde , « erzählt er , » da stand meine Garbe auf und blieb stehen , und siehe , eure Garben waren ringsum und beugten sich vor meiner Garbe . « Da antworten die Brüder : » Willst du denn König werden über uns ? willst du herrschen über uns ? « Und sie hassen ihn noch mehr wegen seiner Träume . Aber Joseph ist sehr arglos , er scheint den Grund ihrer Abneigung nicht zu ahnen , er erzählt ihnen alsbald einen zweiten Traum , nämlich wie die Sonne , der Mond und elf Sterne sich vor ihm beugten . Ein Traum von leichter Deutbarkeit , denn elf ist die Zahl der Brüder . Sogar der Vater schilt ihn wegen dieses Traumes . » Was denkst du , Joseph , « spricht er vorwurfsvoll , » soll ich und deine Mutter und deine Brüder , sollen wir kommen , uns vor dir zu beugen ? « Und bald darauf gehen die Brüder , die alle Hirten sind , aufs Feld , um die Schafe zu weiden , und Joseph wird von seinem Vater zu ihnen gesandt . Und wie die Brüder ihn von ferne sehen , sprechen sie zueinander : » Seht , da kommt der Träumer . « Und sie beschließen , ihn zu erwürgen , sie wollen ihn in eine Grube werfen und vorgeben , ein wildes Tier habe ihn verzehrt ; » dann werden wir ja sehen , was aus seinen Träumen wird « , sagen sie hohnvoll . Da ist aber einer unter den Brüdern , der Erbarmen hat , und er warnt die andern . Er rät ihnen , den Jüngling in die Grube zu werfen , ihn jedoch nicht zu töten . Und so geschieht es auch ; sie ziehen ihm den Rock aus , den bunten Rock , den er trägt , und werfen den Knaben in die Grube , und als dies vollbracht ist , erscheint ein Zug von Kaufleuten aus fernem Land , und die Brüder einigen sich jetzt , den Joseph zu verkaufen , und sie verkaufen ihn um Geld . Dann nehmen sie Josephs Kleid , tauchen es in das Blut eines geschlachteten Tieres und sprechen zum Vater : » Das blutige Kleid haben wir gefunden , sieh doch , ob es nicht deines jüngsten Sohnes Kleid ist . « Der Alte zerreißt sein Gewand und ruft aus : » Trauernd will ich hinunterfahren zu meinem Sohn in die Unterwelt . « Als Caspar soweit gekommen war , versagte ihm die Stimme . Er stand auf , legte das Buch beiseite , und seine Brust ward von Seufzern nur so geschüttelt . Die Hand vor den Mund gepreßt , erstickte er mit großer Anstrengung das heraufquellende Schluchzen . Quandt stutzte . Er beobachtete den Jüngling scharf . Er hatte dabei den schrägen Blick einer an den Pfahl gebundenen Ziege . » Hören Sie mal , Hauser « , sagte er endlich . » Sie werden mir doch nicht weismachen wollen , daß Sie von dieser simpeln Geschichte so ergriffen sind , die Ihnen noch dazu wohlbekannt sein muß ; meines Wissens haben Sie ja diesen Teil des Alten Testaments schon beim Professor Daumer durchgenommen . Da muß Ihnen doch auch gegenwärtig sein , daß es dem Joseph noch recht glücklich ergangen ist , denn er war ein reiner und guter Mensch . Ich bitte , sparen Sie sich also die Mühe . Wenn Sie pflichtgetreu , aufrichtig und folgsam sind , werden Sie bei mir zehnmal besser fahren als durch die unzeitige Schaustellung von so weit hergeholten Affekten . Ich glaube Ihnen Ihre Tränen einfach nicht ; ich denke Ihnen das heute schon einmal deutlich genug bewiesen zu haben . Damit erzielen Sie bei mir nur das Gegenteil von dem , was Sie beabsichtigen mögen , ich bin nämlich kein Freund von Gefühlsausbrüchen , im allgemeinen nicht , und bei so ungegründetem Anlaß schon gar nicht . Es ist nachgerade Zeit für Sie , sich an den Ernst des Lebens zu gewöhnen . Und weil wir nun schon so offen miteinander reden , möchte ich Sie dringend warnen ,